Lungenkrebs: Neue Therapien steigern Überlebenschancen

Stand: 05.10.2021 09:08 Uhr

Lungenkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Mit neuen Therapien lässt sich der metastasierende Krebs besser behandeln. Diese stoppen das Tumor-Wachstum auf molekularer Ebene.

Erkrankte können durch neue Therapien viel länger überleben als noch vor einigen Jahren - und das bei guter Lebensqualität. Lange waren die Aussichten bei Lungenkrebs eher schlecht und die Behandlungsoptionen sehr belastend. Zu den Säulen der Therapie gehören nun neben Operation, Chemo-, und Strahlentherapie auch immunonkologische und zielgerichtete Therapien, die auf einer genauen Analyse des Tumors beruhen.

Heute ist die Lungenkrebstherapie sehr individuell, denn es gibt ganz verschiedene Arten von Tumoren, die auch sehr unterschiedlich behandelt werden. Wird ein Lungenkrebs diagnostiziert, wird zuerst ein Gentest durchgeführt. Dabei wird nach Genmutationen (EGFR- und ALK-Mutationen) im Tumorgewebe gesucht, die sich gezielt behandeln lassen. Bei rund 20 verschiedenen Mutationen ist das bereits möglich - mit Tabletten, die direkt auf den Tumor wirken.

Lungenkrebs-Therapie stoppt Tumor-Wachstum molekular

Handelt es sich um ein nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, die mit 76 Prozent Anteil häufigste Lungenkrebsart, ermitteln die Ärzte mit Hilfe eines Gentests, ob eine Tabletten-Therapie infrage kommt. Dies ist dann der Fall, wenn der Tumor ein bestimmtes Treiber-Gen besitzt. Dies sorgt, wie ein innerer Motor, dafür, dass sich die Krebszellen ständig teilen und der Tumor laufend wächst.

 

Weitere Informationen
Professor Martin Reck
5 Min

Lungenkrebs: Bessere Chancen durch individuelle Behandlung

Mit neuen Therapien lässt sich der metastasierende Lungenkrebs besser behandeln. Antworten zu Früherkennung, Operation und Behandlung. 5 Min

Ist das Treiber-Gen vorhanden, schluckt die oder der Erkrankte regelmäßig eine Tablette. Sie wirkt direkt an den Tumorzellen: Dort blockiert sie ein bestimmtes Signal, die Krebszellen können sich nicht mehr teilen und gehen zugrunde. Verschiedene zielgerichtete Krebsmedikamente hemmen die Wachstumssignale und damit auch das Tumorwachstum. Die Wirkung der Tabletten hält eineinhalb bis zweieinhalb Jahre an - in Ausnahmefällen auch mehr als doppelt so lange. Lässt die Wirkung des Medikaments nach, kann der Wechsel auf ein ähnliches Arzneimittel sinnvoll sein. Nebenwirkungen treten vergleichsweise selten auf.

Ein anderer Wirkmechanismus von zielgerichteten Therapien ist die Hemmung der Gefäßneubildung. Wie alle Zellen brauchen auch Tumorzellen Sauerstoff und Nährstoffe, um sich zu vermehren und zu wachsen. Ab einer gewissen Größe bildet der Tumor hierfür neue Blutgefäße. Sogenannte Angiogenese-Hemmer unterdrücken diese Gefäßneubildungen und schneiden den Tumor vom Nachschub ab.

Immunonkologische Therapie unterstützt Abwehrsystem gegen den Krebs

Immunonkologische Therapien richten sich nicht direkt gegen den Tumor, sondern nutzen die natürlichen Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems. Krebszellen können sich durch Tarnung vor dem Immunsystem verstecken oder chemische Stoffe freisetzen, die eine Immunantwort unterdrücken. Die dafür notwendigen Signalwege werden durch immunonkologische Therapien unterbrochen: Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren mobilisieren das Immunsystem nachhaltig und versetzen es in die Lage, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Eine regelmäßig per Infusion verabreichte immunonkologische Therapie kann, abhängig von Laborwerten, allein oder in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt werden. Dafür werden die Zellen im Labor auf bestimmte Rezeptoren getestet, zum Beispiel den PD-L1-Rezeptor. Je mehr dieser Rezeptoren vorhanden sind, desto besser können die Checkpoint-Inhibitoren wirken.

Neue Therapie auch bei kleinzelligen Lungentumoren

Das kleinzellige Bronchialkarzinom ist mit einem Anteil von 13 Prozent sehr viel seltener. Auch hier werden im fortgeschrittenen Stadium inzwischen immunonkologische Wirkstoffe eingesetzt - in Kombination mit einer Chemotherapie: Die Betroffenen erhalten neben Zytostatika auch den Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab, der das von den Krebszellen produzierte Protein PD-L1 hemmt. Dieses Protein hindert das Immunsystem daran, gegen den Krebs vorzugehen. Durch die Blockade von PD-L1 kann das Medikament die Unterdrückung der Immunabwehr aufheben und diese in die Lage versetzen, Krebszellen verstärkt anzugreifen. Allerdings schlägt diese Therapie nicht bei allen Betroffenen an.

Weniger Tote auch aufgrund sinkender Raucherzahlen

Die im vergangenen Jahrzehnt sinkende Sterblichkeit an Lungenkrebs führen Forscher vor allem auf die zurückgehende Anzahl der Zigarettenraucher, aber auch auf die genetische Testung und die neuen Therapien zurück. Um deren Potential in frühen Krankheitsstadien bestmöglich zu nutzen, sollten Raucher und andere Menschen mit hohem Lungenkrebsrisiko an Untersuchungen zur Früherkennung des Lungenkrebses teilnehmen. In Norddeutschland läuft hier zurzeit die Hanse-Studie, an der mehrere Kliniken teilnehmen.

 

Weitere Informationen
- © Csaba Deli Foto: Csaba Deli

Mit Immuntherapien den Krebs bekämpfen

Bei der Behandlung von Krebs spielen Immuntherapien eine immer größere Rolle. Sie sollen das Abwehrsystem aktivieren. mehr

Eine schematische Illustration eines Oberkörpers in dem die Lunge hervorgehoben wird. © fotolia.com Foto: yodiyim

Lungenkrebs per Atemtest frühzeitig erkennen

Lungenkrebs wird oft spät erkannt, weil er lange keine Symptome verursacht. Eine Analyse der Atemluft soll den Krebs bereits im Frühstadium erkennen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.10.2021 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Schematische Darstellung. © NDR

Gicht erkennen und behandeln

Gicht ist eine Volkskrankheit. Übergewicht und eine fettreiche, opulente Ernährungsweise fördern den Ausbruch erheblich. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr