Stand: 02.12.2019 10:27 Uhr

Was hilft gegen chronischen Juckreiz?

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Chronischer Juckreiz kann für Betroffene quälend sein.

Wenn die Haut länger als sechs Wochen brennt, spannt oder juckt, sprechen Ärzte von chronischem Juckreiz. Betroffene haben oft einen hohen Leidensdruck: Sie kratzen sich beispielsweise wund oder können nicht mehr richtig schlafen. Der Juckreiz macht sich zwar an der Haut bemerkbar, der Auslöser liegt jedoch oft ganz woanders im Körper. Mögliche Ursachen sind Entzündungen, Medikamente, Allergien, Erkrankungen von Leber oder Nieren, Diabetes, Tumore und neurologische Erkrankungen. In vielen Fällen wird der Grund für chronischen Juckreiz nicht oder erst sehr spät erkannt. In Deutschland leiden rund zwölf Millionen Menschen an chronischem Juckreiz.

Juckreiz.

Was hilft gegen chronischen Juckreiz?

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Chronischer Juckreiz kann die Folge einer Erkrankung von Leber oder Galle sein. Gegen die oft quälenden Beschwerden können verschiedene Therapien helfen.

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Wie Juckreiz entsteht

Die Haut kann an einzelnen Körperstellen oder am gesamten Körper jucken, wenn ...

  • bestimmte Nervenfasern durch die Botenstoffe Histamin und Serotonin erregt werden

  • mechanische Reize, Gifte oder Temperaturschwankungen zur Ausschüttung von Histamin führen

Ursachen von Juckreiz erkennen

Vor allem in der kalten Jahreszeit kann Juckreiz harmlose Ursachen haben, zum Beispiel trockene Haut. Eine genaue Beschreibung, wo und wann es juckt, kann dem Arzt helfen, die Ursache von Juckreiz herauszufinden:

  • Jucken auf dem Kopf - kann durch Unverträglichkeit auf Shampoo, trockene Kopfhaut oder Pilzbefall ausgelöst werden

  • ausschließlich nächtliches Jucken auf der Haut - tritt bei Krätze (Skabies) auf, eine durch die Grab- oder Krätzemilbe verursachte, parasitäre Hautkrankheit

  • Jucken in Leiste, Halsfalte oder Achselhöhlen - ein Hodgkin Lymphom kann die mögliche Ursache sein

  • Juckreiz nach Kontakt mit Wasser - möglichweise ist der Grund eine seltene Erkrankung der blutbildenden Zellen im Knochenmark, bei der es zu einer chronischen Vermehrung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) kommt

  • Juckreiz an oder in der Nase -dabei kann es sich um ein Ekzem handeln, in sehr seltenen Fällen ist es ein Hinweis auf einen Hirntumor

Cholestatischer Juckreiz durch Leber und Galle

Sind Erkrankungen von Leber oder Galle die Ursache, handelt es sich um den sogenannten cholestatischen Juckreiz. Dieser tritt bereits in frühen Krankheitsstadien auf und kann beispielsweise auf eine Gelbsucht (Ikterus) hinweisen.

Typisch ist eine Zunahme der Beschwerden in den frühen Abend- und Nachtstunden. Häufig tritt der Juckreiz an den Fußsohlen und an den Innenflächen der Hände auf. Er kann zu Schlafstörungen und Depressionen führen. Kratzen der Haut bringt beim cholestatischen Juckreiz oft keine Linderung, kann aber zu sogenannten sekundären Hautveränderungen wie Hautabschürfungen, kleinen Wunden, Blutungen, Krusten und Juckreizknötchen (Prurigo nodularis) führen. Und das wiederum kann erneut Juckreiz auslösen.

Bei 80 Prozent derjenigen, die an primärer biliärer Zirrhose (PBC) oder primärer sklerosierender Cholangitis (PSC) erkrankt sind, ist Juckreiz vorherrschendes Symptom. Bei chronischer Hepatitis-C-Infektion leiden fünf bis 15 Prozent der Betroffenen an chronischem Juckreiz. Relativ selten tritt Juckreiz bei chronischer Hepatitis-B-Infektion und alkoholischen Lebererkrankungen auf. 

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Chronischer Juckreiz: Welche Therapien helfen?

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Gegen die oft quälenden Beschwerden können verschiedene Therapien helfen. Der Dermatologe Prof. Stefan W. Schneider informiert über Behandlungen. Video (05:55 min)

Ursachen für cholestatischen Juckreiz

Bei gestörter Sekretion der Gallensäure sammeln sich sogenannte gallepflichtige Stoffe im Blut und im Gewebe an. Sie können zur Entstehung von Juckreiz beitragen. Auch weibliche Sexualhormone werden als Juckreiz auslösende Stoffe diskutiert. Frauen mit cholestatischen Lebererkrankungen berichten häufig über besonders starken Juckreiz. Bei Lebererkrankungen könnten körpereigene Opioide eine Rolle als Auslöser spielen.

