Blutspenden: Voraussetzungen, Ablauf und Kontrolle

Stand: 03.12.2020 17:07 Uhr

Blutspenden retten Leben. Aber wie läuft eine Spende ab? Wer kommt als Spender oder Spenderin in Frage? Wo kann ich Blut spenden?

Unser Blut transportiert Sauerstoff, Nährstoffe und Hormone. Bei großen Operationen, etwa nach einem Unfall, muss verlorenes Blut ersetzt werden. Auch manche Krankheiten machen die Transfusion von Blut erforderlich oder werden mit Medikamenten behandelt, deren Grundlage Blut ist. Für menschliches Blut gibt es jedoch keinen künstlichen Ersatz, deshalb ist das Gesundheitssystem auf Blutspenden angewiesen.

Laut einer von der Barmer Ersatzkasse veröffentlichten Erhebung, dem Krankenhausreport 2019, sind etwa 80 Prozent der Menschen in Deutschland ein Mal im Leben auf eine Bluttransfusion oder ein Medikament angewiesen, dessen Grundlage Blutplasma ist. 2019 kamen in Deutschland 1,9 Millionen Liter Blut zusammen. Aber die Spenden gehen stetig zurück. Insgesamt spenden nur zwei bis drei Prozent der Menschen Blut.

Downloads

Krankenhausreport 2019

Von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung erstellter Bericht, herausgegeben von der Barmer Ersatzkasse. (PDF zum Download) Download (3 MB)

Welche Arten von Blutspenden gibt es?

Blut setzt sich aus roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und Plasma zusammen. Der vierte Stoff, die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), wird nicht medizinisch verwendet.

  • Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa vier bis sechs Liter Blut. Davon werden bei einer Vollblutspende rund 500 Milliliter Blut entnommen. Die Spende selbst dauert etwa zehn Minuten.
  • Bei der Plasmaspende werden rund 600 bis 750 Milliliter Blutplasma entnommen, die übrigen Bestandteile des Blutes fließen zurück in den Körper. Der Spendevorgang dauert etwa 45 Minuten.
  • Bei der Thrombozythenspende werden ähnlich der Plasmaspende über einen sogenannten Zellseparator nur die Thrombozyten (Blutplättchen) aus dem Blut gefiltert. Die Blutplättchen sorgen für die Blutgerinnung, etwa nach einem Schnitt in den Finger. Auch bei dieser Spende fließen die restlichen Blutbestandteile noch während der Spende zurück. Sie dauert etwa 90 bis 120 Minuten.
  • Eigenblutspende: Vor Operationen sollten sich Patienten informieren, ob eine Eigenblutspende sinnvoll ist.

Welches Alter und Gewicht sollten Blutspender haben?

Wer Blut spenden darf, entscheidet die Bundesärztekammer gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel). Grundsätzlich können alle gesunden Frauen und Männer ab 18 Jahren mit einem Mindestgewicht von 50 Kilogramm Blut spenden. Erstspender dürfen nicht älter als 64 Jahre sein. Die meisten Blutspendedienste lassen Menschen bis zum 68. Lebensjahr zur Blutspende zu.

Warum sind homosexuelle Männer von Blutspenden faktisch ausgeschlossen?

Homosexuelle Männer sind bis 2017 grundsätzlich vom Blutspenden ausgeschlossen gewesen. Das ging zurück auf den HIV-Skandal der 1980er-Jahre. Mit HI-Viren verseuchte Blutspenden wurden damals für Transfusionen verwendet. In Deutschland wurde so unter anderem etwa die Hälfte aller Bluterkrankten in Deutschland mit dem zu der Zeit neuartigen Virus infiziert.

Als Risikogruppe wurden allen voran homosexuelle Männer eingestuft und in der Folge von Blutspenden ausgeschlossen. Tatsächlich gab es anfangs unter schwulen Männern die meisten Fälle. Doch in den fast 40 Jahren, die seitdem vergangen sind, ist die Zahl der Neuinfektionen bei schwulen Männern stark zurückgegangen.

Die Untersuchung von Spenderblut auf HIV ist zwar schon seit 1985 Pflicht. Während die Viren früher aber erst Monate nach einer potenziellen Ansteckung nachweisbar waren, kann eine Infektion heute bereits nach acht bis neun Tagen festgestellt werden.

Grundsätzlich ist es homosexuellen Männern nach der neuen Hämotherapie-Richtlinie der Bundesärztekammer seit drei Jahren nun möglich Blut zu spenden; allerdings nur, wenn sie ein Jahr lang sexuell enthaltsam waren. Und das, obwohl das HI-Virus mittlerweile in so kurzer Zeit im Blut nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann. Männern, die Sex mit Männern haben, wird so pauschal ein promiskuitives Verhalten unterstellt. Erste Beratungen von Fachleuten haben im November 2020 stattgefunden. Im Gespräch ist, die geforderte Enthaltsamkeit auf vier Monate zu verkürzen.

