Museum Barberini in Potsdam © picture alliance / Andreas Franke | Andreas Franke Foto: Andreas Franke

Museum Barberini in Potsdam erfolgreich mit Zoom-Führungen

Stand: 12.01.2021 12:48 Uhr

In der Reihe "Leben im Lockdown" stellen wir Kulturinstitutionen vor, die unter den derzeit schwierigen Bedingungen spannende Angebote machen. Das Museum Barberini in Potsdam lädt zu Live-Touren ein.

von Oliver Kranz

Online-Touren gibt es in vielen Museen. Liveführungen sind etwas Besonderes. Das Museum Barberini nutzt das Videokonferenzprogramm Zoom. Besucher erhalten einen Einwahllink und sitzen nach ein paar Mausklicks ihrem Tourguide gegenüber.

Monet auf dem Computer

Annette Schneider gibt ihren Bildschirm frei. Sie ist Tourguide und zeigt Aufnahmen der Museumsräume. Das Barberini präsentiert zurzeit eine Impressionismus-Ausstellung - größtenteils Werke aus der Sammlung seines Mäzens Hasso Plattner. Die Sammlung umfasst 101 Gemälde, darunter 34 Werke von Claude Monet. Damit ist es die größte Monet-Sammlung außerhalb von Paris. Am Anfang der Führung steht jedoch Gustave Caillebotte, der 1883 die Brücke von Argenteuil und die Seine malte.

Das gibt Annette Schneider Gelegenheit, einige Besonderheiten des Impressionismus zu erklären: "Wir haben hier eine ganz eigenwillige Perspektive. Eigentlich sind wir auch im Wasser und sehen uns diese damals hochmoderne Konstruktion der Brücke an. In diesem Dampfschiff sehen wir die Moderne widergespiegelt, aber wir sehen auch das Licht, das hier eingefangen wird." Zwischenfragen und Bemerkungen sind jederzeit erlaubt und können am Bildschirmrand in ein Chatfenster eingetippt werden. "Da kommt man viel persönlicher in Kontakt mit der Kunst", erklärt die Museumspädagogin Dorothee Entrup. "Das Persönliche ist das Entscheidende. Wir sind soziale Menschen. Irgendwie wollen wir uns immer verbinden."

Individuelle Gruppen-Touren

Schon während des ersten Lockdowns wurden im Barberini Online-Live-Touren angeboten. Das Konzept erwies sich als so erfolgreich, dass es auch beibehalten wurde, als das Haus im Sommer wieder geöffnet war. Jeden Tag gibt es eine öffentliche Live-Tour, berichtet Entrup: "Da bieten wir 50 Plätze an, die immer ausverkauft sind. Insofern sehen wir, dass die Nachfrage da ist. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, für eine eigene Gruppe Live-Touren zu einer anderen Zeit zu buchen." Man kann Privat-Touren buchen oder die zielgruppenspezifischen Angebote des Hauses nutzen - zum Beispiel die Kinderführungen am Wochenende.

Corina Ott-Seelow spricht die Kinder in ihren Touren direkt an: "Ihr könnt euch gern Papier und Buntstifte holen. Dann könnt ihr auch wie die Impressionisten schnelle kleine Skizzen machen." Mal sollen sie etwas zeichnen, mal einfache Fragen beantworten. Und viele machen mit. Am Ende halten sie ihre Bilder stolz vor die Computerkameras. Dadurch findet ein wirklicher Austausch statt - das ist das Geniale der Videokonferenz-Idee. Man erlebt etwas in einer Gruppe, live, und das ohne die eigene Wohnung zu verlassen. Man erfährt etwas über Monet, den Impressionismus und das Museum Barberini, das erst vor drei Jahren gegründet wurde. Ein wunderbares Angebot.

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