Sendedatum: 22.10.2013 20:15 Uhr  | Archiv

Hohe Cholesterinwerte richtig behandeln

Blutprobe © picture alliance Foto: Media for Medical
Zu hohe Cholesterinwerte gelten als Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Hohe Cholesterinwerte im Blut gelten als wichtige Ursache für Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall. Denn das sogenannte LDL-Cholesterin kann die Gefäßwände schädigen und die Adern verstopfen. Cholesterin gehört zu den sogenanneten Lipiden. Im Körper erfüllt es wichtige Aufgaben wie den Aufbau der Zellmembranen und eine Beteiligung an vielen Stoffwechselvorgängen des Gehirns. Cholesterin ist der Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäuren zur Fettverdauung und wichtig für die Bildung von Vitamin D und Hormonen wie Östrogen, Testosteron und Cortisol.

Unterschiedliche Zielwerte für Cholesterin

Ab welcher Grenze Cholesterinwerte so hoch sind, dass sie mit Medikamenten behandelt werden müssen, ist nicht einfach zu entscheiden. Immer wieder liefert die Forschung neue Erkenntnisse, die die Grenzwerte verschieben.

Cholesterin im Blut messen

In Westdeutschland wird für die Angabe der Konzentration von Cholesterin im Blut häufig die Einheit mg/dl (Milligramm pro Deziliter) verwendet. In Ostdeutschland wird dagegen überwiegend die Einheit mmol/l (Millimol pro Liter) benutzt. Die international übliche Einheit ist das mmol/l, diese Regelung wurde in der ehemaligen DDR übernommen, die damalige BRD hat jedoch die Einheit mg/dl beibehalten. Daher sind heute in Deutschland häufig beide Angaben zu finden.

Für Cholesterin (nicht jedoch für Triglyceride oder andere Stoffe wie den Blutzucker) gilt folgende Umrechnung zwischen diesen Maßeinheiten:

  • 1 mg/dl = 0,02586 mmol/l
  • 1 mmol/l = 38,67 mg/dl

Beispiel: 236 mg/dl = 236 · 0,02586 mmol/l = 6,10 mmol/l 6,10 mmol/l = 6,10 · 38,67 mg/dl = 236 mg/dl

Für Triglyceride gelten die folgenden Umrechnungsformeln:

  • 1 mg/dl = 0,0113 mmol/l
  • 1 mmol/l = 88,57 mg/dl

Für Blutzuckerwerte gelten die folgenden Umrechnungsformeln:

  • 1 mg/dl x 0,0555 = mmol/l
  • 1 mmol/l x 18,02= mg/dl

Risikofaktoren individuell bestimmen

Ob jemand bei erhöhrtem LDL-Wert ein Statin braucht oder nicht, hängt von individuellen Risikofaktoren ab - zum Beispiel Alter, Geschlecht, Blutdruck, Körpergewicht, Lebensgewohnheiten und familiäre Vorgeschichte. Für eine realistische Einschätzung des Risikos sind umfassende Labor- und Gefäßuntersuchungen erforderlich, zum Beispiel Ultraschallaufnahmen der Hals- und Beckenschlagadern.

"Gutes" Cholesterin HDL und "schlechtes" Cholesterin LDL

Damit das wasserunlösliche Cholesterin im Blut transportiert werden kann, ist es an bestimmte Eiweißstoffe (Lipoproteine) gebunden. Es gibt zwei verschiedene Arten von Transporteiweißen:

  • Das "schlechte" Cholesterin LDL (low density lipoprotein) transportiert das Cholesterin von der Leber über die Blutgefäße zu den Organen.

  • Das "gute" Cholesterin HDL (high density lipoprotein) dient dem Rücktransport aus den Organen und Gefäßwänden zur Leber. Es wirkt vermutlich der Entwicklung schädlicher Veränderungen der Gefäßwand (Arteriosklerose) entgegen.

Einige Betroffene haben trotz hoher Cholesterinwerte gesunde Gefäße und nur ein geringes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie brauchen daher keine vorbeugende Behandlung zur Senkung der Cholesterinwerte.

Andere Betroffene weisen dagegen trotz eines nur mäßig erhöhten Cholesterinspiegels bereits massive Plaques in ihren Arterien auf und somit ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei einem hohen Risiko versuchen Ärzte, das LDL-Cholesterin auf Werte unter 70 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) zu senken. Viele Studien zeigen, dass die Senkung des LDL-Wertes das Risiko verringert, einen Infarkt zu erleiden. Daher gilt nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall: Je niedriger der LDL-Wert, umso besser. Studien zeigen, dass das Risiko bei einem LDL-Wert von 50 mg/dl noch niedriger liegt als bei 70 mg/dl.

