Corona: Schützen Nasenspray und Mundspülung vor Ansteckung?

Stand: 19.10.2022 10:30 Uhr

Für die Vermehrung des Coronavirus spielt die Schleimhaut in Mund und Rachen eine entscheidende Rolle - besonders bei der Omikron-Variante. Neben FFP2-Masken sollen Mundspülungen und Nasensprays schützen.

Mit Anbruch der kalten Jahreszeit verbreiten sich Atemwegserkrankungen wieder leichter. Die Eintrittspforte für Sars-CoV-2 ist der Nasen-Rachen-Raum. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) empfiehlt daher zum Schutz vor Corona-Ansteckung das Gurgeln mit Mundspülungen und die Anwendung von Nasensprays, weil beides nach aktueller Studienlage bei Omikron die Virenlast im Mund-Rachen-Raum senken kann.

Corona-Schutz: Wie wirken Nasensprays?

Mit Nasensprays sollen Coronaviren effektiv reduziert, Infektionen verhindert und sogar die Genesungszeit verkürzt werden, versprechen etliche Hersteller. Die Sprays sind entwickelt worden, um gegen verschiedene Viren in der Nase agieren zu können, die man über den Atemtrakt aufnimmt. Das Prinzip ist nicht vergleichbar mit einer Impfung, bei der man eine Immunität gegen das Coronavirus herbeiführt - stattdessen geht es hier darum, an der nasalen Schleimhaut eine erste Barriere aufzubauen, damit das Virus die Zellen weniger gut infizieren kann. Werden Viren über die Nase eingeatmet, hält diese künstliche Barriere viele Viren davon ab, in die Schleimhaut einzudringen.

Antivirale Nasensprays können Coronaviren unschädlich machen

Spezielle antivirale Nasensprays enthalten zusätzliche Substanzen, die Viren aufhalten und somit eine zweite Schutzlinie bieten sollen. Zum Einsatz kommt zum Beispiel Carrageen (Carragelose), ein Stoff aus einer Rotalge. Es verhindert durch eine Art elektrostatische Wechselwirkung, dass Viren an Rezeptoren der Schleimhautzellen andocken und sie infizieren. Der Stoff Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) kann einen Schutzfilm bilden und die Viren "einkapseln", sodass sie am Eindringen gehindert und weggespült werden.

Das Wirkprinzip des neuesten Nasensprays setzt auf eine Mischung aus HPMC, Stickstoffmonoxid und Zitronensäure. Die Zitronensäure soll den pH-Wert in der Nasenschleimhaut ändern, damit die Viren schlechter überleben. Stickstoffmonoxid (NO) soll über einen chemischen Prozess (Nitrosylierung) bestimmte Aminosäuren und damit die Funktion des Spikeproteins verändern, sodass das Virus nicht mehr infektiös ist. Das NO-Nasenspray soll auch Viren bekämpfen, die bereits die Zellen infiziert haben.

Auch diese neuen Sprays können eine Infektion aber nicht zu 100 Prozent verhindern - zumal die Infektion nicht nur in der Nase, sondern auch im Rachen stattfindet.

Gurgeln mit Salzwasser oder Mundspülung zum Schutz vor Corona

Da sich bei der Omikron-Variante die Viren gerade zu Beginn der Erkrankung im Rachenraum vermehren, lassen sie sich in dieser Phase durch Gurgeln mit Salzwasser, Tee oder Mundspüllösung von der Schleimhaut spülen. Vor Eingriffen beim Zahnarzt ist Gurgeln mit einer antiseptischen Lösung schon lange üblich, um die Keimbelastung im Mund und damit auch die Ansteckungsgefahr für medizinisches Personal zu reduzieren. Wichtig ist, mindestens 30 Sekunden zu gurgeln und die Flüssigkeit bis in den Rachen vordringen zu lassen.

