Stand: 05.02.2018 15:05 Uhr

Inkontinenz: Welche OP hilft Frauen?

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Für Frauen mit Blasenschwäche sind öffentliche Toiletten oft die letzte Rettung.

Etwa jede dritte Frau in Deutschland leidet zumindest gelegentlich an unkontrolliertem Harnverlust. Im höheren Lebensalter ist sogar die Mehrzahl der Frauen betroffen. Doch noch immer ist das Thema Inkontinenz ein Tabu, obwohl es viele Mittel dagegen gibt und keinen Grund, sich einfach damit abzufinden. Schon durch regelmäßige Beckenbodengymnastik, hormonhaltige Salben, Muskeltraining und Bewegung erlangen zwei Drittel der betroffenen Frauen die Kontrolle über ihre Blase zurück.

Grafische Abbildung eines Beckenbidens.

Inkontinenz: Welche OP hilft Frauen?

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Wenn Frauen an Inkontinenz leiden, hilft in einigen Fällen nur eine Operation. Welche OP-Methoden sind bei Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz geeignet?

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Formen der Inkontinenz

Die häufigste Form der Inkontinenz ist die Belastungsinkontinenz, auch Stressinkontinenz genannt. Durch schwaches Bindegewebe verlieren Betroffene Urin bei muskulärer Belastung des Bauchraums und des Beckens, zum Beispiel beim Lachen, Husten oder Niesen - einige bereits bei schnellem Gehen. Ursache für das schwache Bindegewebe können zum Beispiel komplizierte Geburten sein.

Bei der Dranginkontinenz, auch überaktive Blase genannt, haben die Betroffenen das Gefühl, ihre Blase würde überlaufen. Ursache ist meist eine Absenkung der Beckenorgane, wenn Bindegewebe und Beckenbodenmuskulatur ihre Haltefunktion verloren haben.

Bei der Mischinkontinenz treten Symptome der Belastungsinkontinenz und der Dranginkontinenz auf. Sie entsteht häufig mit fortschreitendem Alter, indem zu einer bestehenden Drang- oder Belastungsinkontinenz die jeweils andere Inkontinenzform hinzukommt. Die Betroffenen leiden also unter unwillkürlichem Harnverlust, der sowohl in Zusammenhang mit einem starken Harndranggefühl als auch bei körperlicher Anstrengung auftritt.

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Chat-Protokoll: Inkontinenz-OP bei Frauen

Noch immer ist das Thema Inkontinenz ein Tabu, obwohl es viele Mittel dagegen gibt. Dr. Karen Wimmer hat im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Konservative Therapie der Belastungsinkontinenz

Bei einer Belastungsinkontinenz ist meist der muskuläre Beckenboden zu schwach. Er hält die Beckenorgane in ihrer Position und unterstützt zudem den Blasenschließmuskel. Verliert die Beckenbodenmuskulatur durch Geburten, hormonelle Veränderungen oder Übergewicht ihre Elastizität und Stützfunktion, kommt es zu einer Störung des Schließmuskelapparates der Blase. Zusätzlich senken sich oft Gebärmutter und Blase ab.

Ein konservativer Behandlungsansatz ist gezieltes Beckenbodentraining unter Anleitung und bei Bedarf mit Biofeedback oder elektrischer Unterstützung. Zusätzliche Maßnahmen sind Gewichtsabnahme mit viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. In einigen Fällen werden auch Medikamente mit dem Wirkstoff Duloxetin eingesetzt, einem sogenannten Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Das Mittel kann allerdings zu Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit führen und sollte deshalb vorsichtig dosiert werden.

Zu sehr guten Ergebnissen führt oft die Unterspritzung. Dabei spritzt der Arzt mit einer feinen Nadel eine Hydrokolloidlösung ringförmig in die Schleimhaut, die sich daraufhin verdickt wie aufgespritzte Lippen. Die Harnröhre wird dadurch enger und dichtet besser ab. Risiken oder Nebenwirkungen gibt es dabei nicht. Im schlimmsten Fall funktioniert die Methode nicht, zum Beispiel weil der Behandler ungeübt ist und nicht sorgfältig spritzt.

