Frauenfüße stehen auf einer Waage © Fotolia.com Foto: viperagp

Fatburner: Gefahr statt Gewichtsverlust

Stand: 03.06.2022 11:47 Uhr

Freiverkäufliche Fatburner versprechen, beim Abnehmen zu helfen. Die Wirksamkeit der Präparate ist allerdings nicht belegt. Im Gegenteil: Einige Inhaltsstoffe können sogar der Gesundheit schaden.

Sie versprechen den schnellen Weg zur Strandfigur: Freiverkäufliche „Fatburner“ sollen durch Anregung der körpereigenen Fettverbrennung und des Stoffwechsels die Pfunde schmelzen lassen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Belege, dass die Präparate die Fettverbrennung ankurbeln. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs im Januar 2022 dürfen Hersteller Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr unter der Bezeichnung Fatburner verkaufen oder bewerben.

Welche Risiken bergen Fatburner?

Hersteller müssen in Studien die Wirksamkeit ihrer Fatburner belegen, um sie als solche bezeichnen zu dürfen. Da sie die Produkte nicht mehr Fatburner nennen dürfen, vertreiben viele Hersteller die Mittel unter anderen Namen wie Turbo-Burner oder Night Burn - vorwiegend im Internet. Viele der Inhaltsstoffe wirken vor allem auf das Herz-Kreislauf-System und können gefährliche Nebenwirkungen auslösen. Bluthochdruck, Schlafstörungen, Herzrasen oder Leberschäden sind mögliche Risiken. Das gilt auch für rein pflanzliche Produkte.

Welche Inhaltsstoffe enthalten Fett-weg-Pillen?

Als Fatburner vertriebene Nahrungsergänzungsmittel sind unterschiedlich zusammengesetzt. Viele der enthaltenen Substanzen sind nicht ausreichend untersucht, manche sind für die Verwendung in Lebensmitteln - dazu gehören auch Nahrungsergänzungsmittel - gar nicht zugelassen. Ein besonderes Risiko besteht, wenn die Substanzen nicht oder in falscher Dosierung auf der Verpackung deklariert sind. Besondere Vorsicht ist bei Produkten geboten, die im Internet aus unsicheren Quellen oder aus dem Ausland bestellt werden.

  • Hydroxycitronensäure (HCA) wird aus der indischen Gewürzpflanze Garcinia Cambogia gewonnen. Diese soll ein Enzym des Fettstoffwechsels hemmen können, was dazu führt, dass kein neues Fett gebildet wird. Garcinia Cambogia wird in der ayurvedischen Medizin zur Verdauungsanregung empfohlen. Es gibt aber keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass die Frucht oder der aus ihr gewonnene Extrakt Einfluss auf die menschliche Fettverbrennung hat. Dafür sind jedoch die Nebenwirkungen umfangreich dokumentiert: So können bereits geringe Dosen zu Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden führen – und die Wirksamkeit von Diabetes- und Asthma-Medikamenten sowie Blutgerinnern verringern. In der medizinischen Fachliteratur berichten Expertinnen und Experten immer wieder über Fälle, in denen Garcinia Cambogia in Dosierungen, wie sie in Abnehmpräparaten verwendet werden, zu schwerem Leberversagen geführt hat. In Tierversuchen haben hochdosierte HCA-Extrakte zu Schäden an den Hoden der Versuchstiere geführt.
  • Undaria pinnatifida ist eine aus dem Süden Asiens stammende Braunalge. In der japanischen Küche ist sie als Wakame bekannt. In Fatburner-Präparaten ist sie häufig in Kombination mit anderen pflanzlichen Inhaltsstoffen enthalten. Wakame-Algen liefern sehr viel Jod, was besonders Menschen schadet, die an einer Schilddrüsen-Funktionsstörung leiden. Eine hohe Dosis Jod produziert zu viele Schilddrüsenhormone, was zu einer Entgleisung des Stoffwechsels und Herz-Rhythmusstörungen führen kann.
  • Koffein bzw. koffeinhaltigen Zutaten wie Guarana, Grüntee- oder Kaffeeextrakt sind in zahlreichen Fatburner-Produkten enthalten. Bislang ist nicht ausreichend durch wissenschaftlich unabhängige Studien am Menschen belegt, dass sie eine Wirkung auf die Fettverbrennung haben. Zu hoch dosiert können die Substanzen zu Herzrasen, Muskelzittern und erhöhter Reizbarkeit führen.
  • Synephrin kommt natürlicherweise unter anderem in der Bitterorange (auch Pomeranze oder Citrus Aurantium) vor. In Fatburnern ist es häufig zusammen mit Koffein bzw. koffeinhaltigen Zutaten wie Guarana, Grüntee- oder Kaffeeextrakt enthalten. Beide Stoffe wirken auf das Herz-Kreislauf-System und können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Die Folge kann eine Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks sein. Da hohe Dosierungen vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR) als nicht sicher eingestuft werden, sollten generell mit einem Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 6,7 mg Synephrin pro Tag aufgenommen werden. In vielen Produkten wird diese Menge aber deutlich überschritten.
  • In einigen Präparaten kommen Extrakte aus der Pflanze Tribulus terrestris (Erdstachelnuss) zum Einsatz. Nahrungsergänzungsmittel mit Tribulus terrestris sollen die Testosteronproduktion bei Männern ankurbeln und für mehr Muskelmasse sorgen. Es gibt nur wenige Studien am Meschen und diese liefern kaum Belege für einen Nutzen.
  • Tribulus terrestris, Carnitin und Piperin aus Pfefferextrakten können ebenfalls in Fatburnern enthalten sein. Laut BfR sollten Erwachsene jedoch nicht mehr als 2 Milligramm isoliertes Piperin pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen.

Semaglutid und Liraglutid können bei krankhaftem Übergewicht helfen

Es gibt Präparate, mit denen man in drei bis sechs Monaten bis zu 15 Prozent Gewicht verlieren kann: Abnehmspritzen mit dem Wirkstoff Semaglutid oder Liraglutid, eigentlich Diabetes-Medikamente, können krankhaft übergewichtige Menschen beim Abnehmen unterstützen. Aber auch diese Medikamente verbrennen kein Körperfett, sondern verstärken das Sättigungsgefühl und sorgen dafür, dass sich der Magen langsamer entleert.

Verschrieben werden die Spritzen derzeit nur im Rahmen einer Adipositas-Therapie und werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Wenn die Betroffenen nicht parallel eine Ernährungs- und Bewegungstherapie machen, nehmen sie nach dem Absetzen der Spritzen wieder zu. Zudem kann es zu Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen kommen. Darum brechen zehn Prozent der Betroffenen die Therapie vorzeitig ab.

Auf freiverkäufliche Fatburner besser verzichten

Ohne Verzicht mühelos abnehmen zu können, wie die Hersteller von Fatburnern oder Fett-weg-Pillen versprechen, klingt verlockend - doch es fehlen wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Präparate. Darum empfehlen Ärztinnen und Ärzte, auf Fatburner zu verzichten, vor allem auf Produkte aus unsicheren Quellen im Internet.

Gute Strategien zum Abnehmen sind hilfreicher als dubiose Pillen: kontrolliert und abwechslungsreich essen, regelmäßig Sport treiben und dabei Muskelgruppen gezielt trainieren.

Auch eine individuelle Ernährungsberatung kann helfen. Bei starkem Übergewicht sind Adipositas-Ambulanzen eine geeignete Anlaufstelle.

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ARD Gesund | Visite | 07.06.2022 | 20:15 Uhr

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