Stand: 25.01.2021 09:08 Uhr

Lymphozytäre Kolitis erkennen und behandeln

Schematische Darstellung: Abwehrzellen im Darm. © NDR
Bei der lymphozytären Kolitis findet man vermehrt Abwehrzellen (Lymphozyten) in der Darmschleimhaut.

Die lymphozytäre Kolitis ist eine entzündliche Erkrankung des Dickdarms und als eigenes Krankheitsbild erst seit den 1980er-Jahren bekannt. Wässrige Durchfälle und Bauchschmerzen sind ihre Hauptmerkmale. Gemeinsam mit der kollagenen Kolitis gehört sie zu den sogenannten mikroskopischen Kolitiden: Das sind Dickdarmentzündungen, die sich mit bloßem Auge bei einer Darmspiegelung nicht erkennen lassen, sondern sich erst bei der mikroskopischen Untersuchung von Gewebeproben offenbaren. Hier findet man vermehrt Immunzellen (Lymphozyten) in der Darmschleimhaut.

Aktuellen Schätzungen zufolge ist die Häufigkeit der mikroskopischen Kolitiden ähnlich hoch wie die der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Verbreitet tritt die Erkrankung erst in der zweiten Lebenshälfte auf, doch können auch schon Kinder betroffen sein.

VIDEO: Lymphozytäre Kolitis: Wenn Süßes tabu ist (13 Min)

Ursachen der lymphozytären Kolitis

Die Ursachen der lymphozytären Kolitis sind noch nicht vollständig verstanden. Wahrscheinlich liegt eine erbliche Veranlagung vor: In einer schwedischen Studie berichtete jeder achte Betroffene von Verwandten ersten oder zweiten Grades mit Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Kollagenkolitis oder Zöliakie.

Etwa die Hälfte aller Betroffenen weist bestimmte Antikörper auf, die die Annahme stützen, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt - also eine Krankheit, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigene Zellen richtet.

Vermutet wird, dass auch Medikamente die Entstehung fördern - insbesondere bestimmte Schmerzmittel, nämlich nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).

Bei 40 Prozent aller Betroffenen finden sich Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenstörungen, Rheuma, Zöliakie und Diabetes mellitus. 

Symptome und Verlauf der lymphozytären Kolitis

Im Vordergrund der Beschwerden stehen anhaltende Durchfälle, Bauchschmerzen und oft auch Gewichtsverlust. Müdigkeit kommt öfter hinzu, teils auch Stuhlinkontinenz.

Die lymphozytäre Kolitis kann spontan und sehr heftig beginnen und dadurch anfangs mit einem Infekt verwechselt werden, hält dann aber über Wochen an. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen tritt die Erkrankung einmalig über einen Zeitraum von sechs Monaten auf, nur selten dauert sie länger. In einem Drittel der Fälle kehrt die Kolitis immer wieder zurück, wird also chronisch.

Wie die lymphozytäre Kolitis diagnostiert wird

Darmkrebsfrüherkennung © picture-alliance/ ZB
Eine Darmspiegelung ist auf dem Weg zur Diagnose notwendig, bleibt aber meist unauffällig.

Bestehen wässrige Durchfälle länger als vier Wochen, sollte man sich zur Abklärung einer  Darmspiegelung unterziehen. Wenn der Arzt dabei mit bloßem Auge keine Schleimhautveränderungen sieht, wird er Proben aus der Darmschleimhaut entnehmen und sie unter dem Mikroskop beurteilen. 

Bei etwa jedem zehnten Patienten mit wochenlangen wässrigen Durchfällen und endoskopischem Normalbefund wird eine mikroskopische Kolitis festgestellt.  Die Lymphozytenzahl in der Darmschleimhaut ist bei einer lymphozytären Kolitis im Vergleich zu Gesunden etwa vier- bis fünffach erhöht.

Im Rahmen der Diagnosefindung sollten eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktose-Intoleranz) und eine Zöliakie (Sprue) ausgeschlossen werden.

Behandlung der lymphozytären Kolitis

Meist bessern sich die Beschwerden durch Kortisonpräparate. Besonders gut lokal entzündungshemmend an der Darmschleimhaut wirkt Budesonid: Es wird erst im Übergang vom Dünndarm in den aufsteigenden Dickdarm freigesetzt. Offiziell zugelassen ist es bisher nur zur Behandlung der kollagenen Kolitis. Bei lymphozytärer Kolitis wird auch häufig Prednisolon verordnet, ein klassisches Kortisonpräparat, das über die Blutbahn aufgenommen wird und die Entzündung bekämpft. Nicht seltene Nebenwirkungen sind dabei das Cushing-Syndrom (Vollmondgesicht und Stammfettsucht), erhöhter Blutdruck, psychische Beeinträchtigungen und eine Schwächung des Immunsystems.

Ernährungstherapie bei lymphozytärer Kolitis

Nougatcreme, Chips, Graubrot und Schokobonbons stehen auf einem roten Tisch, daneben ein Darm-Modell mit besorgtem Blick. © NDR Foto: Katja Gundlach
Zu viel Weizen und Zucker können Entzündungen im Darm fördern.

Einen direkten Zusammenhang bestimmter Nahrungsmittel mit der lymphozytären Kolitis gibt es nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Allerdings kann eine entzündungshemmende Ernährung helfen, das aus dem Takt geratene Immunsystem zu stärken und die Entzündung im Darm auf Dauer einzudämmen. Zu den Eckpunkten der Kolitis-Ernährung gehören viel Gemüse, gute pflanzliche Öle, sehr wenig Zucker und der Verzicht auf Weizen. Auch die Nebenwirkungen der Kortikoid-Behandlung lassen sich auf diese Weise mindern.

Stopfmittel wie Flohsamenschalen können darüber hinaus manchmal helfen, die Festigkeit des Stuhls zu erhöhen und dadurch die Stuhlhäufigkeit zu vermindern.

Ernährungstherapie
Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 25.01.2021 | 21:00 Uhr

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