Der Kabarettist Hans Scheibner tritt am 27.08.2016 in Hamburg in der Laeiszhalle mit seinem neuen Programm "Skandale und Liebe" auf. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Hans Scheibner ist 85: Spitze Zunge und Rückgrat

Stand: 27.08.2021 23:59 Uhr

Der Satiriker und Kabarettist Hans Scheibner hat im Fernsehen und auf Bühnen den Mächtigen die Leviten gelesen und den Alltag aufs Korn genommen. Am 27. August ist der gebürtige Hamburger 85 Jahre alt geworden.

Der Kabarettist Hans Scheibner tritt am 27.08.2016 in Hamburg in der Laeiszhalle mit seinem neuen Programm "Skandale und Liebe" auf. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt
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von Daniel Kaiser

"Das macht doch nichts, das meeeeeeerkt doch keiner!“ Dieser schelmische Ohrwurm ist ein echter Evergreen. Hans Scheibner hat ihn über die Jahre immer wieder mit neuen Strophen aktualisiert. Viele der frechen Liedtexte entstehen damals in den 70ern rund um die Hamburger Kultkneipe Onkel Pö. Dort schreibt Scheibner für die Rentnerband auch den Hit "Hamburg 75". "Das geht heute immer noch ab", lacht Scheibner.

Kaufmann und Kabarettist

Schon in der Schule hat er kleine Stücke geschrieben und sie vor Mitschülern aufgeführt. Während seiner Kaufmannslehre trat er im Hamburger Theater 53 mit Uwe Friedrichsen auf - auch als er noch in einer Lackfabrik arbeitet. Auf Kleinkunstbühnen macht er sich Anfang der 70er-Jahre einen Namen. Hans Scheibner und seine Lästerlyrik sind bald Kult.

Eklat im Fernsehen

Scheibner kommt ins Fernsehen. "Scheibnerweise" heißt die Sendung im Ersten. Das ist in den 80er-Jahren der bundesweite Durchbruch. Er ist geradlinig, aber auch unbequem. Am 1. November 1985 kommt es zum Eklat, als Scheibner im Fernsehen zum 30. Geburtstag der Bundeswehr das Tucholsky-Zitat "Soldaten sind Mörder" variiert. Er verliert die Sendung, und auch das "Hamburger Abendblatt" trennt sich von ihm als Kolumnisten.

Von Venske "zur Sau gemacht"

Hans Scheibner sitzt für den Spendentag von "Hand in Hand" am Telefon in der NDR 90,3 Spendenzentrale. © NDR Foto: Anna Rüter
"Wenn eine Ideologie auftaucht, an der man nicht zweifeln darf, dann musst Du gerade deshalb daran zweifeln", sagt Hans Scheibner.

Immer wieder eckt er an. Von Anfang an - und das nicht nur bei konservativen Zuschauern, sondern auch bei den linken Kollegen. Im scharfen Konflikt zwischen Kapitalismus und Kommunismus saß er oft zwischen den Stühlen. "Henning Venske hat mich in der 'konkret' damals so was von zur Sau gemacht", erinnert sich Scheibner. Als er sich mal über die Arbeiterlieder von Hannes Wader lustig macht, bringt er ebenfalls die halbe Kabarettszene gegen sich auf. "Die sagten, ich sei verrückt geworden. Ich war zu der Zeit aber auch noch in einer Firma angestellt und kannte die Lebenswelt der Arbeiter ganz genau. Die wollten nicht Wader hören, sondern mit ihrem Mercedes nach der Arbeit nach Hause fahren." Scheibner warf vielen seiner sehr linken Kollegen vor, zu blauäugig gegenüber der DDR zu sein. Er ist Jahrgang 36 - da nimmt man aus Zeiten von NS-Diktatur und Krieg bestimmte Prinzipien mit. "Wenn eine Ideologie auftaucht, an der man nicht zweifeln darf, dann musst Du gerade deshalb daran zweifeln", beschreibt Scheibner seine Maxime.

Riesenerfolg mit Weihnachts-Kabarett

"Schmidtchen Schleicher mit den elastischen Beinen" - auch dieser deutsche Schlagertext stammt aus Scheibners Feder. Er hat ein Händchen für Unterhaltungstexte. In dieser Branche hätte er es vielleicht bequemer gehabt und weit bringen können. "Das haben mir damals viele geraten. Ich hätte damit vielleicht richtig reich werden können, aber ich wollte etwas machen, was sich auch später noch sehen lassen kann." Ein Riesen-Erfolg wird das Weihnachtsprogramm "Wer nimmt Oma?", mit dem er jahrelang auf Tour geht. "Als das Buch rauskam, wollte der Verlag den Titel verhindern, weil die den beleidigend fanden", erinnert sich Scheibner. In die Vorstellungen seien dann immer besonders viele Omas gekommen. "Die haben nämlich Humor." Den Weihnachtshasser wollte Scheibner dabei nie geben. "Ich habe zwar den Irrsinn und die lustigen Seiten von Weihnachten aufzeigt, aber eigentlich immer selbst gern Weihnachten gefeiert. Und das haben die Menschen gespürt."

Abschied von der Bühne

Seinen 85. Geburtstag feiert er in seinem Garten mit seiner Familie. Auch auf die Hochzeiten seiner drei Töchter wird dann nochmal angestoßen. Ein bisschen ruhiger lässt Scheibner es mittlerweile angehen. Nach wie vor schreibt er Kolumnen für die schleswig-holsteinische Obdachlosenzeitschrift "Hempels". "Außerdem arbeite ich an einem Buch über die Tiere meines Lebens", verrät Scheibner, der schon damals mit seinem Hund "Nathan" bei den Kabarettsendungen vor der Kamera stand. Der Titel des Buches lässt viel von dem scheibnerspezifischen Ton ahnen: "Der Maulwurf muss weg!" Am 28. November nimmt Scheibner dann offiziell Abschied von der Bühne - mit einer Matinee in den Hamburger Kammerspielen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 27.08.2021 | 19:00 Uhr