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1000 Uraufführungen - FEM Nadel für Carin Levine

Dienstag, 07. Januar 2020, 21:00 bis 22:00 Uhr

Seit ihrer Kindheit kennt die amerikanische Flötistin aus Cincinnatti kein "geht nicht". Selbst wenn ihr der Wind beim Spiel in der Marching Band die Luft wegblies, sie hat nie aufgegeben. Ihre Entdeckerlust verwandelt sich in Begeisterung, wenn Carin Levine in der Musik eine Substanz spürt, die mit unserem Leben heute zu tun hat.

Prägendes Studium bei Aurèle Nicolet

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Mit dem Landesjungendensembles Neue Musik in Niedersachsen sorgt Carin Levine dafür, dass junge Leute den Kosmos der neuen Musik kennenlernen

Beim berühmten Flötisten Aurèle Nicolet in Freiburg fand sie 1974 die Impulse, die aus ihr eine besondere Musikerin gemacht haben. Ihr größtes Glück war, dass er viele berühmte Komponistenfreunde hatte, darunter: Tōru Takemitsu, Edisson Denissow und Heinz Holliger. So konnte sie ihre Philosophie in den Fokus rücken, die sie spätestens seit ihrer ersten CD-Veröffentlichung begleitet: "Flöten ohne Grenzen". Ohne Grenzen der Technik, des Alters, der Herkunft. Für Carin Levine spielt es keine Rolle, ob jemand berühmt ist oder nicht. Ihre erste Frage an ihr noch unbekannte Komponistinnen oder Komponisten lautet "Hast Du etwas für Flöte komponiert?"

Alles wird zum Tanz, wenn man ein Stück erkennt

Carin Levine sucht nach dem Soundtrack unseres Lebens, nach den Utopien und Zukunftsvisionen, die in der Musik stecken könnten. Und gibt nicht auf. Als Komponist Brian Ferneyhough ihr in Freiburg zu Beginn ihres Aufbaustudiums Cassandra's Dream Song zu spielen gab, ging ihr das Herz auf. Technische Schwierigkeiten sieht sie nicht. Wenn man die Substanz des Stückes erkennt, wird alles zu einem Tanz, einem Spiel voller Leidenschaft. Und bei Ferneyhough - so ergänzt sie, weiß man ja, dass er die Musiker an ihre Grenzen und darüber hinaus führen möchte. Sie lässt sich gern darauf ein.

Carin Levine macht Lust auf Neues

Und teilt ihr Wissen mit der ganzen Musik- und Flötenwelt: In ihrem zweibändigen Werk "Die Spieltechnik der Flöte" (Bärenreiter Verlag) gibt Carin Levine alle Geheimnisse des Flötespielens preis. "Es gibt keine Spieltechnik", sagt sie stolz, "die ich darin nicht ausführlich beschrieben habe."  An vielen Stellen macht die Flötistin Mut, das Neue und Ungewohnte einfach auszuprobieren.

Größtes Glück: Die Zusammenarbeit mit Komponisten

Das Schönste ist für Carin Levine, mit Komponisten und Komponistinnen zusammen zu arbeiten. "Es ist so ein Luxus" schwärmt sie. Sie erzählt, wie sie den sagenumwobenen, vermeintlich scheuen Komponisten Giacinto Scelsi anrief, weil sie einige Fragen zu einem Flötenstück hatte. Er lud sie spontan zu sich nach Rom ein. "Ein Geheimnis um den Komponisten zu machen ist nicht nötig", sagt sie, "Man muss die Musik so nehmen, wie sie ist, aber es ist ganz ganz wichtig, die Biographie der Komponisten zu kennen." So sollte man Scelisis Gedichte lesen und wissen, dass er häufig nach Nepal gereist ist, dass er Buddhist war und viel meditiert hat. Der Mythos steckt in der Musik und nicht in den Legenden.

Dass Carin Levine die FEM Nadel der E-Musik Gruppe des deutschen Komponistenverbandes bekam, ist für sie eine große Ehre und eine "Riesenüberraschung". Für alle, die die Szene beobachten, selbstverständlich und einfach eine ausgezeichnete Wahl!

Eine Sendung von Margarete Zander

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