Gerhard Schröder (SPD), ehemaliger Bundeskanzler. © dpa Foto: Kay Nietfeld

Schröder: Bei russischem Gas-Stopp "würde ich zurücktreten"

Stand: 25.04.2022 18:12 Uhr

Altkanzler Gerhard Schröder kann sich einen Rücktritt von seinen Posten in Russland nur für einen Fall vorstellen: Wenn der russische Präsident Wladimir Putin Deutschland und der EU das Gas abdreht.

In einem am Sonnabend veröffentlichten Interview der "New York Times" sagt der SPD-Politiker, dass er zwar nicht mit einem solchen Szenario rechne: "Das wird nicht passieren." Sollte es aber doch dazu kommen, "dann würde ich zurücktreten", fügt er hinzu, ohne explizit zu sagen, von welchen Posten.

"Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen"

Schröder erklärte sich in dem Interview erneut zur Vermittlung im Ukraine-Krieg bereit. "Ich habe immer deutsche Interessen vertreten. Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir", sagte der frühere SPD-Chef. Man müsse so schnell wie möglich zu einer Friedenslösung kommen. "Ich denke, dieser Krieg war ein Fehler, und das habe ich auch immer gesagt." Zu den Details des Gesprächs mit Putin im März äußerte sich der 78-Jährige in dem Interview nicht: "Was ich Ihnen sagen kann ist, dass Putin daran interessiert ist, den Krieg zu beenden. Aber das ist nicht so leicht. Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen."

Wird er auch Aufsichtsrat bei Gazprom?

Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energieriesen Rosneft und war zuletzt auch für die Pipeline-Gesellschaften Nord Stream und Nord Stream 2 tätig. Auch der russische Energieriese Gazprom hat Schröder Anfang Februar - kurz vor dem russischen Angriff auf die Ukraine - für einen Aufsichtsratsposten nominiert. Die Hauptversammlung ist für den 30. Juni geplant. Schröder ließ laut "New York Times" in dem Interview offen, ob er die Nominierung annehmen wird. Er steht in Deutschland massiv in der Kritik, weil er sich trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht von seinen Posten trennt. Vier SPD-Verbände haben deswegen ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder beantragt.

Schröder glaubt nicht, dass Putin Butscha angeordnet hat

Die Deutschland-Korrespondentin der US-Zeitung sprach nach eigenen Angaben zwei Mal mit dem früheren Bundeskanzler und SPD-Chef in seiner Heimatstadt Hannover. Der Altkanzler habe sich in den beiden Gesprächen vom Krieg distanziert, aber nicht von Putin, schreibt die "New York Times". Zum Massaker im Kiewer Vorort Butscha sagt Schröder: "Das muss untersucht werden." Er glaube aber nicht, dass die Befehle von Putin gekommen seien, sondern von niedrigeren Stellen, zitiert die Zeitung ihn. Es ist das erste Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs, dass der langjährige Freund Putins sich in einem Interview äußert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.04.2022 | 20:00 Uhr

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