Stand: 04.04.2018 15:54 Uhr

Theater zeigt schweizerisch-deutsches Verhältnis

von Mathias Heller

Nachbarn kann man sich oft nicht aussuchen. Das gilt für Wohnungen, für Häuser und natürlich auch für Länder. Ein Verhältnis der besonderen Art gibt es zwischen den Schweizern und den Deutschen. Das Monsun Theater in Hamburg-Altona geht dieser Beziehungskiste mit dem Stück "NowHere Land" auf den Grund.

"Ich schätze an Deutschland die Direktheit", meint Larissa Keat. Die 28-Jährige ist in der Nähe von Zürich geboren. "Manchmal ist diese Direktheit auch ein bisschen ätzend, aber das Schöne ist, man weiß immer, woran man hier ist." Seit knapp vier Jahren lebt und arbeitet die Schauspielerin an der Elbe. Ihrer Hamburger Bühnenpartnerin Johanna Schmidt sieht bei den Schweizern dagegen "so ne Liebenswürdigkeit. Auch ein wenig eine Verlangsamung. Dadurch, dass in Deutschland alles immer so zack, zack, zack gehen soll, ist die Entschleunigung dann schon ganz charmant."

Wenn Schweizer und Deutsche ins Gespräch kommen

Die Idee zu dem Stück hatten beide in der Silvesternacht auf einem Bahnsteig. Ein Zug hatte sich verspätet. Sie fingen an, sich ihre Erlebnissen und Erfahrungen zu erzählen, erinnert sich Keat: "Als ich nach Deutschland ausgewandert bin, bin ich hier immer so freundlich empfangen worden: 'Aahh cool! Du kommst aus der Schweiz'. Ich hatte dann immer so ein latent schlechtes Gewissen, weil ich wusste, dass es andersrum gar nicht so ist und ich gemerkt habe, das ist den Deutschen gar nicht so bewusst."

Spielszenen statt Pointenjagd

Larissa Keat und Johanna Schmidt auf der Bühne des Monsun Theaters © NDR.de Fotograf: Christina Grob

"NowHere Land" im Hamburger Monsun Theater

NDR 90,3 -

Die Schweizerin Larissa Keat und die Deutsche Johanna Schmidt gehen dem Beziehungsalltag ihrer jeweiligen Geburtsländern in Hamburg auf der Theaterbühne auf den Grund.

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Aus den Erlebnissen werden Texte - aus den Texten Dialoge. Natürlich picken sich die Schauspielerinnen die Sahne-Klischees heraus, wie zum Beispiel die Schweizer Neutralität oder die deutsche Pünktlichkeit. Es entsteht aber keine Pointenjagd wie bei einem Stand-Up-Kalauer-Wettstreit. Vielmehr schaffen die beiden kleine Spielszenen. Sie verweben die unterschiedlichen Charaktere mit den unterschiedlichen Sichtweisen. Mit gutem Grund, findet Larissa Keat: "Unser Anspruch war ja auch, herauszufinden warum ist das so, und gibt es eine Möglichkeit, dass beide Länder voneinander profitieren können, statt sich immer nur zu foppen?"

Länderbeziehung ist wie eine Ehe

Larissa Keat und Johanna Schmidt liefern sich einen theatralen Parcours-Ritt durch die schweizerisch-deutsche Beziehungskiste - wie in einer Ehe. Manchmal poetisch. Manchmal beängstigend. Manchmal zum Schreien komisch. Aber immer mit einem liebevoll zwinkernden Auge. Und am Ende bleibt die Einsicht: Auch wenn wir alle aus unterschiedlichen Ländern oder Städten kommen, sind wir zwar ein bisschen verschieden, aber irgendwie ein bisschen - auch nicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.04.2018 | 19:00 Uhr

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