Stand: 31.05.2016 14:53 Uhr  | Archiv

Gesichtsschmerzen: Diagnose und Therapie

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Die Ursachen für Gesichtsschmerzen sind nur in Teilen bekannt.

Oft genügt schon ein frischer Windhauch, eine Kaubewegung oder ein kaltes Getränk und der unerträgliche Schmerz zieht blitzartig über Wange, Ohr, Stirn oder Kiefer. Gesichtsschmerz ist eine Krankheit, die viele Menschen betrifft, deren Ursachen aber bisher nur in Teilen bekannt sind. Oft dauert es lange, bis das eigentliche Problem erkannt wird, denn viele vermuten hinter den stechenden Attacken zunächst eine Mittelohrentzündung oder Zahn- und Kieferschmerzen. Bevor aber unnötige Zahnbehandlungen durchgeführt werden oder gar Zähne gezogen werden, sollte unbedingt ein Spezialist aufgesucht werden.

Untersuchung von Druck- und Gefühlsempfinden

Um die Ursache der Gesichtsschmerzen zu finden, sind ein ausführliches Arzt-Patient-Gespräch und eine gewissenhafte neurologische Untersuchung am wichtigsten. Der Arzt muss genau erfragen, wie oft der Patient die Schmerzen erleidet (in größeren Abständen, wöchentlich, mehrmals täglich, ohne Pause), in welchen Situationen der Schmerz auftritt (bei Kälte, beim Kauen, beim Sprechen, nachts), wie lange er anhält (Sekunden, Minuten, Stunden, Tage). Wichtig ist die Beschreibung des Patienten, wo genau es schmerzt (links, rechts, oberflächlich, in der Tiefe), wie das Schmerzgefühl ist (stechend, ziehend, dumpf, klopfend), wie stark an welcher Stelle, wohin ausstrahlend.

Der Arzt untersucht das Druck- und Gefühlsempfinden im gesamten Kopf-Gesichtsbereich und kann mit den Ergebnissen recht genau eingrenzen, ob es eine klassische Reizung des Trigeminusnervs ist, die entsprechend behandelt werden kann. Andere mögliche Ursachen wie eine Übererregbarkeit von Nerven- und Schmerzzellen lassen sich nicht direkt nachweisen. Bildgebende Verfahren mit dem MRT müssen dann aber Entzündungen oder Tumoren im Gehirn als mögliche Ursache ausschließen, bevor die Diagnose "atypischer Gesichtsschmerz" gestellt werden darf.

Die Mediziner vermuten, dass Reiz- oder Schmerzverarbeitungsstörungen im Gehirn hierbei eine Rolle spielen, die genauen Mechanismen sind noch nicht erforscht. Die Therapie mit Medikamenten kann beim atypischen Gesichtsschmerz eine Linderung von etwa 30 bis 40 Prozent erreichen. Die Betroffenen müssen lernen, mit den verbleibenden Schmerzen zu leben. Dabei sind Gesprächs- und Verhaltenstherapien sinnvoll, damit der Gesichtsschmerz nicht das Leben beherrscht.

Wenn Gesichtsnerv Trigeminus geschädigt ist

Bei der klassischen Trigeminusneuralgie treten die Schmerzen einseitig im Gesichtsbereich auf und dauern einige Sekunden bis zu zwei Minuten - und das in manchen Fällen sogar mehrmals täglich. Bei den Betroffenen drückt die Kleinhirnarterie Arteria cerebelli auf den Gesichtsnerv Trigeminus und schädigt ihn mit der Zeit. In der Folge kommt es zu einer Art Kurzschluss im Nerv, der dann verschiedene Reize unkontrolliert an die Schmerznervenfasern weiterleitet.

Wie wird die Trigeminusneuralgie behandelt?

Je nach Ausprägung kann die Trigeminusneuralgie verschieden behandelt werden: Als konservative Methoden stehen Akupunktur und eine dem Schmerz vorbeugende, medikamentöse Therapie an erster Stelle. Oft können die Symptome damit gestoppt oder zumindest merklich gelindert werden.

Doch bei manchen Patienten kehren die Schmerzen mit der Zeit zurück, sodass eine Operation erwogen werden kann. Dabei legt der Neurochirurg eine Kunststoffplatte zwischen Nerv und Blutgefäß, um den Druck auf den Trigeminus zu entlasten (Jannetta-Operation). Ist eine offene Operation am Gehirn nicht möglich, können die betroffenen Nervenstellen auch unter örtlicher Betäubung mittels Hitze für einen längeren Zeitraum gezielt unempfindsam gemacht werden (Thermokoagulation). Die Einspritzung von Alkohol in den Nerv hat einen ähnlichen Effekt.

Eine neuere Technik ist das Gamma- oder Cyberknife: Hier wird der Trigeminus zielgerichtet mit einer Bestrahlung beschossen, sodass sich funktionsloses Narbengewebe im Nerv bildet und die unerwünschten Schmerzimpulse ausbleiben.

Interviewpartner

Im Studio:
Prof. Dr. Arne May
Neurologe
Institut für Systemische Neurowissenschaften
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 74 10 0
E-Mail: a.may@uke.de
Internet: www.uke.de

Im Beitrag:
Prof. Ralf Baron, Neurologe und Schmerzmediziner
Stellvertretender Direktor  
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Straße 3, Haus 41, 24105 Kiel
Tel. (0431) 597 85 50, Fax. (0431) 597 85 02

Dr. Stefanie Rehm
Neurologin
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Arnold-Heller-Straße 3, Haus 41
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 85 50
Fax. (0431) 597 85 02
Internet: www.uksh.de/schmerztherapie-kiel/
Terminabsprachen für die Gesichtsschmerzambulanz nur per Mail:
gesichtsschmerz@uke.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 31.05.2016 | 20:15 Uhr

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