Was sind Ausschlusskriterien für eine Blutspende?

Es gibt eine Reihe von Umständen, die es erforderlich machen, die Blutspende zu verschieben. Auch nach Auslandsaufenthalten in einigen Ländern gibt es Einschränkungen. Wer zum Beispiel in einem Malaria-Gebiet unterwegs war, darf erst sechs Monate nach der Rückkehr wieder Blut spenden. Ansonsten darf eine nicht direkt stattfinden nach oder bei:

  • bestimmten zahnärztliche Behandlungen
  • frischen Tätowierungen und Piercings
  • Impfungen mit einem Lebendimpfstoff wie gegen Masern oder Hepatitis B
  • der Einnahme bestimmter Medikamente wie der gerinnungshemmenden Acetylsalicylsäure
  • der Einnahme von Antibiotika (denn es liegt ein Infekt vor)
  • bei Eisenmangel

Liegt ein Eisenmangel vor (eine Form von Blutarmut), darf keine Blutspende erfolgen, weil eine Eiweißverbindung in den roten Blutkörperchen, das Hämoglobin, zu einem Großteil aus Eisen besteht. Der Stoff färbt nicht nur unser Blut rot, sondern ist vor allem entscheidend für den Transport von Sauerstoff und die Neubildung der Erythrozyten.

Ist der Hämoglobin-Wert zu niedrig, kann der Körper den Blutverlust nach einer Spende nicht ausgleichen. Eisenmangel sollte ärztlich abgeklärt werden. Er lässt sich in vielen Fällen mit Eiseninfusionen beheben. Die körpereigene Blutbildung wird so angeregt. 

Worauf müssen Spendewillige vor der Blutspende achten?

Eine Person in weißem Kittel hält zwei große durchsichtige Beutel mit Blutplasma in den Händen. Der Inhalt des einen ist trüb, der des anderen ist klar. © NDR
Im Vergleich ist zu sehen, dass die Plasma-Konserve links trüb ist, was darauf hinweist, das der Spender vor der Blutspende fetthaltiges Essen gegessen hat.

Wer Blut spenden will, muss sich in einem guten gesundheitlichen Zustand befinden. Vor der Blutspende sollte man ausreichend essen und trinken - aber keinen Alkohol, der ist mindestens zwölf Stunden vorher nicht erlaubt. Innerhalb der vergangenen vier Wochen dürfen Spender keine Drogen konsumiert haben. Auch auf fetthaltiges Essen wie Currywurst mit Pommes kurz vor dem Spenden sollte verzichtet werden. Die Qualität des Blutplasmas wird dadurch schlechter.

Werden Blutkonserven und andere Blutprodukte vor der Verwendung untersucht?

Ja, jede Blutprobe wird in den ersten 24 Stunden nach der Spende auf Krankheitserreger überprüft. Die Untersuchung auf HIV ist seit 1985 Pflicht. Und es kommen Tests für immer neue Erreger hinzu. Zuletzt für das West-Nil Virus, das durch Tiere übertragen wird. Ein Corona-Test ist nicht vorgeschrieben, denn es gibt keinerlei Hinweise auf eine Übertragung von SARS-CoV-2 durch Blut.

Wie läuft eine Blutspende ab?

Zuerst wird der Wert des Hämoglobins - des roten Blutfarbstoffs - im Blut bestimmt. Es folgt in der Regel ein Arztgespräch, manchmal auch eine ärztliche Untersuchung, um weitere Risiken auszuschließen. Eine Vollblutspende dauert dann knapp zehn Minuten. Nach der Spende ist eine kurze Ruhepause mit Essen und viel Trinken angesagt. Insgesamt dauert eine Blutspende rund eine Stunde.

Wie oft kann man Blut spenden?

Zur Blutspende dürfen Frauen vier Mal innerhalb von zwölf Monaten, Männer sechs Mal. So soll verhindert werden, dass Spender einen Eisenmangel bekommen. Wer Blutplasma spenden möchte, kann dies wöchentlich tun, höchstens aber 60 Mal pro Jahr.

Mehrere Blutspendedienste, aber auch Krankenhäuser wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) haben heute Apps, die es Spendern ermöglichen, den Überblick darüber zu behalten, wann sie wieder spenden dürfen. Einige der Apps erlauben es den Nutzern auch, die Entwicklung der eigenen Blutwerte über einen langen Zeitraum nachzuvollziehen. So dient die Blutspende unter Umständen auch der eigenen Gesundheit.

Wie schnell bildet der Körper das entnommene Blut nach?

