Stand: 12.03.2018 14:46 Uhr

Nierenschwäche - die unterschätzte Gefahr

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Einmal zerstörtes Nierengewebe lässt sich nicht reparieren.

Die Nieren reinigen das Blut, regulieren den Blutdruck, den Salz- und Wasserhaushalt und produzieren wichtige Hormone. Ihre Arbeit verrichten sie unbemerkt, auch wenn es ihnen immer schlechter geht. Immer mehr Menschen entwickeln eine fortschreitende Nierenschwäche, ohne es zu ahnen. In Europa haben bereits zehn Prozent der Erwachsenen eine chronische Nierenerkrankung und sind in vielen Fällen schließlich auf künstliche Blutwäsche (Dialyse) oder eine Nierentransplantation angewiesen.

Eine Niere in einem Computerprogramm dargestellt.

Nierenschwäche - die unterschätzte Gefahr

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Immer mehr Menschen erkranken an einer Nierenschwäche. Das Tückische: Zu Beginn löst die Krankheit keine merklichen Symptome aus. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung wichtig.

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Symptome einer Nierenschwäche

Mit zunehmendem Alter werden Nieren von Natur aus schwächer. Außerdem belasten Schmerzmittel und zahlreiche Erkrankungen die Entgiftungsorgane. Symptome, die auf Nierenprobleme hindeuten können, sind:

  • hoher Blutdruck
  • stechende Kopfschmerzen
  • Wasser in den Beinen
  • Haut, die spannt
  • Schaum auf dem Urin

So kann zum Beispiel eine Autoimmunerkrankung zu einer chronischen Entzündung der Nieren führen, die den Blutdruck nach oben treibt und dadurch starke Kopfschmerzen auslöst.

Oft Im Endstadium einer Niereninsuffizienz können folgende Symptome auftreten:

  • nicht mehr einzustellender Bluthochdruck
  • Rückgang der Urinmenge
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Luftnot
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • unregelmäßiger Herzschlag
  • Benommenheit
  • Schläfrigkeit
  • Krämpfe
  • Koma

Weitere Informationen
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Interview: Nierenschwäche behandeln

13.03.2018 20:15 Uhr
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Immer mehr Menschen erkranken an einer Nierenschwäche. Über Diagnose und Therapien informiert Nephrologe Professor Steffen Mitzner. Video (04:44 min)

Risikofaktoren für Nierenschwäche

Vor allem Bluthochdruck und Diabetes schädigen auf Dauer die sehr feinen Gefäße der Nieren. Darüber hinaus kommt es im Fettgewebe oft zu Entzündungsreaktionen, die die Nieren zusätzlich gefährden. Auch Übergewicht setzt den Nieren zu - mit ernsten Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer geringeren Lebenserwartung.

Immer mehr Kinder und Jugendlich sind stark übergewichtig und leiden an Diabetes Typ 2. Sie laufen Gefahr, schon mit 30 bis 45 Jahren auf eine regelmäßige maschinelle Blutwäsche angewiesen zu sein - für den Rest ihres Lebens.

Bei Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas) kommen oft mehrere Risikofaktoren für ein Nierenversagen zusammen. Auch Zigaretten, eine ungesunde Ernährung mit viel Schweinefleisch und über längere Zeit eingenommene Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac können die Nieren massiv schädigen.

Untersuchung auf Nierenschwäche

Eine nachlassende Nierenfunktion lässt sich mit Blut- und Urinuntersuchungen erkennen:

  • Einen ersten Hinweis liefert der Kreatininwert im Blut. Kreatinin ist ein Abbauprodukt der Säure Kreatin, die die Muskeln mit Energie versorgt. Es reichert sich im Blut an, wenn die Nieren nicht ausreichend arbeiten. Der Kreatinin-Wert steigt jedoch erst an, wenn die Nierenfunktion bereits um mehr als 50 Prozent eingeschränkt ist.
  • Auch eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin deutet auf einen Nierenschaden hin.
  • Empfindlicher sind die aufwendigeren Labortests auf das Protein Cystatin C und den im Blut frei zirkulierenden Urokinase-Rezeptor suPAR, die bereits lange vor den ersten Symptomen auf ein Nierenproblem hinweisen.

Nierenschwäche behandeln

Rückgängig machen lassen sich Nierenschäden meist nicht. Wird ein Nierenschaden rechtzeitig erkannt, lässt sich ein Fortschreiten der Erkrankung oft mit Medikamenten und einer Diät bremsen. Wer an Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck leidet, sollte deshalb regelmäßig die Nierenwerte überprüfen lassen. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung können dazu beitragen, dass sich die Erkrankungen zumindest nicht verschlimmern und dadurch einen möglichen Nierenschaden hinauszögern.

Ist die Organfunktion bereits auf weniger als zehn Prozent gesunken ist, hilft meist nur noch die künstliche Blutwäsche (Dialyse). Eine Alternative dazu bietet nur eine Nierentransplantation, doch Spenderorgane sind knapp.

So filtert die Niere das Blut

In den Nieren filtern etwa drei Millionen Nierenkörperchen Schadstoffe aus dem Blut. In den Nierenkörperchen bilden sogenannte Füßchenzellen eine besondere gitterartige Struktur: Gesunde Füßchenzellen lassen kleine Moleküle wie Wasser und Stickstoffverbindungen durch, die mit dem Urin abgegeben werden. Große Moleküle wie Blutkörperchen und Eiweiß werden nicht durchgelassen und bleiben im Blut. Bei einer kranken Niere ist die Gitterstruktur der Füßchenzellen viel durchlässiger: Das Blut verliert große Moleküle, zum Beispiel wichtige Eiweiße und Vitamine.

Nierenschwäche: Suche nach einem Medikament

Mediziner der Uniklinik Greifswald testen an Larven von Zebrafischen Substanzen, die Nierenerkrankungen möglicherweise heilen können. Im Gegensatz zum Menschen haben Zebrafische nur ein Nierenkörperchen. Mit einem besonderen Mikroskop beobachten die Wissenschaftler die Nierenkörperchen und die Wirkung der Medikamente. Innerhalb weniger Stunden können sie erkennen, ob ein Medikament sich positiv oder negativ auf das Nierenkörperchen der Zebrafische auswirkt. Bisher wurden elf Wirkstoffe getestet - ohne Erfolg. Selbst wenn mit Experimenten an Zebrafischen ein Wirkstoff entdeckt wird: Bis zur Zulassung eines Medikamentes vergehen meist 10 bis 15 Jahre.

Interviewpartner

Prof. Dr. rer. nat. Nicole Endlich
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Universitätsmedizin Greifswald
Friedrich-Loefflerstr. 23c, 17487 Greifswald
Tel. (03834) 86 53 03
E-Mail: nicole.endlich@uni-greifswald.de
Internet: medizin.uni-greifswald.de/anatomie

Prof. Dr. med. Steffen Mitzner
Sektionsleiter Nephrologie
Universitätsmedizin Rostock
Zentrum für Innere Medizin
Sektion Nephrologie
Ernst-Heydemann-Str. 6, 18057 Rostock
Tel. (0381) 494 77 30
E-Mail: steffen.mitzner@med.uni-rostock.de

Weitere Informationen
Internet: www.savethekidney.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.03.2018 | 20:15 Uhr

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