Ein Pfleger schiebt eine Person in einem Rollstuhl. © Picture Alliance Foto: Tom Weller

Corona-Krise: Diskussion um maximale Arbeitszeit für Pflege

Stand: 03.11.2020 10:30 Uhr

Die Höchstarbeitszeit für Beschäftigte in Kliniken und Pflegeheimen steigt auf 60 Stunden pro Woche. Die neue Regelung sei bis Ende Mai befristet, teilte das Sozialministerium am Montag mit.

In Niedersachsen erfolgt dieser Schritt zum zweiten Mal: Bereits Ende März, nach Ausbruch der Corona-Pandemie, war die Arbeitszeit über eine Allgemeinverfügung auf bis zu 60 Wochenstunden erhöht worden. Ende Mai war die Verfügung ausgelaufen.

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Pflegekammer: Regierung solle sich schämen

Die vor der Auflösung stehende Pflegekammer kritisiert das Vorgehen des Landes. Monatelang sei verschlafen worden, die medizinischen Einrichtungen auf die zweite Welle der Corona-Pandemie vorzubereiten. "Jetzt sollen wieder die Beschäftigten in den systemrelevanten Berufen unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit die Situation retten", sagte Pflegekammer-Präsidentin Nadya Klarmann. Die Regierung solle sich schämen, auf den Rücken der Menschen, die das System am Laufen halten, die eigenen jahrelangen Fehler in der Pflegepolitik auszubügeln.

Klarmann: Entscheidung treibt Pfleger aus ihrem Beruf

Das Gesundheitssystem werde nicht zusammenbrechen, weil Betten oder Beatmungsgeräte fehlen, sondern weil die Pflegefachpersonen in einer nie zuvor da gewesenen Art und Weise verheizt werden, kritisierte Klarmann. Schon jetzt bedeuteten Acht-Stunden-Schichten in voller Schutzausrüstung eine extreme Belastung für Beschäftigte in der Pflege. Die Landesregierung torpediere mit der Entscheidung das jahrelange Bemühen, Pflegeberufe attraktiver zu machen. Eine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit sei unter keinen Umständen zu akzeptieren. Dies "wird die Kolleginnen und Kollegen aus dem Beruf treiben", beklagt Klarmann.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.11.2020 | 18:00 Uhr

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