Stand: 12.07.2018 10:32 Uhr

Gebühr für Notaufnahme? Vorstoß entfacht Debatte

Die Kassenärztliche Vereinigung in Niedersachsen (KVN) fordert eine Gebühr für Patienten, die in die Notaufnahme eines Krankenhauses kommen. Wer kein medizinischer Notfall ist, soll demnach 50 Euro Eintritt zahlen. Notfallambulanzen seien dazu da, schwer kranken Menschen zu helfen, sagte KVN-Sprecher Detlef Haffke dem NDR. Derzeit sei dies nicht so: Etwa 30 Prozent aller Notaufnahme-Patienten seien Bagatellfälle, so Haffke. Der Vorschlag hat eine Debatte ausgelöst.

Eine Hand hält einen 50€ Schein vor einer Notaufnahme.

Zahlen Patienten in Notaufnahmen bald 50 Euro?

Hallo Niedersachsen -

Immer mehr Menschen gehen auch mit leichteren Erkrankungen gleich in die Notaufnahme, die Kliniken sind überlaufen. Daher wird nun über eine Gebühr von 50 Euro diskutiert.

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Politik und Sozialverbände sehen keine Chance für Gebühr

Die KVN hatte eine mögliche Gebühr für Notaufnahmen in den vergangenen Wochen wiederholt thematisiert. Zuletzt hatte KVN-Vorstandschef Mark Barjenbruch die Gebühr in einem Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch) als "Option" bezeichnet. Das damit verbundene Geld könne in einen Topf fließen, aus dem andere Projekte im Gesundheitswesen bezahlt werden, sagte Barjenbruch der Zeitung.

Reimann hält nichts von "abschreckenden Eintrittsgeldern"

Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) spricht sich dagegen aus. Gegenüber NDR 1 Niedersachsen räumte sie zwar ein, dass die Inanspruchnahme der Notaufnahmen drastisch gestiegen sei und sich "in den letzten Jahren mehr als verdreifacht" habe. Von Gebühren, die sie als "abschreckende Eintrittsgelder" bezeichnet, halte sie aber nichts, sagte Reimann. Stattdessen brauche es eine "bessere, koordinierte Struktur für die Notaufnahme".

KVN: Gebühr soll "Denkanstoß" für Patienten sein

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Notaufnahmen lehnen immer öfter Patienten ab

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Die Notaufnahmen vieler Kliniken sind überlastet und nehmen bestimmte Notfälle nicht mehr an. Ein Problem für die Patienten und die Mitarbeiter der Rettungsdienste. Video (03:31 min)

KNV-Sprecher Haffke betonte gegenüber dem NDR, dass der Vorschlag der 50-Euro-Gebühr ein "Denkanstoß" sei. Patienten sollten vor dem Besuch in der Notaufnahme überlegen, ob der Besuch "wirklich wichtig" sei. "Große Fälle" wie ein Verdacht auf Herzinfarkt, große blutende Wunden, Ohnmachtsanfälle und ähnliches gehörten "natürlich" in die Notaufnahme. In diesen Fällen würde die Gebühr auch nicht erhoben werden. Diese solle nur für "leichtere Fälle" gelten, die auch im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst und in Kassenarztpraxen betreut werden könnten. Diese Aufteilung habe der Gesetzgeber schließlich auch so vorgesehen, sagte Haffke.

Ministerium verweist auf telefonische Beratung

Naila Eid, Sprecherin des Sozialministeriums, verwies zudem auf den telefonischen Bereitschafsdienst der KVN, an den sich Patienten in Niedersachsen unter 116 117 wenden können, wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist. Eid sagte, es sei Sache der KVN, die kostenlose ärztliche Beratung stärker bekannt zu machen. Darüber sei die Ministerin mit der KVN im Gespräch. Vorstandschef Barjenbruch kündigte an, dass man stärker für die kostenlose Notfallnummer der niedergelassenen Ärzte werben wolle. "Ich zweifele jedoch daran, dass Aufklärung allein das Problem lösen kann", sagte er.

In die Notaufnahme wegen Wartezeiten

KVN-Sprecher Haffke sieht für die Überlastung von Notaufnahmen mehrere Gründe. Patienten würden - unter anderem wegen der technischen Ausstattung - annehmen, in einer Notaufnahme besser behandelt zu werden. Ein weiterer Grund sei eine Vermeidung von möglichen Wartezeiten bei Haus- und Fachärzten. Dies sieht auch Christoph Haedicke, Leiter der Notaufnahme am Klinikum Braunschweig, so. "Es gibt Patienten bei uns, die ganz klar erklären, dass ihr Facharzttermin erst in drei Wochen ist, sie so lange aber nicht warten wollen", sagte Haedicke NDR 1 Niedersachsen. Dies seien Patienten, die den Mitarbeitern in der Notaufnahme viel Arbeit machen, die "wir aber irgendwie versorgen müssen", so der Mediziner. Dennoch sieht auch Haedicke eine Gebühr für Behandlungen, die bei leichten Fällen fällig wird, kritisch. Die Differenzierung sollte bereits vorher erfolgen, etwa durch eine entsprechende telefonische Beratung. Wenn die Patienten erst mal in der Notaufnahme sind, sei es zu spät, so Haedicke.

Weitere Informationen

Zahlen Patienten bald Gebühren für Notaufnahme?

Viele Notaufnahmen sind chronisch überlastet, diese Diagnose ist nicht neu. Als Therapie schlagen die Kassenärzte nun vor: Wer ohne Not in die Klinik kommt, muss eine Gebühr zahlen. (25.06.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.07.2018 | 08:00 Uhr

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