Stand: 04.07.2019 13:32 Uhr  | Archiv

Ganzheitliche Brustkrebs-Nachsorge

Die Diagnose war ein Schock, die Behandlung enorm belastend für Körper und Seele: Für die meisten Brustkrebs-Patientinnen ist nach Abschluss der Krebsbehandlung oder Entlassung aus der Reha noch längst nicht wieder alles in Ordnung. Sie haben zwar die anstrengendsten Etappen geschafft, doch die medizinischen Maßnahmen - OP und Bestrahlungen, vor allem aber Chemotherapien - ziehen bei manchen den gesamten Stoffwechsel in Mitleidenschaft. Auch bleibt häufig die Angst vor einem Rückfall. Deshalb ist eine gute Nachsorge unendlich wichtig.

Chemotherapie wirkt nachhaltig auf den Stoffwechsel

Wer sich noch Monate nach der Chemo kraftlos und müde fühlt, ist nicht allein. Welche Behandlungsfolgen bei Betroffenen auftreten, ist abhängig vom individuellen Therapieplan. Die Nebenwirkungen einiger Chemotherapien sind stark. Denn die verabreichten Zytostatika ("Zellstopper") hemmen nicht nur die Vermehrung der Tumorzellen, sie hindern ganz allgemein die normale Zellteilung. Ihre Wirksamkeit ist umso höher, je schneller sich Zellen vermehren - da Krebszellen sich in der Regel sehr rasch teilen, wirken Zytostatika gegen sie gut. Allerdings können die Medikamente auch andere Körpergewebe mit hoher Teilungsrate beeinflussen: etwa die blutbildenden Zellen des Knochenmarks, die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts oder die Haarwurzelzellen.

Mögliche Chemotherapie-Nebenwirkungen sind daher Übelkeit, Durchfälle und Haarausfall, aber auch Entzündungen der Schleimhäute, Blutarmut (Anämie), starke Erschöpfung und Müdigkeit (Fatigue) und allgemein erhöhte Infektanfälligkeit. Speziell die Hormontherapie hat Nebenwirkungen wie zum Beispiel Hitzewallungen oder Knochenschmerzen, die mitunter noch lange fortbestehen.

Beschwerden ärztlich abklären lassen

Ein Grund für fortwährende Nebenwirkungen wie Schlappheit und Schmerzen kann im durch die Zytostatika geschwächten Immunsystem und Ernährungszustand der Körperzellen liegen. Allerdings sind auch Metastasen in Betracht zu ziehen, der Verdacht ist gegebenenfalls durch ärztliche Untersuchungen abzuklären. Knochenmetastasen lassen sich durch bildgebende Verfahren (Knochenszintigrafie) ausschließen. Blutuntersuchungen geben Auskunft über Tumormarker sowie den Regenerationszustand der entgiftenden Organe (Leber- und Nierenwerte), fortbestehende Anämien oder eine Mangelversorgung mit Vitalstoffen (Vitamine, Spurenelemente).

Den Ernährungszustand und Energiestatus der Zellen zeigt der sogenannte Phasenwinkel an. Der Arzt misst ihn mittels einer sogenannten Bioelektrischen Impedanzanalyse (BIA): Das ist eine elektrische Messung der Körperzusammensetzung auf Basis der unterschiedlichen Leitfähigkeit von Knochen, Organen, Muskulatur, Körperflüssigkeiten und Körperfett. Ärzte können damit die Stoffwechselleistung der Körperzellen beurteilen. Menschen mit einem guten Ernährungs- und Trainingszustand haben einen Phasenwinkel von 5 oder mehr. Nach einer Chemotherapie liegt er oft deutlich darunter. Therapie-Empfehlungen

Mit der richtigen Ernährung Kraft gewinnen

Gemüse und Obst liegen in einer herzförmigen Holzschale. © Fotolia.com Foto: udra11
Viele frische Lebensmittel geben Kraft nach einer Krebstherapie - einschränken sollten Sie dagegen Zucker.

Gerade im Bereich der Krebsmedizin kann Ernährung nicht die klassische Medizin ersetzen. Die ernährungsmedizinische Begleitung dient jedoch als "adjuvante" Strategie, das heißt: als Hilfsmittel, um den Körper zu stärken. Um wieder auf gesunde Weise Energie zu gewinnen, eignet sich insbesondere die mediterrane Küche: mit viel guten Ölen - etwa Olivenöl -, Gemüse und Fisch, dazu vitalstoffreichen Nüssen und wenigen Kohlenhydraten. Zu viele Kohlenhydrate - etwa aus Süßem, aber auch aus viel Brot oder Nudeln - sind ungünstig, weil sie chronische Entzündungsprozesse fördern und müde machen.

Vorsicht mit Schmerzmitteln

Schmerztabletten können Beschwerden nach einer Chemo unterdrücken, beseitigen jedoch nicht die Ursachen. Zudem ist die ständige Einnahme von sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen gefährlich: Zu ihren Nebenwirkungen gehören u. a. Schleimhautblutungen, der Dauergebrauch kann zu Nierenversagen, Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.

Antioxidantien und andere Pflanzenstoffe dagegen unterstützen den Stoffwechsel und stärken das Immunsystem. Viele entzündungshemmende Stoffe liefert beispielsweise - nach individueller Verträglichkeit - ein grüner Smoothie als Zwischenmahlzeit. Setzen Sie dabei eher auf Gemüse und Kräuter als auf zuckerreiches Obst. Auch Lein- und Mandelmehl sowie Gewürze wie Oregano, Chili, schwarzer Pfeffer, Kardamom, Kurkuma, Zimt und Ingwer, Kaffee und weitere Lebensmittel wirken antioxidativ.

Bei Milchprodukten empfiehlt sich Bio-Ware und dort insbesondere Weidemilch - sie enthält mehr gesunde Inhaltsstoffe als konventionell hergestellte Molkereiprodukte.

Bewegung tut gut

Nicht zu vergessen: Regelmäßige tägliche Bewegung fördert die Durchblutung und kurbelt den Stoffwechsel an! Besonders ein Spaziergang in der Natur tut der Seele gut und stärkt zugleich das Immunsystem. Mit wachsender Kraft werden Sie Ihren Aktionsradius weiter ausdehnen können. Ein Schrittzähler kann dabei die Fortschritte dokumentieren und motivierend wirken.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 22.07.2019 | 21:00 Uhr

Ernährungs-Therapie

Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

Ernährung in der Brustkrebs-Nachsorge

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Zum Ausdrucken (PDF)

Holzwegweiser mit den Aufschriften "vielleicht", "falsch", "richtig" und "kommt drauf an". © Chris_pl/fotolia Foto: Chris_pl

Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format

Die wichtigsten Fakten und Lebensmittelempfehlungen auf einen Blick. Download (44 KB)

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