Stand: 09.09.2008 20:15 Uhr

Wenn Medikamente die Lust rauben: Sexualität im Alter

Liebe und Sexualität sind an kein Alter gebunden, doch häufig klagen Männer in den sogenannten besten Jahren über nachlassende Lust und Erektionsstörungen, obwohl in der Partnerschaft alles in Ordnung ist. Die möglichen Ursachen sind vielfältig: Hohe berufliche Anforderungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes können die Lust dämpfen.

Die Betroffenen brauchen oft viel Mut, um mit ihrem Arzt über ihre sexuellen Schwierigkeiten zu sprechen. Gerade das ist aber sehr wichtig, denn nicht selten ist auch ein Medikament schuld an der ungewollten Lustlosigkeit. Vor allem bestimmte Blutdrucksenker beeinflussen häufig die Potenz: Sogenannte Betablocker senken den Blutdruck, indem sie die Reaktionen des vegetativen Nervensystems dämpfen.

Doch häufig lassen diese Medikamente nicht nur die Blutdruckwerte sinken, sondern auch das sexuelle Verlangen und die Potenz. Erzählt der Patient seinem Arzt von solchen Problemen, kann der andere Medikamente verordnen, die diese Nebenwirkungen nicht haben. Keinesfalls sollten Patienten ihre Medikamente eigenmächtig reduzieren oder absetzen, denn dadurch kann die gesamte Therapie zunichte gemacht werden und der Blutdruck gefährlich entgleisen. Auch Arzneien gegen Herzrhythmusstörungen oder Depressionen können sich negativ auf Libido und Potenz auswirken.

Mangelnde sexuelle Energie durch Kortison und Heuschnupfenpräparate

Insulinpräparate führen dagegen nicht zu Potenzstörungen, aber eine schlecht eingestellte Zuckerkrankheit schädigt Gefäße und Nerven auch im Bereich der Genitalien und führt so zu Erektionsstörungen und Libidoverlust. Auch Schmerz- und Rheumamedikamente mit den Wirkstoffen Kortison oder Ketaprofen beeinflussen Botenstoffe im Körper und wirken sich auf den Hormonstoffwechsel aus, indem sie männliche Sexualhormone im Blut senken. Doch auch hier gibt es Alternativen ohne entsprechende Nebenwirkungen.

Patienten mit Heuschnupfen oder Asthma, die noch mit müde machenden Antiallergika behandelt werden, klagen oft über mangelnde sexuelle Energie. Inzwischen gibt es Antiallergika der dritten Generation, die nicht mehr müde machen und auch keine sexuellen Störungen hervorrufen. Gibt es zu einem lusthemmenden Arzneimittel keine geeignete Alternative, können die sogenannten PDE-5-Hemmer Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) oder Vardenafil (Levitra®) helfen, eine Erektionsstörung zu überwinden. Sie sind auch für chronisch Kranke wie Diabetiker geeignet. Für Herzpatienten mit einer Angina pectoris, die Nitrate als Spray oder Tablette einnehmen müssen, kommen diese Medikamente wegen gefährliche Wechselwirkungen allerdings nicht in Frage.

Generell gilt: Bei sexuellen Problemen, für die es sonst keine Erklärung gibt, sollten Patienten unbedingt ihren Arzt zu Rate ziehen - in den meisten Fällen kann er ihnen durch Umstellung der Medikamente wieder ein erfülltes Liebesleben ermöglichen.

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Dipl.-Psych. Uwe Hartmann
Psychologe, Psycho- und Sexualtherapeut
Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie
Arbeitsbereich Klinische Psychologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 24 07
Fax (0511) 532 84 07

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Christian Neuhof
Innere Medizin, Psychotherapie, Naturheilverfahren
Uferstraße 24
31595 Steyerberg
Tel. (05764) 960 30
Fax (05764) 96 03 22

Autorin des Fernsehbeitrags:
Karla Nitsch

Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.09.2008 | 20:15 Uhr

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