Cholestatischen Juckreiz behandeln

Erste Wahl bei der Behandlung des cholestatischen Juckreizes ist das sogenannte Austauscherharz Colestyramin. Es sollte jeweils vor und nach dem Frühstück eingenommen werden. Allerdings muss die Einnahme mit einem zeitlichen Abstand von mindestens vier Stunden zu anderen Medikamenten erfolgen, da es deren Aufnahme im Körper stören kann. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Unwohlsein, Blähungen und Durchfälle.

Das Antibiotikum Rifampicin stellt die zweite Wahl in der Juckreizbehandlung dar. Als Nebenwirkung kann es eine zusätzliche Leberschädigung verursachen. Daher sollten bei einer Rifampicin-Therapie die Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden. Auch Opioid-Antagonisten wie Naltrexon als Tablette oder Naloxon als Infusion können zur Behandlung des chronischen Juckreizes eingsetzt werden. Die Therapie sollte mit niedriger Dosierung beginnen, an zwei Tagen pro Woche sollte die Behandlung pausieren, damit kein Gewöhnungseffekt an das Medikament eintritt.

Neuropathischen Juckreiz behandeln

Vom cholestatischen Juckreiz unterscheidet sich der sogenannte neuropathische Juckreiz. Er entsteht bei starkem Druck auf die empfindlichen Nervenfasern der Haut, wie zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall. In der Regel betrifft der neuropathische Juckreiz ein bestimmtes, klar begrenztes Hautareal. Gegen neuropathischen Juckreiz hilft das Kühlen der Haut, zum Beispiel mit mentholhaltigen Cremes und Medikamenten, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden (Anti-Epileptika wie Gabapentin oder Pregabalin). Offenbar dämpfen sie die Weiterleitung bestimmer Impulse an das Gehirn.

Antihistaminika gegen Juckreiz

Juckreiz lässt sich auch mit sogenannten Antihistaminika dämpfen:

  • Fenistil und Tavegil sind Antihistaminika der ersten Generation - sie können sehr müde machen.

  • Cetirizin ist eine wirksame und weniger müde machende Subsatz der zweiten Generation.

  • Wer durch die Antihistaminika der ersten und zweiten Generation zu müde wird, kann seinen Arzt nach einem Medikament der dritten Generation fragen, zum Beispiel Fexofenadin.

Neurodermitis mit Antikörper behandeln

Bei Neurodermitis hat sich die Gabe des Antikörpers Dupilumab bewährt.

Lichttherapie bei chronischem Juckreiz

Eine sehr wirksame und nebenwirkungsfreie Behandlungsmöglichkeit ist die Lichttherapie. Dabei handelt es sich um Anwendungen in einer speziellen Kabine mit Licht in 311 Nanometer Wellenlänge. Die Anwendungen müssen zwei bis drei Mal pro Woche erfolgen über einen Zeitraum von circa acht Wochen. Die Lichttherapie wird von den Krankenkassen nicht erstattet. Im Rahmen einer dermatologischen Rehabilitationsmaßnahme wird sie jedoch übernommen.

Alle Therapien sind nur bei gleichzeitiger rückfettender Pflege wirksam.

Tipps gegen Juckreiz

Ursache für Juckreiz sind nicht nur Erkrankungen: Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Haut reizen können. Beispielsweise nimmt die Hautfeuchtigkeit im Alter ab - die Haut wird trockener und juckt. Wer unter Juckreiz leidet, sollte diese Tipps beachten:  

  • Die Haut regelmäßig mit rückfettenden Cremes behandeln, vor allem nach dem Duschen. Wichtig ist, dass die Cremes oder Lotionen Harnstoff (Urea) enthalten, der die Haut mit Feuchtigkeit versorgt.

  • Meiden sollte man trockenes Raumklima, häufiges Duschen, langes Baden, Saunagänge oder alkoholhaltige Pflegeprodukte - sie können die Haut austrocknen.

  • Auch Stress, Aufregung, Alkohol und sehr scharfes Essen können zu Juckreiz führen.

  • Tritt der Juckreiz verstärkt nachts im Bett verstärkt auf, kann Milbenbefall die Ursache sein - gegebenenfalls die Matratze austauschen.

  • Damit die Haut nicht mechanisch gereizt wird, sollten Betroffene nicht zu eng anliegende Kleidung aus Baumwolle tragen.

  • Nachts können Baumwollhandschuhe vor dem Aufkratzen der Haut schützen.

  • Bei plötzlich auftretendem starkem Juckreiz helfen kühle, feuchte Umschläge mit Joghurt, Schwarztee oder etwas Essig. Die Haut anschließend gut eincremen.

  • Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung und autogenes Training können helfen, besser mit dem Juckreiz umzugehen.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Stefan Werner Schneider, Direktor
Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Andrologie und Venerologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
(040) 741 05 26 30
www.uke.de

Dr. Claudia Zeidler, Funktionsoberärztin der Klinik für Hautkrankheiten
Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus
Universitätsklinikum Münster
Von-Esmarch-Str. 58
48149 Münster
(0251) 835 65 01
www.juckreiz-informationen.de

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