Corona: Schützt Gurgeln vor Infektion?

Stand: 07.12.2020 16:04 Uhr

Für die Vermehrung des Coronavirus Sars-CoV-2 spielt die Schleimhaut in Mund und Rachen eine entscheidende Rolle. Einer aktuellen Studie zufolge könnte Gurgeln die Virusmenge im Rachen senken.

Vor Eingriffen beim Zahnarzt ist Gurgeln mit einer Jodlösung schon lange üblich, um die Keimbelastung im Mund und damit auch die Ansteckungsgefahr für Ärzte und Pflegende zu reduzieren. Da sich Coronaviren gerade zu Beginn der Erkrankung im Rachenraum vermehren, lassen sie sich in dieser Phase durch Gurgeln mit Salzwasser, Tee oder Mundspüllösung von der Schleimhaut spülen. Wichtig ist, mindestens 30 Sekunden zu gurgeln und die Flüssigkeit bis in den Rachen vordringen zu lassen.

Allerdings verhindert Gurgeln nicht die Vermehrung des Virus im Innern der Zellen, sodass schon kurz nach dem Gurgeln wieder neue Viren auf der Rachenschleimhaut zu finden sind. Wie lange Gurgeln die Virusmenge im Rachen tatsächlich reduzieren kann, weiß bislang niemand. Experten gehen von einer Wirksamkeit über einige Minuten aus.

Studie: Gurgeln tötet Viren ab

Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben gezeigt, dass einige Mundspülungen Sars-CoV-2-Viren abtöten können - zumindest im Reagenzglas. Ob das auch beim Gurgeln funktioniert, muss noch untersucht werden. Eine virentötende Wirkung wurde im Labor bisher für eine PVP-Jodlösung nachgewiesen.

Heilen lässt sich Covid-19 durch Gurgeln nicht. Es könnte aber ein weiterer Baustein zur Vorbeugung sein. Allerdings sollten Mundspülungen nur gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel vor einer gemeinsamen Mahlzeit. Denn bei zu häufigem Gurgeln könnte die Mundflora leiden.

Gurgeln in der Naturheilkunde

Grundsätzlich unterstützt Gurgeln die Abwehr gegen Krankheitserreger: Es befeuchtet die Schleimhaut und sorgt dafür, dass sie besser durchblutet und mit Abwehrzellen versorgt wird. So kann sich der Körper besser gegen Eindringlinge wie Viren wehren. Besonders zu empfehlen ist Gurgeln mit Melissentee, denn die Melisse ist für ihre virustötende Wirkung bekannt. Auch grüner Tee kann durch seine Gerbstoffe Viren hemmen.

Gurgel-Test soll Diagnostik vereinfachen

Eine Speichelprobe nach 30 Sekunden Gurgeln soll die Corona-Diagnostik per PCR-Test vereinfachen und billiger machen. Die Idee: Gurgeln kann jeder, dafür ist auch kein medizinisches Personal in Schutzausrüstung erforderlich.

Um den Aufwand weiter zu senken, werden die Speichelproben mehrerer Menschen im Labor vermengt und zusammen untersucht. Dieses sogenannte Pooling spart Testkapazität, denn nur wenn die gesamte Probe positiv ist, werden alle Speichelproben nochmal einzeln untersucht. Voraussetzung für gute Ergebnisse ist aber, dass mindestens 30 Sekunden und nicht mit zu viel Flüssigkeit gegurgelt wird. Nur so gelangt genug Virusmaterial ins Gurgelwasser.

 

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