Gurgeln verhindert die Vermehrung freier Viren auf den Schleimhäuten - aber nicht solcher, die im Inneren der Schleimhautzellen sitzen, sodass schon kurz nach dem Gurgeln wieder neue Viren auf der Rachenschleimhaut zu finden sind. Wie lange Gurgeln die Virusmenge im Rachen tatsächlich reduzieren kann, ist ungewiss. Expertinnen und Experten gehen von einer Wirksamkeit über einige Minuten aus.

Mundspülung kann Viren abtöten

Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben gezeigt, dass einige Mundspülungen Sars-CoV-2-Viren abtöten können - zumindest im Reagenzglas. Heilen lässt sich Covid-19 durch Gurgeln nicht. Es könnte aber ein weiterer Baustein zur Vorbeugung sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) unterscheidet in ihrer aktualisierten Empfehlung zum Gurgeln grob zwei Gruppen von Gurgellösungen:

  • Salzwasser: Eine Kochsalzlösung lässt sich mit einem gestrichenen Teelöffel Salz auf ein Glas Wasser selbst herstellen. Nebenwirkungen gibt es damit nicht, und die Salzlösungen können dauerhaft angewendet werden. Nach Erfahrungen mit Grippeviren vermuten Forschende, dass sich mit Salzwasser-Spülungen auch die Anhaftung der Sars-CoV-2-Viren deutlich reduziert. Wer außerdem Salzwasser-Nasenspray verwendet, spült zusätzlich Viren aus der Nase - und hält außerdem die Schleimhäute feucht, sodass ein natürlicher Schutz besteht.

  • Ätherische Öle: In Studien zeigte sich, dass bestimmte Mundwässer mit ätherischen Ölen die Viruslast zum Teil stark verringern können - wirksamer als mit Salzlösungen. Bisher sind auch keine Nebenwirkungen beobachtet worden, viele Zahnärztinnen und Zahnärzte benutzen diese Lösungen selbst nahezu täglich. Mundspülungen zum Verringern von Viren können auch gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel vor einer gemeinsamen Mahlzeit oder Arztbesuchen.

Gurgeln verbessert Durchblutung der Schleimhäute

Grundsätzlich unterstützt Gurgeln die Abwehr gegen Krankheitserreger: Es befeuchtet die Schleimhaut und sorgt dafür, dass sie besser durchblutet und mit Abwehrzellen versorgt wird. So kann sich der Körper besser gegen Eindringlinge wie Viren wehren. In der Naturheilkunde wird das Gurgeln mit Melissentee besonders empfohlen, denn die Melisse ist für ihre virustötende Wirkung bekannt. Auch grüner Tee kann durch seine Gerbstoffe Viren hemmen.

FFP2-Masken schützen am besten vor Omikron-Ansteckung

Die Impfung, Abstandhalten und das Tragen von Masken bleiben der beste Basisschutz gegen Covid-19. Forschende des Max-Planck-Institutes haben nachgewiesen, dass die Maske eng am Gesicht anliegen muss, um vor einer Corona-Ansteckung zu schützen. Die Forschenden haben das Ansteckungsrisiko unter drei Szenarien gemessen:

  • Eine sprechende infektiöse Person befindet sich in einem Abstand von eineinhalb Metern zu den empfänglichen Personen. Keiner von ihnen trägt einen Mundschutz. Eine Infektion geschieht innerhalb von drei Minuten.
  • Die sprechende infektiöse Person befindet sich eineinhalb Meter entfernt von der atmenden Person. Die ansteckende Person trägt keine Maske, während die angesprochene Person eine gut sitzende FFP2-Maske trägt. Das Infektionsrisiko sinkt erheblich.   
  • Die sprechende infektiöse Person und die atmende Person befinden sich in einem Abstand von eineinhalb Metern voneinander - beide tragen eine gut sitzende FFP2-Maske. Das Infektionsrisiko ist dabei auf ein Minimum reduziert, auch über einen längeren Zeitraum hinweg.  

Das beweist: Mit passender Maske ist man ziemlich gut geschützt - trägt auch das Gegenüber eine Maske, ist eine Ansteckung so gut wie ausgeschlossen.

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