Stand: 18.08.2020 20:58 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Dutzende Professuren an Unis im Land unbesetzt

Ein Gebäude der Universität Hannover. © Picture Alliance Foto: Silas Stein
An Niedersachsens Universitäten sind Professuren frei. (Themenbild)

In wenigen Wochen beginnt an Niedersachsens Universitäten das Wintersemester. Land und Hochschulen stellen sich aufgrund der Corona-Pandemie gegenwärtig auf eine Mischung aus Digital- und Präsenzlehre ein. Einige Einrichtungen in Hannover, Oldenburg, Göttingen und Osnabrück haben allerdings noch Dutzende unbesetzte Professuren, wie eine aktuelle Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab. Laut niedersächsischem Wissenschaftsministerium gibt es landesweit rund planmäßige 2.000 Stellen an den Universitäten in staatlicher Trägerschaft.

Ministerium kontert Kritik der Hochschulkonferenz

Laut der Landeshochschulkonferenz (LHK) sei die Unterbesetzung von Stellen an Universitäten ein flächendeckendes Problem in Niedersachsen. Das betreffe nicht nur Professuren, sondern auch den wissenschaftlichen Mittelbau. Hinzu kämen Arbeitsplätze, die über Sonder- oder Drittmittel bezahlt würden und nicht im Haushaltsplan auftauchten. Das zuständige Ministerium in Hannover hält dagegen. Zum einen ändere sich die Zahl unbesetzter Stellen durch Fluktuation oder Neuausschreibung laufend. "Zudem ist nicht jede Professur, die unbesetzt ist, eine Professur, die nicht ausgeübt wird", sagte ein Ministeriumssprecher. Es sei üblich, geeignete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vorübergehend einzusetzen. Zudem sei die Nachbesetzung von Stellen zeitintensiv.

Sanierungsstau bremst Lehre

Offenbar hängen Sanierungsstau und Nichtbesetzung von Professuren beziehungsweise wissenschaftlichen Stellen mancherorts mittelbar zusammen. Ein Sprecher der Leibniz Universität Hannover gab an, dass das Land seit 15 Jahren einen Bruchteil der für Modernisierungen und Erhalt der Substanz vorgesehenen Mittel überweise. Die Uni investiere deshalb jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag aus Geldern für Forschung und Lehre. "Diese Mittel schöpfen wir und lenken sie in den Bauetat um", sagte ein Sprecher. Ein LHK-Gutachten war im Juli zu dem Ergebnis gekommen, dass an Niedersachsens Hochschulen ein Modernisierungsstau in Höhe von 4,3 Milliarden Euro existiere.

Unis kämpfen um die klügsten Köpfe

Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg führte als Gründe eine überschaubare Verfügbarkeit von Kandidatinnen und Kandidaten an. Dies fördere zwischen den Universitäten Konkurrenzen um geeignete Bewerber. Eine Unterfinanzierung sei hier nicht gegeben, hieß es. Teilweise hieß es vonseiten der Universitäten, dass Berufungsverfahren in Gang gesetzt oder abgeschlossen seien, die Wissenschaftler ihre Stellen allerdings noch nicht angetreten hätten. Laut der dpa-Umfrage seien in Oldenburg 43 von 279 frei oder im Besetzungsverfahren. Bei der Universität Osnabrück seien zwölf von 202,5 Stellen vakant. Die Georg-August-Universität Göttingen hat bei 405 Professuren 19 unbesetzte Arbeitsplätze.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 18.08.2020 | 10:30 Uhr

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