Corona behandeln: Welche Therapien helfen bei Covid-19?

Stand: 20.10.2020 09:39 Uhr

Bei einer Covid-19-Erkrankung sind die Chancen auf Genesung im Herbst 2020 größer als beim Ausbruch der Pandemie im Frühjahr. Denn Ärzte haben mehr Erfahrung in der Behandlung von Corona-Erkrankten.

Das Coronavirus greift nicht nur die Lunge an, sondern kann auch schwere Schäden an Blutgefäßen und Nieren verursachen. Dagegen können Mediziner gezielt vorgehen, indem sie die Blutgerinnung und Entzündungen mit Medikamenten hemmen.

Remdesivir kann Vermehrung von Coronaviren hemmen

In der Frühphase einer Corona-Erkrankung kann das Medikament Remdesivir helfen, wenn es über die Vene verabreicht wird. Der antivirale Wirkstoff wurde ursprünglich für die Behandlung von Ebola entwickelt. Remdesivir kann die Vermehrung der Coronaviren in den Zellen hemmen und verhindern, dass sie sich ungehemmt im Körper ausbreiten.

Derzeit ist Remdesivir das einzige Medikament, das die klinischen Studien durchlaufen hat und für die Behandlung von Covid-19 zugelassen ist. Die Ergebnisse zweier aktueller Studien sind allerdings enttäuschend im Hinblick auf den Einfluss des Medikaments auf das Überleben von Patienten. Wird Remdesivir erst im späteren Verlauf der Erkrankung verabreicht, hat es laut Zwischenergebnissen einer WHO-Studie keinen Einfluss auf die Sterblichkeit.

Dexamethason kann Entzündungen verhindern

Bei schwer an Covid-19 erkrankten Menschen, die künstlich beatmet werden müssen, hat sich die Gabe des Kortison-Präparats Dexamethason als wirksam erwiesen. Das Medikament bremst eine oft auftretende überschießende Immunreaktion ("Zytokinsturm"). Dabei greift das Immunsystem im Kampf gegen das Virus auch den eigenen Körper an und löst dadurch lebensgefährliche Entzündungsreaktionen in verschiedenen Organen aus. Dexamethason wirkt entzündungshemmend und dämpft das Immunsystem.

In Studien konnte Dexamethason die Sterblichkeit bei beatmeten Covid-19-Erkrankten um ein Drittel senken, bei Betroffenen, die lediglich Sauerstoff benötigten, um etwa ein Fünftel.

Gerinnungshemmer können Blutgerinnsel verhindern

Ein weiterer Therapieansatz ist die Gabe von Gerinnungshemmern. Sie sollen das Blut flüssig halten und Schäden an Organen verhindern.

Autopsien verstorbener Corona-Patienten zeigten, dass sich in verschiedenen Organen viele kleine Blutgerinnsel gebildet haben. Noch ist allerdings nicht ganz geklärt

  • welchen Anteil daran das Virus selbst hat
  • wie viele der Betroffenen unter Vorerkrankungen von Herz und Lunge litten
  • welchen Schaden der Zytokinsturm in den Gefäßen anrichtet.

Antikörper-Therapie kann Immunsystem unterstützen

Künstlich hergestellte oder aus dem Blut von genesenen Covid--19-Erkrankten gewonnene Antikörper gegen Sars-CoV-2 sollen den Körper schwer Erkrankter beim Kampf gegen die akute Infektion unterstützen. Bisher ist die Studienlage dazu allerdings noch uneinheitlich.

So wurde die weitere Erprobung eines zunächst erfolgversprechenden Antikörper-Cocktails vom Hersteller aufgrund neuer Sicherheitsbedenken gestoppt. Zudem haben Antikörper-Therapien möglicherweise den Nachteil, dass sie den Aufbau einer körpereigenen Immunität gegen Sars-CoV-2 behindern könnten. Es ist also unklar, ob sich mit Antikörpern behandelte Covid-19-Erkrankte gleich wieder infizieren könnten, nachdem die zugeführten Antikörper abgebaut sind.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Tobias Welte
Vizepräsident und Ärztlicher Direktor Medizinische Hochschule Hannover
Prof. Dr. Marius M. Hoeper
Komm. Direktor der Klinik für Pneumologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
www.mhh.de

Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor Klinik für Intensivmedizin
Stellv. Leiter Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
www.uke.de
 
Prof. Dr. Klaus F. Rabe, Ärztlicher Direktor
LungenClinic Grosshansdorf GmbH
Wöhrendamm 80
22927 Großhansdorf
www.lungenclinic.de

Dr. Stefan Schmiedel, Oberarzt
I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin)
Zentrum für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger
am Robert Koch-Institut (STAKOB)
Hinweise zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit Covid-19 (Stand 9.10.2020)
www.rki.de (PDF-Download)

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