Stand: 28.08.2019 18:09 Uhr

Schuppenflechte erkennen und behandeln

Rote, teils großflächige juckende Flecken, die übersät sind von glänzend weißen Schuppen oder Pusteln: So äußert sich die Schuppenflechte (Psoriasis). Rund drei Prozent der Deutschen werden von dieser chronisch-entzündlichen Hauterkrankung geplagt. Manche trauen sich wegen der starken Hautveränderungen bei einem Schub kaum vor die Tür.

Als chronische Krankheit verläuft die Schuppenflechte in Phasen - akute und weitgehend symptomfreie Zeiten wechseln sich ab. Die Krankheit bricht typischerweise vor dem 40. Lebensjahr aus (Typ-1-Psoriasis). Die Spätform (Typ-2-Psoriasis) tritt in der zweiten Lebenshälfte auf und verläuft oft etwas milder. Bei Kindern ist die Schuppenflechte eher selten, häufiger kommt bei ihnen Neurodermitis vor.

Psoriasispatienten haben oft Begleiterkrankungen, die den Leidensdruck noch verstärken. Übergewicht und entzündliche Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn gehören dazu. Gefürchtet ist der sogenannte "psoriatische Marsch": eine systemische Entzündung, die potenziell zu einer Schädigung von Gefäßen führt. Das Krankheitsbild geht außerdem nicht selten mit Insulinresistenz, Leberverfettung, Bluthochdruck und Arterienverkalkung einher. Dies kann für die Betroffenen eine deutlich geringere Lebenserwartung bedeuten.

Ursachen

Die Hautveränderungen bei der gewöhnlichen Schuppenflechte entstehen durch ein rasant beschleunigtes Zellwachstum. Beim gesunden Menschen erneuert sich die Oberhaut (Epidermis) innerhalb von knapp vier Wochen: In dieser Zeit bildet unsere Haut neue Zellen und stößt die oberste, inzwischen verhornte Zellschicht ab. Dieser Prozess läuft nur dann schneller, wenn nach einer Verletzung der Reparaturmechanismus anspringt - oder bei einem Psoriasisschub: Hier verhornt die Haut an den betroffenen Stellen in nur drei bis sechs Tagen.

Wie die Schuppenflechte entsteht

Dass die Hautzellen außer Kontrolle geraten, liegt bei einem Teil der Bevölkerung in den Genen. Allerdings bricht die Krankheit nicht bei jedem erblich Vorbelasteten aus. Als Risikofaktoren gelten inbesondere Übergewicht, Alkohol und Rauchen. Und es stehen konkrete Auslöser im Verdacht: Hautverletzungen – etwa durch Tätowierungen oder Sonnenbrände -, ständige Hautreizungen durch zu enge Kleidung, vergangene schwere Infektionen, Hormonschwankungen, Umweltgifte, bestimmte Medikamente wie Betablocker, ACE-Hemmer und einige andere. Auch Stress - ob beruflich oder privat - kann unbewusst auf die Haut durchschlagen.

Symptome

Psoriasis-Arthritis

Etwa jeder fünfte Schuppenflechtepatient leidet zusätzlich an einer rheumatischen Gelenkerkrankung, das heißt, hier breitet sich das Entzündungsgeschehen der Psoriasis auch auf Gelenke und Sehnenapparat aus. Meist trifft es Zehen oder Fingergelenke, bei einigen auch große Gelenke wie Knie, Ellbogen oder die Wirbelsäule. Symptome sind Schwellungen und Steifigkeit des Gelenks. Kritisch ist vor allem der Zeitpunkt der Diagnose: Wird eine Psoriasis-Arthritis nicht nach modernen rheumatologischen Standards mithilfe bestmöglicher Medikation behandelt, kann die Entzündung rasch ihr zerstörerisches Werk vollführen. Die Hautveränderungen treten bei der Psoriasis-Arthritis nicht unbedingt gleichzeitig mit den rheumatischen Schüben auf, sie können ihnen um Jahre vorausgehen.

