Stand: 14.02.2018 20:45 Uhr

Kostenloser Nahverkehr: Städte sind skeptisch

Bahn- und Busfahren in der Stadt, kostenlos für alle. Einen entsprechenden Vorschlag hat die geschäftsführende Bundesregierung soeben der EU-Kommission unterbreitet - um so die Luft in den Innenstädten zu verbessern. Die Kommission hatte Deutschland aufgefordert, mehr zu tun, um die Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Ansonsten drohen Fahrverbote. In einem Brief an die EU heißt es, solche Gratisangebote für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sollten getestet werden. Im Gespräch sind den Angaben zufolge die Stadt Essen in Nordrhein-Westfalen sowie weitere Städte in Süddeutschland. Auch in mehreren Städten in Niedersachsen sind die Abgaswerte zu hoch. Dennoch reagieren die Kommunen eher verhalten auf den Vorschlag.

Einige Personen steigen in die U Bahn ein.

Kostenloser ÖPNV: Wie realistisch ist das?

Hallo Niedersachsen -

Die Bundesregierung liebäugelt mit kostenlosen Tickets für Busse und Bahnen, um die Luft in den Städten zu verbessern. Doch die Idee bringt auch einige Probleme mit sich.

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  • Im Rathaus von Oldenburg zeigen sich die Verantwortlichen irritiert. Erst in der vergangenen Woche seien Vertreter der Stadt zu einem Gespräch im Kanzleramt gewesen, so ein Sprecher. Im Rahmen des kleinen Diesel-Gipfels hätten die Kommunen vergünstigte ÖPNV-Jahrestickets vorgeschlagen. Dieser Vorstoß habe der Bund als "nicht vorstellbar" zurückgewiesen, so der Sprecher. Dass nun unter anderem Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) einen komplett kostenlosen Nahverkehr ins Spiel bringe, betrachte man mit Skepsis, hieß es. Auch, weil es Jahre dauern würde, ein solches Projekt umzusetzen.

  • Die Verantwortlichen der Region Hannover rechnen vor, dass allein im Großraum Hannover der Nahverkehr 230 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr benötigt. Verkehrdezernent Ulf-Birger Franz (SPD) hält es daher für unwahrscheinlich, dass der Bund diese Kosten dauerhaft übernimmt. Seinen Angaben nach nutzen bereits jetzt jährlich 220 Millionen Menschen den ÖPNV im Raum Hannover.

  • In Osnabrück organisieren die Stadtwerke den Busverkehr. Dort zeigte man von dem Vorschlag überrascht. Unter anderem sei die Finanzierung noch völlig unklar, sagte ein Sprecher. Bürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) bezeichnete die Idee als "charmant". Allerdings seien noch viele Fragen offen - neben der Finanzierungsfrage müsse auch die nach einer veränderten Infrastruktur geklärt werden, so Griesert: Man benötige dann mehr Busse und an zentralen Umsteigestellen wie beispielsweise am Neumarkt sei es zu Stoßzeiten schon jetzt sehr eng.

  • Ähnlich sieht das auch der Landrat des Landkreises Lüneburg, Manfred Nahrstedt (SPD): Die Idee sei zwar gut, seiner Ansicht nach aber nicht umsetzbar, sagte Nahrstedt NDR 1 Niedersachsen: "Das kommt mir so vor wie mit unseren Kindergärten. Den Eltern verspricht man, dass sie nicht mehr bezahlen müssen, aber die Finanzierung ist einfach nicht da. "Und ich hoffe nicht, dass wir als Landkreis auf den Kosten sitzen bleiben."

  • Auch die Stadt Hildesheim warnt davor, dass am Ende die Kommunen die Rechnung zahlen.

  • Diese Befürchtung teilen auch Verantwortliche aus dem Weserbergland: Eine Vertreterin der "Öffis - Nahverkehr Hameln-Pyrmont" bezeichnete die Pläne aus Berlin aus diesem Grund "unausgegoren".

  • Auch das niedersächsische Verkehrsministerium hat Bedenken: Derzeit reichten die vorhandenen Fahrzeuge und Mitarbeiter nicht aus, um ein kostenloses ÖPNV-Angebot zu stemmen, heißt es von dort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.02.2018 | 12:00 Uhr

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