Stand: 13.07.2018 18:32 Uhr

Ein schwer verliebter Mozart

Mozart/Mysliveček: Flötenkonzerte
von Ana de la Vega
Vorgestellt von Eva Schramm

Flötenkonzerte aus dem 18. Jahrhundert von W.A. Mozart und Josef Mysliveček hat die australische Flötistin Ana de la Vega zusammen mit dem English Chamber Orchestra aufgenommen. Seit mehreren Jahren arbeiten das Orchester und die Flötistin zusammen. Mittlerweile lebt de la Vega in Hannover. Eva Schramm hat Ana de la Vegas erstes Solo-Album beim Label Pentatone gehört und ist bei den Mozartschen Flötenkonzerte auf einen schwer verliebten Mozart gestoßen.

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Ana de la Vega Album passt perfekt zum sommerlichen Vogelgezwitscher.
Verliebt und in Eile

Eigentlich war Mozart viel zu beschäftigt, um dem Wunsch des niederländischen Arztes Ferdinand Dejean nachzukommen, Flötenquartette und Flötenkonzerte für ihn zu komponieren. Gut bezahlt war der Auftrag zwar, aber Mozart hatte in Mannheim eigentlich überhaupt keine Zeit dafür. Er hatte sich nämlich verliebt - in die Sängerin Aloysia Weber. Mannheim war für Mozart sowieso nur ein Zwischenstopp auf der Fahrt nach Paris, und die Zeit war begrenzt. Also was tun? Mozart transponierte kurzerhand ein Oboenkonzert, das er im Gepäck hatte, von C- nach D-Dur und machte mit ein paar Änderungen ein Flötenkonzert daraus, mit einem perlenden 3. Satz, der unüberhörbar an Mozarts Blondchen-Arie "Welche Wonne, welche Lust" aus der "Entführung aus dem Serail" erinnert.

Auch bei dem zweiten Flötenkonzert, das auf diesem Album zu finden ist, dem Flötenkonzert in G-Dur, griff Mozart zu hoher Wahrscheinlichkeit auf  ein bereits vorhandenes Konzert zurück - besonders der 2. Satz mit den gedämpften Streichern strahlt wohlige Wärme aus.

Podcast NDR Kultur Neue CDs © ©Rob | Fotolia | Stock.Adobe

Ana de la Vega spielt Mozart und Myslive_ek

NDR Kultur -

Die australische Flötistin Ana de la Vega hat Flötenkonzerte aus dem 18. Jahrhundert von Mozart und Myslive_ek aufgenommen.

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Ana de la Vegas samtiger Flötenton

Szenenwechsel: Ungefähr 200 Jahre später und 16.000 Kilometer entfernt hört auf einer Farm in New South Wales in Australien ein siebenjähriges Mädchen zufällig Mozarts Konzert für Harfe und Flöte. Ab diesem Moment wollte Ana de la Vega, so hieß das Mädchen, Flötistin werden und sie wurde es - studierte in Sydney und Paris.

Ihr samtiger Flötenton ist auch in hohen Lagen angenehm warm. Ana de la Vega artikuliert geschmackvoll und weich. Ihre Atemführung ist so ausgefeilt, dass gar nicht auffällt, welch lange Phrasen sie in einem Atemzug spielt. Die Läufe und Tonsprünge sitzen und wirken manchmal geradezu übermütig. Das wird besonders auch bei Myslivečeks Flötenkonzert in D-Dur deutlich, das als drittes Flötenkonzert auf dieser CD zu hören ist.

Durchsichtiges Spiel

Der Böhme Mysliveček, ein guter Freund Mozarts, war zu Lebzeiten ein äußerst erfolgreicher Opernkomponist. Seine Musik wiederzuentdecken, ist ein besonderes Anliegen von Ana de la Vega. Das English Chamber Orchestra unterstützt sie dabei mit federndem, durchsichtigem Spiel.

Ein Album, das zum sommerlichen Vogelgezwitscher draußen passt und mit seiner vitalen Interpretation klassischer Flötenkonzerte sicherlich auch den in Mannheim so verliebten Mozart beflügelt hätte.

Mozart/Mysliveček: Flötenkonzerte

Label:
Pentatone

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.07.2018 | 15:20 Uhr