Stand: 14.08.2018 20:27 Uhr

Ferkelkastrationen: Doch weiter ohne Betäubung?

Eigentlich scheint gesetzlich alles klar geregelt: Vom 1. Januar 2019 an darf kein Ferkel mehr ohne Betäubung kastriert werden. So sieht es eine Änderung des Tierschutzgesetzes vor, welche der Bundestag schon 2013 beschlossen hat. Niedersachsen macht sich nun jedoch für eine Fristverlängerung stark: Das Kabinett hat am Dienstag entschieden, einer entsprechenden Bundesratsinitiative aus Bayern zur Änderung des Tierschutzgesetzes mit einer Übergangsregelung bis Ende 2023 beitreten zu wollen. Also doch weiter ohne Betäubung?

Ferkel in einem Stall.

Wann kommt die Betäubung bei der Ferkelkastration?

Hallo Niedersachsen -

Niedersachsen setzt sich beim Bund für eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Ferkelkastration ein. Bis Ende 2023 soll demnach eine Übergangsregelung gelten.

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Otte-Kinast: "Sind technisch noch nicht so weit"

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte, die Verschiebung sei nötig, um die Ergebnisse der derzeit laufenden Studien auszuwerten und in die Praxis umzusetzen. "Wir sind derzeit technisch noch nicht so weit, die bekannten Alternativen der Ferkelkastration ohne Betäubung flächendeckend umzusetzen", sagte Otte-Kinast. Die Agrarministerin hatte sich bereits zuvor für einen Aufschub ausgesprochen. Auch das Landvolk Niedersachsen hatte dies gefordert.

Debatte um Ferkelkastration: Worum geht es?

  • Ferkel werden kastriert, um den von vielen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleisches auszuschließen. Viele Tierschützer sind gegen die Kastration.
  • Alternativ stehen laut Agrarministerium mehrere Verfahren zur Verfügung: Die Jungebermast, die Jungebermast mit Impfung gegen den Ebergeruch (die sogenannte Immunokastration) und die chirurgische Kastration unter Inhalations- oder Injektionsnarkose.
  • Als weitere Möglichkeit gilt der in Dänemark angewandte "Skandinavische Weg". Darunter versteht man eine Kastration nach einer Lokalanästhesie, die durch den Landwirt vorgenommen wird. Nach Angaben des Agrarministeriums müssten dafür aber sowohl das Tierschutzgesetz als auch das Arzneimittelgesetz geändert werden.
  • Alle vier Möglichkeiten werden laut Ministerium bereits in der Praxis geprüft, gelten aber nicht als ausreichend wissenschaftlich erforscht.

Kritik von den Grünen

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Nordmagazin

Tierschutzgesetz belastet Ferkelzüchter

Nordmagazin

Ab 2019 dürfen männliche Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden - das sieht das Tierschutzgesetz vor. Für die Ferkelzüchter bedeutet es hohe zusätzliche Kosten. Video (02:47 min)

Die Opposition kritisierte den Kabinettsbeschluss. Die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne) verwies darauf, dass die Übergangszeit seit dem Bundestagsbeschluss für die Branche mehr als ausreichend gewesen sei, um sich auf das neue Verfahren einzustellen. Staudte warf SPD und CDU vor, mit der geforderten Fristverlängerung einen "Persil-Schein für die Fortsetzung dieses tierquälerischen Verfahrens ausstellen" zu wollen. Ihrer Ansicht nach gehe es nur ums Geld, da die Kosten für die Betäubung pro Ferkel drei bis vier Euro betragen könnten.

Weitere Informationen

Ferkel sollen länger betäubungslos kastriert werden

Ab 2019 ist das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln eigentlich verboten. Nun aber will Niedersachsens Landwirtschaftsministerium eine Fristverlängerung erreichen. (26.07.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 14.08.2018 | 19:30 Uhr

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