Stand: 13.09.2020 15:50 Uhr

Jens Kestner: Kurswechsel in der Niedersachsen-AfD

Jens Kestner und Dana Guth (beide AfD) reichen sich die Hand. © picture alliance/Swen Pförtner/dpa Foto: Swen Pförtner
Der neue AfD-Landesvorsitzender Jens Kestner will mit seiner Vorgängerin Dana Guth zusammenarbeiten.

Knapp 30 Monate war Dana Guth Landesvorsitzende der AfD in Niedersachsen. Am Sonnabend scheiterte die 50-Jährige bei der Wiederwahl. Beim Landesparteitag in Braunschweig wurde Jens Kestner in einer Kampfabstimmung zu ihrem Nachfolger gewählt. Für die AfD in Niedersachsen bedeutet das einen Kurswechsel: Während Guth als "gemäßigt" gilt, wird Kestner dem offiziell aufgelösten völkisch-nationalistischen "Flügel" in der AfD zugerechnet, der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Das heißt: Mit Kestner hat die AfD in Niedersachsen nun einen Vorsitzenden, der potenziell vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

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Kestner will AfD "hörbarer" machen

Auf dem Landesparteitag kündigte Kestner an, dass die AfD in Niedersachsen "wieder hörbarer" werden müsse. Auf der Straße und mit Protestaktionen müsse für die Politik der Partei gekämpft werden. Dies habe aber nichts mit aggressiven Tönen zu tun, sagte Kestner dem NDR Fernsehen. Die Migrationspolitik, die Innere Sicherheit, die Energiewende sowie die Corona-Beschränkungen bezeichnete der 48-Jährige als politische Schwerpunkte. Als Ziel peilt er zweistellige Wahlergebnisse an. Vor drei Jahren hatte die AfD bei der Landtagswahl 6,2 Prozent der Stimmen erreicht.

Kritik an Corona-Regeln

Vor seiner Wahl, die er im fünften Wahlgang mit 278 von 535 Stimmen für sich entschied, hatte Kestner in einer kämpferischen Rede die Corona-Regeln kritisiert. Diese würden von oben so verordnet, "um uns zu kontrollieren und die Macht der Altparteien zu erhalten". Es sei daher gut gewesen in Berlin "für unsere Rechte und für unsere Freiheit" auf die Straße gegangenen zu sein, sagte Kestner. Er spielt damit auf die Corona-Proteste Ende August an, an deren Anschluss Rechtsextreme versuchten, den Reichstag zu stürmen.

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Kestner will mit Guth zusammenarbeiten

Nach seiner Wahl zum Landesvorsitzenden betonte Kestner, er wolle künftig mit Guth zusammenarbeiten - trotz der Grabenkämpfe der Vergangenheit. Guth hatte bereits vor dem Parteitag erklärt, sie wolle unabhängig von dem Ergebnis Vorsitzende der Landtagsfraktion bleiben.

Büro mit Armin Paul Hampel

Kestner stammt aus Northeim. Seit September 2017 gehört er dem Bundestag an. In Berlin teilt er sich ein Büro mit dem früheren - und schließlich abgewählten - AfD-Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel. Kestner beherrscht laute Rhetorik mit Pathos, und zeigt sich gern an der Seite von Björn Höcke. Er hat ein Bestattungsunternehmen und diente als Zeitsoldat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.09.2020 | 11:00 Uhr

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