Stand: 13.02.2019 18:39 Uhr

Hersteller ruft 157.000 Herzschrittmacher zurück

von Holger Bock

Medtronic, der weltweit größte Hersteller von Medizinprodukten mit Sitz in den USA, muss 157.000 seiner Herzschrittmacher zurückrufen. Der Grund: Die Geräte könnten ausfallen. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen und des NDR Fernsehmagazins Hallo Niedersachsen musste allein das Klinikum Region Hannover 590 Patienten zur Kontrolle einbestellen. Außerdem gab die Medizinische Hochschule Hannover an, dass 70 ihrer Patienten entsprechende Herzschrittmacher haben. Im Klinikum Oldenburg kommen weitere 25 Fälle hinzu.

Jemand hält einne Herzschrittmacher in der Hand

Medtronic ruft defekte Herzschrittmacher zurück

Hallo Niedersachsen -

Der weltweit größte Hersteller von Medizinprodukten, Medtronic, muss einige Modelle eines Herzschrittmachers zurückrufen. Allein in Niedersachsen sind Hunderte Patienten betroffen.

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Größte Rückrufaktion im Bereich der Kardiologie

Der Fehler liege höchstwahrscheinlich in der Programmierung des Geräts, erklärt Professor Andreas Franke vom Siloah Krankenhaus im Klinikum Region Hannover. Das führe dazu, dass die Schrittmacher in seltenen Fällen die Herzimpulse falsch interpretieren und nicht mehr funktionieren. Für die meisten Patienten sei das wahrscheinlich kein Problem, so Franke. Doch sicherheitshalber müssten alle Patienten mit diesen speziellen Schrittmachern des Herstellers Medtronic kontrolliert werden. Der Chefarzt spricht von der größten Rückrufaktion im Bereich der Kardiologie. Das Klinikum Oldenburg geht davon aus, dass alle Herzzentren in Deutschland diese fehlerhaften Schrittmacher gehabt und bei Patienten eingesetzt haben.

Operationen nur in wenigen Fällen nötig

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Allein im Klinikum Region Hannover müssen fast 600 Patienten mit entsprechenden Herzschrittmachern kontrolliert werden.

In den fünf Kliniken der Region Hannover sind nun Sondersprechstunden eingerichtet worden, damit die fast 600 betroffenen Patienten beraten werden können. Chefarzt Franke geht davon aus, dass in den meisten Fällen ein Software-Update ausreichen wird, damit das Gerät wieder einwandfrei funktioniert. Nur in wenigen Fällen sei eine Operation erforderlich.

Hersteller hofft auf Update in zweiter Jahreshälfte

Wann das Update des Herstellers kommt, steht noch nicht fest. Der Medizinprodukte-Konzern Medtronic hofft, dieses Update in der zweiten Hälfte des Jahres liefern zu können. Das geht aus einer Sicherheitsinformation hervor, die das Unternehmen am 24. Januar 2019 an alle Kunden sowie an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verschickt hat.

Sieben Herzschrittmacher-Typen betroffen

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Die betroffenen Schrittmacher könnten Herzimpulse falsch interpretieren. Ein Software-Update soll das Problem beheben.

Aus der Sicherheitsinformation geht auch hervor, dass insgesamt sieben verschiedene Herzschrittmacher-Typen betroffen sind. Die Markennamen der Medtronic-Herzschrittmacher lauten: Adapta, Versa, Sensia, Relia, Attesta, Sphera, und Vitatron. Wie der Konzern auf NDR Anfrage mitgeteilt hat, gibt es für diese Geräte teilweise bereits seit dem Jahr 2007 ein CE-Zertifikat, ausgestellt von der TÜV Süd Product Service GmbH sowie von der DEKRA Certification B.V.

Ärztekammer fordert bundesweites Register für Implantate

Wie viele Patienten sich nun bundesweit untersuchen lassen müssen, steht noch nicht fest. Auf Nachfrage des NDR hat Medtronic dazu bislang keine Angaben gemacht. Zudem gibt es auch kein bundesweites Register für Implantate. Solch ein Verzeichnis müsse nun endlich kommen, fordert die niedersächsische Ärztekammer. "Zudem brauchen wir ein staatlich geprüftes Zertifikat für Implantate", betont Sprecher Thomas Spieker. Bislang könnten sich die Hersteller ihre Gutachter europaweit aussuchen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.02.2019 | 19:30 Uhr

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