Eine Psoriasis ist unübersehbar: Auf der Haut erscheinen stark durchblutete und gerötete Stellen, auf denen sich silbrig-weiße Schuppen bilden. Auch minimale Veränderungen sind möglich, zum Beispiel im Gehörgang, Bauchnabel und in der Analregion. Die typischen Schuppen lassen sich mit dem Fingernagel abheben. Befallen sind oft Hautpartien, die viel gedehnt werden, wie Ellenbogen oder Knie, oder Stellen, an denen Kleidung reibt: Schienbein und Waden, Gürtelgegend, Gesäß, Nacken. Auch die Kopfhaut ist oft betroffen. Keine Hautregion ist ausgenommen. Die Flecken können punktartig verstreut sein oder großflächig ganze Körperteile bedecken. Und nicht selten sind auch die Nägel befallen: Dort bilden sich kleine Vertiefungen (Tüpfelnägel), die sehr leicht übersehen werden können, oder gelbbräunliche Verfärbungen (Ölflecke), die optisch viele Patienten beeinträchtigen.

Diagnose

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Mit einer Spezialkamera wird die Schuppenflechte untersucht: in 200-facher Vergrößerung.

Eine leichte Schuppenflechte kann Pilzinfektionen oder Ekzemen ähneln – anhand einer Blutuntersuchung, der typischen Hautbefallsmuster und notfalls mit Gewebeproben lassen sich diese Krankheiten ausschließen. Erkennungsmerkmal der Psoriasis ist das Auspitz-Phänomen (auch "blutiger Tau" genannt): Der Arzt kratzt eine Schuppe ab, darunter bleibt ein dünnes, glänzendes Häutchen. Entfernt man auch das, blutet die Stelle punktförmig.

Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis werden die betroffenen Gelenke mit bildgebenden Verfahren untersucht, Laboruntersuchungen sind dabei nicht sicher wegweisend, da es keinen spezifischen Marker dafür gibt.

Zur Einstufung der Schuppenflechte gibt es den PASI (Psoriasis Area and Severity Index). Das ist ein Bewertungssystem, das beschreibt, wie stark

  • betroffene Hautstellen gerötet sind,
  • die Haut schuppt,
  • die Hautschichten von Immunzellen durchzogen sind,
  • einzelne Körperregionen (Kopf, Arme, Rumpf und Beine) betroffen sind.

Mit dem PASI lässt sich der individuelle Verlauf der Schuppenflechte über die Zeit dokumentieren und auch gut ablesen, ob eine Therapie anschlägt.

Therapie

Schuppenflechte ist nicht heilbar. Doch lassen sich mit verschiedenen Mitteln die Schübe abmildern und das Abheilen beschleunigen.

Die richtige Ernährung sollte neben der modernen Medizin eine wichtige Säule der Behandlung darstellen. Besonders entscheidend: das Anstreben des Normalgewichts! Denn das Fettgewebe im Bauchraum sendet selbst Entzündungsstoffe aus und befeuert so die Hautentzündungen.

Nach aktueller Studienlage kann ein Einschränken des Fleischkonsums die Schuppenflechte bessern. Denn vor allem in Schweinefleisch, Kalbfleisch, Eigelb und fettreichen Milchprodukten stecken die entzündungsfördernde Arachidonsäure oder ihre Verwandten. Fisch und Meeresfrüchte enthalten die zwar auch - sie glänzen jedoch zugleich mit einem hohen Gehalt an entzündungshemmenden Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren). Besonders fetter Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele, der uns auch etwas Vitamin D liefert. Als Entzündungshemmer sollten schonend omega-geschützt kaltgepresstes Leinöl und Weizenkeimöl in der Küche nicht fehlen. In Weizenkeimöl steckt zudem viel wertvolles Vitamin E mit Heilungspotenzial für die Haut.

Zur Entgiftung der Leber bei starken Medikamenten können Brennessel- und Löwenzahntee helfen. Weißdorntee ist zur Stärkung des Herzens empfehlenswert. Bei Gelenkschmerzen sind Extrakte aus Weidenrinde oder Teufelskralle mögliche Hilfe.

Eine gute Hautpflege ist generell wichtig - auch in beschwerdefreien Zeiten. Die Haut braucht Licht, Luft und gern ein Solebad (Wasser mit Salzzusatz). Bei einem Schub kann der Facharzt Bestrahlungen mit UV-Licht in der Fachpraxis oder eine spezielle Foto-Sole-Therapie verordnen. Gegen das übermäßige Zellwachstum und gegen die Entzündungsvorgänge gibt es zudem eine große Bandbreite an Medikamenten zum Einnehmen. Außerdem helfen Badezusätze, Shampoos und Salben mit Wirkstoffen wie Salicylsäure, Harnstoff oder Milchsäure.

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Dieses Thema im Programm:

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