Die Bestandteile des Blutes werden nach einer Vollblutspende nicht zeitgleich wieder nachproduziert. Am schnellsten lässt sich die verlorene Flüssigkeit wieder ausgleichen: Wer ausreichend alkoholfreie Getränke zu sich nimmt, kann binnen 24 Stunden den Flüssigkeitshaushalt wieder ausgeglichen haben.

Fehlende weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und Plasmaeiweiß ersetzt der Körper üblicherweise innerhalb einiger Tage. Länger dauert es allerdings, die roten Blutkörperchen nachzubilden. Nach mindestens acht Wochen ist das der Fall. Natürlich spielen auch Alter, Gewicht und Konstitution des Körpers bei der Regeneration eine Rolle.

Wo kann ich Blut spenden?

Am bekanntesten sind die regionalen Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Über das DRK erfolgen auch die weitaus meisten Blutspenden in Deutschland (gut 75 Prozent). Daneben gibt es aber auch staatliche, kommunale und regionale Blutspendedienste. Außerdem bieten Krankenhäuser, die Bundeswehr sowie private medizinische Unternehmen die Möglichkeit, Blut zu spenden.

Weitere Informationen
Zeichnung illustriert die verschiedenen Zulieferer von Spenderblut mithilfe eines großen Tanks in der Mitte, zu dem mehrere Schläuche führen, an denen Schilder befestigt sind. Sie weisen auf das DRK, die Bundeswehr und Krankenhäuser hin. © NDR
1 Min

Diese Blutspendedienste gibt es

Das DRK ist zwar die bekannteste Adresse für Blutspenden, aber es gibt auch Alternativen. 1 Min

Bekomme ich Geld für meine Spende?

Beim gemeinnützigen Deutschen Roten Kreuz erhalten Spenderinnen und Spender kein Geld. Private Blutbanken und Kliniken zahlen Spendern in der Regel eine Aufwandsentschädigung von etwa 20 Euro. Jeder Blutspendedienst stellt Speisen und Getränke zur Verfügung.

Für welche Behandlungen und Medikamente werden Blutspenden verwendet?

In Deutschland werden nach Angabe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung täglich rund 15.000 Blutskonserven (aus den roten Blutkörperchen) verbraucht - bei Operationen oder Unfällen etwa. Das für Bluttransfusionen aufbereitete rote Blut hält sich bei 2 bis 6 Grad Celsius nur 42 Tage. Auch deshalb ist regelmäßiges Spenden wichtig.

Ein Teil des Plasmas wird in Kliniken und Praxen eingesetzt und dort direkt an Patienten übertragen. Der andere Teil geht zur Medikamentenherstellung an die Pharmaindustrie. Vor allem das Plasma von Frauen. Denn das Plasma von Frauen, die schon einmal schwanger waren, darf nicht mehr direkt an Patienten weitergegeben werden, da während einer Schwangerschaft Antikörper aus dem Organismus des Kindsvaters auf die Mutter übertragen werden können.

Pharmaherstellern dient Blutplasma als unersetzlicher Rohstoff für zahlreiche Medikamente, etwa zur Behandlung bestimmter Krebsarten. Es kann tiefgefroren etwa zwei Jahre lang aufbewahrt werden.

Thrombozythen, die Blutplättchen, die bei Verletzungen für die Blutgerinnung sorgen, sind nur vier Tage haltbar und müssen nach der Spende ständig bewegt werden, damit sie nicht klumpen. Sie helfen zum Beispiel Krebspatienten, deren Körper sie nicht mehr selbst herstellen kann.

Weitere Informationen
Ein halber Liter Blut wird bei einer Vollblutspende entnommen. Es wird aufbereitet und in verschiedene Blutkomponenten getrennt. © NDR/Ute Jurkovics

Inside Blutspende

Spenderblut ist knapp in Deutschland. Warum wird hier fast doppelt so viel verbraucht wie etwa in den Niederlanden? Wo bleibt das Blut? mehr

Blutkonserven in einem Kühlschrank © Colourbox

Bluttransfusionen: Wie Ärzte Risiken senken

Nach einer Bluttransfusion können lebensgefährliche Nebenwirkungen auftreten. Um das Risiko zu senken, sollen überflüssige Transfusionen vermieden werden. mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 14.06.2019 | 14:00 Uhr

Mehr Verbrauchertipps

Ein Mann schneidet eine Hecke mit einer kleinen Akku Gartenscheere. © colourbox Foto:  Tomasz Zajda Virrage Images Inc

Akku gegen Kabel: Warum Geräte mit Stecker meist besser sind

Vom Staubsauger bis zur Heckenschere - immer mehr Geräte kommen mit Akku auf den Markt. Doch sie haben viele Nachteile. mehr