Blick auf das Atomkraftwerk Grohnde. © picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte Foto: Julian Stratenschulte

Grüne Atomkraft? Keine Einigkeit in Niedersachsens Koalition

Stand: 03.01.2022 10:32 Uhr

Die EU-Kommission erwägt, Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufen. Niedersachsens Landesregierung vertritt dazu gegensätzliche Positionen.

Es sei absurd, Atomkraft als nachhaltige Energieform einzustufen, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Das gelte besonders vor dem Hintergrund der niedersächsischen Geschichte mit der immer noch ungelösten Endlagerung von Atommüll. "Mit einer solchen Entscheidung würde der Kurs der EU-Kommission für Nachhaltigkeit in höchstem Maße unglaubwürdig", sagte der Sozialdemokrat. Gas dagegen sei eine notwendige Übergangstechnologie.

Althusmann: Keine Ablehnung aus "ideologischen Gründen"

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann vom Koalitionspartner CDU hingegen warnte davor, "aus rein ideologischen Gründen" Engpässe bei der Energieversorgung zu riskieren. "Die Klimaschutzziele in Deutschland und Europa bis 2050 bei gleichzeitiger Energieversorgungssicherheit allein auf regenerativem Weg erreichen zu wollen, erscheint nach wie vor sehr ambitioniert", sagte Althusmann der HAZ.

Weitere Informationen

Scharfe Kritik an EU-Plan zur grünen Energie

Klimaschutzminister Habeck spricht von "Greenwashing". Mehr bei tagesschau.de. extern

Umweltminister Lies sieht Vorstoß als "Sackgasse"

Umweltminister Olaf Lies (SPD) hingegen hält den Weg, den die EU sich vorstellt, für eine Sackgasse. In Europa werde es weiter eine große Lobby für Kernenergie geben, sagte Lies dem NDR in Niedersachsen. Viele Länder setzten darauf. Deshalb gelte es zu zeigen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien der bessere Weg sei.

Atomkraftgegner: Investitionen fehlen dann beim Klimaschutz

Die Organisation "ausgestrahlt" kritisierte das Vorhaben scharf. Es sei absurd, dass Atomkraft zukünftig mit Photovoltaik-Anlagen oder Windkraft gleichgestellt werden solle. Entsprechende Pläne dienten nur dazu, "eine längst gescheiterte, gefährliche und teure Technologie weiter zu erhalten", sagte Sprecher Jochen Stay. Zudem würde jeder Euro, der aufgrund des Vorhabens der EU-Kommission nun in Atomkraft fließe, für echte Nachhaltigkeit und wirksamen Klimaschutz fehlen.

Videos
Blick aus der Ferne über ein Feld auf die zwei Kühltürme des AKW Grohnde © Screenshot
4 Min

Atomkraftwerk Grohnde endgültig abgeschaltet

Am Silvesterabend haben Atomkraftgegner das Aus für das AKW Grohnde gefeiert. Das Kraftwerk war 1985 in Betrieb gegangen. (01.01.2022) 4 Min

Widerspruch auch auf Bundesebene

Auf Bundesebene werden die Pläne ebenfalls harsch kritisiert. Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne), die auch für nukleare Sicherheit verantwortlich ist, hatte bereits im Vorfeld Widerspruch gegen die Pläne angemeldet. Eine Technologie, bei der es keine Lösung für das Entsorgen von giftigem Müll gibt, könne nicht nachhaltig sein. Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hält ebenfalls nichts davon, Investitionen in Atom- und Gaskraftwerke in bestimmten Fällen als nachhaltig einzustufen. Die Bundesregierung werde den Entwurf bewerten. Dass sie zustimme, sehe er nicht.

Weitere Informationen
Markus Ferber bei der Ankunft zum Treffen der CSU in der CSU Landesleitung in München.
6 Min

CSU-Politiker Ferber gegen Atomkraft als "grüne Energie"

Die EU will Investitionen in klimafreundliche Energieproduktion fördern - Atom- und Gaskraftwerke sollen dazugehören. Fragen an den CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber. 6 Min

Atomkraftgegner feiern am Kernkraftwerk Grohnde. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Abgeschaltet: Atomkraftwerk Grohnde endgültig vom Netz

Mehr als 100 Atomkraftgegnerinnen und -gegner haben den historischen Moment in der Silvesternacht in Grohnde gefeiert. (01.01.2022) mehr

Die Pilotkonditionierungsanlage (PKA) in Gorleben. © PubliXviewing

Gorleben: Bund der Steuerzahler kritisiert alte Atom-Anlage

Diese sei technisch veraltet und im Grunde überflüssig. Pro Jahr soll die Anlage mehr als sechs Millionen Euro kosten. (29.12.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.01.2022 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Kathrin Riggert spricht während der Pressekonferenz des niedersächsischen Corona-Krisenstabs. © NDR

Jugendliche in Niedersachsen bleiben vorerst von 2G befreit

Mit der neuen Verordnung soll sich laut Regierungssprecherin Riggert für ungeimpfte Jugendliche nichts ändern. mehr