Corona: Wie sicher sind Schnelltests für zu Hause?

Stand: 24.02.2021 11:40 Uhr

In der Corona-Pandemie liegen große Hoffnungen auf dem Einsatz von Antigen-Schnelltests für zu Hause. Sie sollen einfach zu handhaben sein.

Bei den Schnelltests gibt es Gurgel- und Speichel-Tests sowie Nasenabstriche. Im Schnitt erkennen Antigentests rund 80 Prozent der Infizierten. Experten halten die Schnelltests aus unterschiedlichen Gründen für nützlich:

  • Personen mit einer Erkrankung können früher erkannt werden - vielleicht sogar schon im präsymptomatischen Stadium.
  • Überhaupt könnten Personen mit einer Erkrankung erkannt werden
  • Infizierte, die mit einem Schnelltest nicht erkannt werden, haben meist eine geringe Viruslast und werden kaum andere Menschen anstecken.

Zulassungsverfahren für Laientests laufen noch

Zwar wurde Anfang Februar die Medizinprodukte-Abgabeverordnung so geändert, dass ein direkter Verkauf von Schnelltests an Laien nun grundsätzlich möglich ist. Allerdings müssen diese Tests zuvor ein extra Zulassungsverfahren durchlaufen. Die europaweite CE-Kennzeichnung - wie es sie bei den Masken gibt - fehlt noch. Momentan laufen mehrere Zulassungsverfahren. In Deutschland sind dafür TÜV Süd, TÜV Rheinland und die mdc medical device certification GmbH zuständig, europaweit sind es rund 50 Stellen. Zudem erfolgen Sonderzulassungen über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Dort laufen derzeit Genehmigungsverfahren für rund 30 Anträge. Für drei Tests hat das Institut bereits Sonderzulassungen erteilt. Sie sollen in den nächsten Tagen in Geschäften erhältlich sein.

Von Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), vom 1. März an für alle Bürgerinnen und Bürger kostenlose Antigen-Schnelltests anzubieten, durchgeführt von medizinisch geschultem Fachpersonal, ist die Bundesregierung wieder abgerückt. Über ein flächendeckendes Schnelltest-Angebot wollen Bund und Länder nun bei ihrem nächsten Treffen beraten.

Antigen-Test und PCR-Test - die Unterschiede

Grundsätzlich gilt der PCR-Test nach wie vor als der Goldstandard. Der Test erkennt RNA, also Teile des Erbmaterials, die für das Coronavirus typisch sind. Dafür muss der Abstrich in einem Labor über mehrere Stunden verschiedene Testzyklen durchlaufen. Mit diesem Verfahren können auch geringe Mengen des Coronavirus nachgewiesen werden.

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Der Antigen-Schnelltest funktioniert anders: Er erkennt spezielle Oberflächen-Proteine des Virus, die sogenannten Antigene. Sind ausreichend viele Verbindungen von Antigen und Antikörper vorhanden, erscheint im Testfeld ein farbiger Strich - ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Der Antigen-Schnelltest liefert nach 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis, ist aber nicht so verlässlich wie ein PCR-Test.

Studie: Antigen-Tests für Laien sinnvoll

Dass Antigen-Tests auch von Laien durchgeführt werden können, zeigt eine Studie aus dem September 2020 von Dr. Claudia Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg. Dabei sollten Laien bei sich selbst einen Antigen-Schnelltest durchführen - nur mithilfe einer schriftlichen Anleitung. Anschließend wurden sie von einem Arzt ein zweites Mal professionell abgestrichen. Das Ergebnis: Beim Laientest wurden von 40 Corona-Infizierten 33 entdeckt. Beim Abstrich durch medizinisches Fachpersonal waren es 34.

Das gilt allerdings nur für hochwertige Tests, die eine hohe Genauigkeit haben und benutzerfreundlich sind. Welche das sind, lässt sich schon bei den Angeboten für den Fachhandel nur schwer erkennen.

Informationskampagne für Schnelltests nötig

Experten mahnen, dass für den künftigen Einsatz der Laientests eine breit angelegte Informationskampagne nötig sei. Denn noch sind viele Fragen ungeklärt:

  • Welche Tests sind zuverlässig in Sachen Genauigkeit und Benutzerfreundlichkeit?
  • Wie sollen sich Personen verhalten, die sich selbst mit einem positiven Ergebnis getestet haben?
  • Wer stellt sicher, dass ein per Antigen-Schnelltest entdeckter Infizierter zur Kontrolle zur PCR-Testung geht?
  • Wie erfährt das Gesundheitsamt von einem Corona-Infizierten?

Antigen-Schnelltests ersetzen nicht die AHA-Regeln

Fest steht: Ein negativer Antigen-Schnelltest bedeutet keine Sicherheit. Es handelt sich nur um eine Momentaufnahme, die für maximal einen Tag aussagekräftig ist. Zudem sind Antigentests nicht so empfindlich wie PCR-Tests. Und selbst für die gilt: Kein Test ist perfekt. Es gibt immer wieder auch falsch-positive Ergebnisse. Die Tests ersetzen also nicht die bewährte AHA+L-Regel: Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Masken tragen, in Innenräumen regelmäßig lüften.

Experten raten, den Antigentest für zu Hause regelmäßig, also zwei, drei Mal die Woche, durchzuführen. Er liefert keinen perfekten Schutz - ist aber ein weiteres Element, um die Pandemie zu bekämpfen.

 

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