Cholesterin nur zum Teil aus der Nahrung

Den größten Teil der täglich benötigten Cholesterinmenge stellt der Körper selbst her, vor allem in der Leber. Nur etwa ein Viertel nimmt er aus der Nahrung auf. Deshalb lässt sich allein durch eine Ernährungsumstellung nur wenig gegen zu hohe Cholesterinwerte erreichen.

Cholesterinwert mit Bewegung und Medikamenten senken

Der Cholesterinwert lässt sich in einigen Fällen durch eine Veränderung des Lebensstils, Sport und Gewichtsreduktion senken. Reichen die Maßnahmen nicht aus, werden Medikamente zur Senkung der Blutfettwerte eingesetzt. Als Nebenwirkungen der Statine können vor allem bei älteren Betroffenen Muskelschmerzen auftreten, die sich durch Einnahme von Coenzym Q10 (100 mg pro Tag) lindern lassen.

Führen Statine nicht zu einem ausreichenden Erfolg, können spezielle Antikörper (PCSK9-Senker) eingesetzt werden. Die künstlichen Antikörper werden wie Insulin unter die Haut gespritzt und fangen das in der Leber gebildete Enzym PCSK9 ab. Es spielt eine wichtige Rolle bei der LDL-Produktion. Als seltene Nebenwirkung werden Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen beobachtet.

Weitere Informationen
Butter in einer Butterglocke © Fotolia.com Foto: Jiri Hera
2 Min

Gutes oder böses Cholesterin?

Viele Lebensmittelhersteller werben für ihre Produkte mit Aufdrucken wie "cholesterinarm" oder "cholesterinfrei". Dabei ist Cholesterin nicht immer schlecht. Dr. Johannes informiert. 2 Min

Tabletten im Blister © Fotolia.com Foto: PhotoSG

Blutfettsenker fördern Diabetes: Wer muss aufpassen?

Statine senken den Cholesterinspiegel und schützen so vor Arteriosklerose, koronaren Herzerkrankungen und Schlaganfall. Doch die Nebenwirkungen können erheblich sein. mehr

Ein Reagenzglas mit einer roten Flüssigkeit wird gehalten. © colourbox Foto: Alik Mulikov

Cholesterin: Zu hohe Werte werden oft vererbt

Die familiäre Hypercholesterinämie gehört zu den häufigsten Erbkrankheiten. Durch die dauerhaft zu hohen Cholesterinwerte steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. mehr

Blutprobe in einer Hand mit Einmalhandschuh. © fotolia Foto: ShawnHempel

Cholesterin: Krank durch Lipoprotein

Zu viel Lipoprotein (a) im Blut kann die Ursache für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in jungen Jahren sein. Der erhöhte Cholesterin-Wert ist nur schwer therapierbar. mehr

Patientin hält einen Gluten-Teststreifen in der Hand © imago/MiS

Vorsicht bei Schnelltests aus der Apotheke

Schnelltests aus der Apotheke sollen etwa hohe Cholesterinwerte, Eisenmangel, Zöliakie oder Allergien erkennen. Doch nicht immer sind die Tests einfach und eindeutig. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.10.2013 | 20:15 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Eine Hand in einem Handschuh hält eine Spritze vor einer Schulter. © fotolia.com Foto: miss_mafalda

Corona: Wie sicher und wirksam sind die Impfstoffe?

Die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus stehen vor der Zulassung. Wie sicher und wirksam ist die Impfung? mehr

Eine Frau hält sich den unteren Rücken. © colourbox

Rücken-OP: So lassen sich Komplikationen vermeiden

Eine Operation an der Wirbelsäule erfordert viel Erfahrung. Was ist bei der Auswahl des Chirurgen zu beachten? mehr

Zimtsterne und Vanillekipferl in weihnachtlicher Deko. © fotolia Foto: Hetizia

Gesund backen: Industrie-Zucker und Weizenmehl ersetzen

Weihnachtsgebäck enthält oft viel Butter, Zucker und Weißmehl. Tipps fürs Backen im Advent mit gesünderen Zutaten. mehr

Ein Frau hält sich vor Schmerzen das Handgelenk. © Colourbox Foto: Motortion

Wenn Muskeln zittern: Tremor-Ursachen erkennen

Beim essenziellen Tremor sind bestimmte Bereiche des Gehirns überaktiv. Wie lässt sich die Erkrankung behandeln? mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr