Sendedatum: 11.03.2019 07:20 Uhr

Premiere in Hamburg: Großer Applaus für "Nabucco"

von Elisabeth Richter

"Nabucco" zählt zu den bekanntesten Opern des Komponisten Verdi - und das vor allem wegen des berühmten Gefangenenchors, der von den Israeliten im babylonischen Exil gesungen wird. An der Hamburgischen Staatsoper hat der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Oper jetzt neu inszeniert. Serebrennikov steht zurzeit in Moskau unter Hausarrest, er konnte die Proben nicht selbst leiten. Die Inszenierung setzte der Choreograf Evgeny Kulagin um, indem die Proben und Serebrennikovs Anmerkungen dazu per Video übermittelt wurden. Serebrennikov, der auch das Bühnenbild und die Kostüme entworfen hat, stellt die altbiblische Geschichte in einen heutigen Kontext. Der italienischen Dirigent Paolo Carignani leitete die Aufführung.

Mit dem berühmten Gefangenenchor gedenken die Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft sehnsüchtig ihrer Heimat. Kirill Serebrennikov zeigt dazu aktuelle Bilder, auf denen man in traurige Gesichter von Flüchtlingen blickt, darunter viele Kinder. Geht es heute um die Flüchtlingskrise, stehen meist der Separatismus vieler Staaten oder die Abschiebungen im Zentrum. Serebrennikov lenkt mit seiner "Nabucco"-Inszenierung den Blick darauf, wie sich die Menschen fühlen, die ihre kriegszerstörte Heimat verlassen mussten. Der Opernchor tritt während der Einsätze des Gefangenenchors in den Hintergrund. Flüchtlinge, die in Hamburg leben, stellen sich davor.

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Nabucco: Opernpremiere aus dem Moskauer Hausarrest

An der Hamburgischen Staatsoper feierte die "Nabucco"-Inszenierung von Kirill Serebrennikov Premiere. Der russische Regisseur steht in Moskau unter Hausarrest. extern

Projekt-Chor mit Flüchtlingen

Später singen diese Flüchtlinge als Projekt-Chor in einer Umbaupause noch einmal Verdis Gefangenenchor. Das war zwar eindrücklich, aber es wirkte doch eher, als sei es ein bisschen zu viel des Guten. Denn schon zuvor hatte in jeder Umbaupause der Oud-Spieler Abed Harsony allein und mit der Sängerin Hana Alkourbah zu Herzen gehende Lieder aus Syrien gesungen, zu denen erschütternde Kriegsfotos des russischen Journalisten Sergey Ponomarev gezeigt wurden.

Arien als Statements im UN-Sitzungssaal

Kirill Serebrennikovs "Nabucco" spielt im Sitzungssaal des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Da stehen sich die Integrationsbefürworter um ihren Führer Zaccaria und die assyrischen Nationalisten unter Nabucco gegenüber. Am Rednerpult singen sie ihre flammenden "Arien-Statements".

Arien bei der UN: Verdis "Nabucco" im neuen Kontext

"Breaking News" kommentieren Handlung

Die biblische Geschichte funktioniert in diesem heutigen Kontext erstaunlich gut. Handlungsorte sind auch Büros um den Sitzungssaal. Auf Bildschirmen und Schriftbändern flackern ständig Nachrichten und Erklärungen zu Serebrennikovs Sicht der "Nabucco"-Handlung. Diese Informationsflut lässt sich kaum erfassen. Nicht immer ist klar, welche der widerstreitenden Parteien agiert. Dort war das Geschehen besonders in den vielen Chorpassagen zu statisch.

Machtehrgeiz und erotische Obsessionen

Dafür sind vor allem Nabucco und seine Stieftochter Abigaille psychologisch eindrücklich profiliert. Der größenwahnsinnige Nabucco erklärt sich zum Gott und wird vom Blitz getroffen. Serebrennikov deutet dies als Schlaganfall, der durch die Abwendung seiner leiblichen Tochter Fenena ausgelöst wurde. Abigaille muss erfahren, dass sie das Kind eines Sklaven ist. Ihre Verletzungen sublimiert sie bei Serebrennikov mit Machtehrgeiz und erotischen Obsessionen.

Großer Applaus für das Regieteam

Musikalisch überzeugten vor allem der von Eberhard Friedrich exzellent vorbereitete Chor und das von Paolo Carignani zu einem wunderbar ausgewogenen Klang geformte Philharmonische Staatsorchester. Carignani setzte den Drive von Verdis Musik spannend um, ohne ins Reißerische abzudriften. Sängerisch überzeugten besonders der Bariton Dimitri Platanias als Nabucco sowie der Tenor Dovlet Nurgeldiyev als Ismaele. Während der Aufführung gab es bei den Zwischenspielen mit der syrischen Musik und den Kriegsfotos einige Unmutsäußerungen aus dem Publikum. Doch der Schlussapplaus für das Regieteam, das T-Shirts mit der Aufschrift "Free Kirill" für den noch immer unter Hausarrest stehenden Serebrennikov trug, war einhellig.

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Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Staatsoper Hamburg, Großes Haus
Große Theaterstraße 25
20354  Hamburg
Kartenverkauf:
Kartentelefon: +49 (0) 40 35 68 68
E-Mail: ticket@staatsoper-hamburg.de.

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Montag bis Sonnabend.: 10.00 bis 18.30 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 11.03.2019 | 07:20 Uhr

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