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Operationen bei Belastungsinkontinenz

Bleiben alle konservativen Verfahren erfolglos, können operative Eingriffe helfen. In vielen Fällen sind minimalinvasive Operationen erfolgreich, zum Beispiel der Einsatz eines spannungsfreien Bändchens zur Stützung der Harnröhre. Die meist unter örtlicher Betäubung eingepflanzte Schlinge stabilisiert die Harnröhre und verhindert, dass in Belastungssituationen Urin abgeht. Die Erfolgsraten liegen zwischen 50 und 70 Prozent.

Zu den Risiken gehören Blasenverletzungen, Narbenbildung und ein nicht perfekter Sitz des Bändchens. So kann ein zu straffer Sitz des Bändchens dazu führen, dass sich Restharn bildet und es wiederum zu Entleerungsstörungen kommt.

Die Implantation eines Netzes in den Unterleib zur Stabilisierung des Beckenbodens ist eine große Operation, bei der Chancen, Risiken und Nebenwirkungen besonders sorgfältig abgewogen werden müssen. Die OP sollte nur von erfahrenen Chirurgen in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Ein unter der Harnröhre und Blase eingepflanztes Kunststoffnetz führt zu einer Entzündungsreaktion im Gewebe und dadurch zur Bildung einer narbigen Platte, die für Festigkeit sorgt. Bei dieser Methode kommt es zu weniger Rückfällen, aber häufiger zu Komplikationen wie Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr. Experten empfehlen die Netzimplantation daher eher für ältere Betroffene, die nicht mehr sexuell aktiv sind.

Konservative Therapie der Dranginkontinenz

Zur Behandlung der Dranginkontinenz haben sich Anticholinergika bewährt. Die Medikamente dämpfen die Aktivität der Blasenmuskulatur. Da die Wirkung erst nach einiger Zeit einsetzt, sollten sie mindestens vier bis sechs Wochen eingenommen werden, um den Erfolg einschätzen zu können.

Zu den Nebenwirkungen der Anticholinergika gehören Mundtrockenheit, Übelkeit, Sehstörungen, Herzrasen oder Verstopfung. Reicht die Wirkung der Anticholinergika nicht aus oder sind die Nebenwirkungen zu stark, kann der Wirkstoff Mirabegron eingesetzt werden. Seine Wirkung setzt nach etwa drei Monaten ein, die Nebenwirkungen sind in der Regel geringer. Liegt ein Östrogenmangel vor, kann eine örtliche Hormontherapie mit einem Scheidenzäpfchen oder einer Scheidencreme sinnvoll sein.

Reicht die Wirkung der Medikamente nicht aus, können bei einer überaktiven Blase Botox-Injektionen direkt in den Blasenmuskel helfen, dass der Urin längere Zeit gespeichert werden kann. Die Wirkung des Nervengiftes hält etwa sechs bis neun Monate an und wird danach wiederholt.

Operation bei Dranginkontinenz

Relativ neu ist die CESA/VASA-Operation. Dabei werden die erschlafften natürlichen Haltebänder durch Kunststoffimplantate ersetzt. Sie werden dort angenäht, wo die ursprünglichen Bänder saßen, und übernehmen deren Funktion. Das Verfahren wird erst in wenigen Zentren angeboten.

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Interviewpartner

Dr. Karen Wimmer, Chefärztin
Frauenklinik
Ev. Diakonie-Krankenhaus gGmbH
Gröpelinger Heerstraße 406-408, 28239 Bremen
Tel. (0421) 61 02-12 01, Fax (0421) 61 02-12 29
Internet: www.diakobremen.de/fachabteilungen/frauenklinik

Dr. Johanna Höink, Oberärztin
Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
Zentrum für Operative Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 74 10-23 800, Fax (040) 74 10-54 355
Internet: www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/gynäkologie

Dr. David Marghawal, Leitender Oberarzt
Abteilung für Urologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18-81 16 60, Fax (040) 18 18-81 49 10
Internet: www.asklepios.com/hamburg/altona/experten/urologie

Weitere Informationen
Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.
Friedrichstraße 15, 60323 Frankfurt
Internet: www.kontinenz-gesellschaft.de

Inkontinenz Selbsthilfe e.V.
Matenzeile 28 B, 13053 Berlin
Internet: www.inkontinenz-selbsthilfe.com

Dieses Thema im Programm:

Visite | 06.02.2018 | 20:15 Uhr

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