Zerstört und verwüstet sind ein Geldautomat und die Inneneinrichtung einer Bankfiliale nach der Sprengung eines Geldautomaten in Langenhagen. © dpa-Bildfunk Foto: Holger Holleman

Rekord: Bereits 60 gesprengte Geldautomaten in Niedersachsen

Stand: 29.11.2022 17:25 Uhr

Noch nie zuvor sind in Niedersachsen so viele Geldautomaten gesprengt worden wie in diesem Jahr. Politik und Polizei wollen die Banken nun in die Pflicht nehmen, ihre Automaten besser zu schützen.

Waren es im vergangenen Jahr 55 vollendete und nicht vollendete Fälle, so wurden im laufenden Jahr bereits 60 Taten gezählt, teilte das Landeskriminalamt auf Anfrage mit. Zuerst hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) darüber berichtet.

VIDEO: Handyvideo: Die Minuten nach der Sprengung des Geldautomaten (28.10.2022) (2 Min)

Phänomen "Automatensprengungen" erst seit wenigen Jahren

Laut LKA werden die Taten erst seit 2015 erfasst. In jenem Jahr war der Wert mit 30 Taten noch halb so hoch wie heute. Zuvor habe es lediglich einzelne Sprengungen gegeben, weshalb man damals noch nicht von einem Phänomen habe sprechen können.

Polizeigewerkschaft: Druck auf Banken muss erhöht werden

Wie gegen die Täter vorgegangen werden kann, darüber gibt es verschiedene Ansichten. Niedersachsens neue Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) fordert eine Initiative der Banken. Kürzlich sagte sie, dass es diese Angriffe im Ausland fast gar nicht mehr gebe, weil die Geldautomaten präpariert seien: "Versucht jemand, den Automaten zu sprengen, verklebt das Geld und wird damit unbrauchbar." Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht das Heft des Handelns bei den Geldinstituten. Sie spricht von "paradiesischen Gegebenheiten für die Geldautomatensprenger", die nicht länger geduldet werden dürften. "Wir als DPolG Niedersachsen fordern: Der Druck auf die Banken muss jetzt unverzüglich durch entschlossene Entscheidungen der Politik deutlich erhöht werden, um die Bürger und Einsatzkräfte dieses Landes nicht länger als vermeidbar zu gefährden."

DPolG kritisiert GdP: Verfolgung mit 250 Stundenkilometern ist keine Lösung

Eine andere Polizeigewerkschaft, die GdP, hatte erst am Montag gefordert, die Polizisten und Polizistinnen mit Fortbildungen besser vorzubereiten - und auch die Polizei besser auszustatten. Die Beamten seien den Kriminellen unterlegen, etwa bei der direkten Verfolgung nach einer Tat. "Bei der Flucht der Täter beispielsweise kommen wir oft schlicht nicht hinterher." Sie führen hoch motorisierte Sportwagen, mit denen sie jeden Streifenwagen abhängen könnten. Die DPolG wiederum kritisiert das scharf: "Das Allheilmittel nun in der Forderung nach höher motorisierten Fahrzeugen für die Einsatz- und Streifendienste zu suchen, ist nicht nur viel zu kurzsichtig gedacht, sondern auch absolut realitätsfern und unpraktikabel", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. "Wer nämlich verlangt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen bei Geschwindigkeiten zwischen 250 km/h und 300 km/h die eigene Gesundheit und die der unbeteiligten Verkehrsteilnehmer zur Verfolgung flüchtiger und absolut rücksichtsloser Geldautomatensprenger aufs Spiel setzen sollten, dem fehlt schlichtweg der Bezug zur gelebten Praxis."

Niedersachsen plant Bundesratsinitiative gegen Automatensprengungen

Ab Mittwoch befassen sich die Innenminister der Länder mit der Thematik. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Justizministerin Wahlmann streben laut der HAZ zudem eine Initiative im Bundesrat an, um die Taten einzudämmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.11.2022 | 10:00 Uhr

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