Stand: 07.08.2018 14:43 Uhr

Ein perfekter Tag in Celle

von Susanna Vida

In der alten Residenzstadt Celle verbrachte die dänische Königin Caroline Mathilde einst ihre letzten Lebensjahre in einem weißen Dornröschenschloss - nach ihrer skandalösen Affäre mit dem Leibarzt ihres Gatten, dem Altonaer Arzt Stuensee. Die Stadt an der Aller hat aber noch mehr wunderbare Museen als das Schloss. Gleich gegenüber präsentiert das Bomann-Museum immer wechselnde spannende Ausstellungen. Der Bahnhof und das 24-Stunden-Kunstmuseum beeindrucken mit Lichtinstallationen. Eine Entdeckungsreise - vom Löwenfutter bis zum Bienenvolk im Inneren einer schönen Dame aus Holz.

Celle: Summende Bienen, Prinzessinnen und Cafés

Figurenbeute für Bienen

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Die Welfin Caroline Mathilde verbrachte ihre letzten Jahre in Celle.

Dieses Holzkunstwerk ist eine sogenannte Figurenbeute für Bienen. Drei Meter groß, bunt bemalt und aus einem Eichenstamm erschaffen. Daneben steht Werner von der Ohe, der Direktor des LAVES Instituts für Bienenkunde: "Die Frauenfigur stellt Eleonore d'Olbreuse dar, eine Hugenottin, die hier aufgenommen wurde und in Celle Asyl bekommen hat. Sie erstrahlt mit roten Lippen, gelocktem Haar und einem riesigen Pferd. Durch ihre goldene Brosche fliegen die Bienen ein und aus."

Das alles geschieht in einem zauberhaften Garten, wo es an allen Ecken blüht, Königskerze und Bienenbaum, Blauraute und Mönchspfeffer. Besucherinnen und Besucher erleben gleich mehrere Bienenvölker sicher hinter Glas. "Wenn man Glück hat, sieht man tanzende Bienen", sagt der Wissenschaftler.

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Die Fontäne im Französischen Garten spiegelt das Tageslicht.

Der Bienengarten liegt direkt am Französischen Garten mit wunderbaren alten Bäumen, Rosengarten und Teichfontäne. Aus barocker Zeit erhalten ist die Lindenalle.

Weltberühmte Sensation von Bauhaus-Architekt Haesler

Schlendert man an die nördliche Ecke der Altstadt, findet man die alte Synagoge im Inneren eines Fachwerkhauses von etwa 1740. Hier werden viele Lesungen veranstaltet, Vorträge oder Ausstellungen - wie kürzlich über die erste Rabbinerin der Welt, Regina Jonas. Doch nicht nur prächtige Fachwerkhäuser, sondern auch zum Thema Bauhaus hat Celle viel zu bieten. Eine Sensation ist seit 1928 die funktionale Altstädter Schule mit viel Glas des Bauhaus-Architekten Otto Haesler. Heino Müller von der Celle-Touristik erzählt: "Das war weltweit bekannt. In New York war das Modell in der Weltausstellung aufgebaut. Es kamen Architekten aus aller Welt, um sich das anzuschauen, sodass der Direktor sogar Eintritt genommen hat. Davon wurde das Milchgeld bezahlt."

Mehr zu Otto Haesler und Bauhaus

Celle: Bauhaus im Fachwerkidyll

Celle hat mehr zu bieten als prächtige Fachwerkhäuser: Der Architekt Otto Haesler schuf dort in den 1920er-Jahren Gebäude im Bauhaus-Stil. Ein Museum erinnert an ihn. mehr

Spaziergang durch Celles Französischen Garten

In Celle kann man noch durch mehrere Siedlungen von Otto Haesler schlendern, etwa den bunten Italienischen Garten. Spaß macht aber auch ein Spaziergang durch die Innenstadt. Der Markt ist immer gut besucht. An der Stechbahn daneben gibt es ein unberechenbares Wasserspiel. Und die Schokolade mit Sahne schmeckt sommers wie winters im modernen Museumscafé Baxmann. Das passt hervorragend in die Räume der Hofapotheke von 1530.

Gleich neben dem Café machen viele Marktbesucher mit ihren Einkaufstaschen und -körben eine kleine Pause in der barocken Stadtkirche. Nicht weit von hier kann man sich ein leckeres Brot holen, zum Beispiel im Pomodori bei Rönitz am Großen Plan, ein Familienbetrieb seit 1900 in fünfter Generation. Hier wird noch alles in echter Handarbeit gemacht. Sie sind berühmt für ihre Campingwecken.

Otto Haesler

Otto Haesler (1880-1962) gehörte mit Walter Gropius zu den prägenden Architekten des Neuen Bauens in der Weimarer Republik. In Celle realisierte er ab 1906 zunächst zahlreiche Gebäude im traditionellen Heimat- und Landhausstil. 1923 entstanden seine ersten Siedlungshäuser im aufkommenden Stil des Neuen Bauens, den er später konsequent vertrat. Damit zählt Haesler zu den Wegbereitern der Bauhaus-Architektur. Seine Gebäude dienten Bauhaus-Schülern und -Lehrern als Anschauungsobjekte.

Celler Feinkostläden und Löwenfutter

Wenige Schritte sind es von hier ins Feinkostgeschäft Huth, eine Institution in Celle. Gerd Pommerin röstet hier den Kaffee in einem Raum mit Jugendstilfliesen an den Wänden: "Wir rösten Kaffee seit 1896", sagt er. Der Betrieb wurde 1851 als Kolonial- und Materialwarenladen gegründet. "Damals gab es alles vom Besen bis zum Mehl, immer mehr Feinkost, Schinken, Salate, Spezialitäten aus aller Welt", so Pommerin. Der letzte Umbau erfolgte 1907, seitdem ist alles erhalten geblieben.

Wer sich deftig stärken möchte, der gehe in eines der vielen Wirtshäuser der Stadt, rät Heino Müller: "Celle ist bekannt für die rohe Roularde. Das ist dünn geschnittenes zartes Rindfleisch, gefüllt mit Zwiebeln, Kräutern, Senf, Speck. Jeder Wirt macht es ein bisschen anders, die Celler sagen Löwenfutter." Zu guter Letzt gehört zu einem Abend in der Stadt unbedingt ein Besuch im barocken Schlosstheater.

Karte: Bauhaus-Architektur in Celle
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 10.08.2018 | 14:20 Uhr

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