Der Fotograf Stefan Dendorfer steht in einer Galerie, zeigt auf sein Handy und spricht mit einer Frau, die neben ihm steht. © NDR Foto: Anina Pommerenke

Wie digitalisiert man eigentlich eine Ausstellung?

Stand: 01.04.2021 10:32 Uhr

Museen und Galerien stehen seit Monaten vor großen Problemen: Die Häuser sind voll mit spannenden Ausstellungen, doch viele von ihnen sind zu. Trotzdem erlebbar werden sie durch 3D-Rundgänge, die Stefan Dendorfer erstellt.

Der Fotograf Stefan Dendorfer steht in einer Galerie und bedient Equipment, um Bilder zu digitalisieren. © NDR Foto: Anina Pommerenke
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von Anina Pommerenke

Auf einem dreibeinigen Stativ ist ein 3D-Scanner festgeschraubt: ein quadratischer, schwarzer Kasten. Auf Knopfdruck fängt er an, sich zu drehen. Geduldig läuft Stefan Dendorfer im Kreis um den Scanner herum, damit er am Ende nicht im Bild zu sehen ist. Sein Job heute: die 600 Quadratmeter große Ausstellung der Galerie "Carls Art 78" in Eckernförde Raum für Raum zu scannen und dann zu einem 3D-Rundgang zusammenzusetzen.

25 Scans für 50 Quadratmeter Ausstellung

Der Fotograf Stefan Dendorfer steht in einer Galerie und bedient Equipment, um Bilder zu digitalisieren. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Stefan Dendorfers 3D-Scanner macht in jeder Position mehrere Bilder, die dann mit einer Software zusammengefügt werden.

"In jeder Kameraposition werden mehrere Bilder gemacht", erklärt Dendorfer. "Jede Kameralinse macht dabei drei Bilder: eine Überbelichtung, eine Unterbelichtung und ein normales Bild. Diese Bilder werden mit einer Software zusammengefügt. Daraus entsteht eine Panorama-Sphäre in sehr hoher Qualität, durch die man sich im Rundgang bewegen kann."

Der Scanner misst mit Laser-Technik den gesamten Raum. Auf seinem Smartphone hat Dendorfer ein Programm, mit dem er das Ergebnis sofort überprüfen kann. Stimmt die Aufnahme, trägt er Scanner und Stativ vorsichtig weiter zum nächsten Aufnahme-Punkt. Das macht er für einen 50 Quadratmeter großen Ausstellungsraum rund 25 Mal.

Die richtige Kameraposition

Um wirklich jedes Bild am Ende gut sehen zu können, ist die richtige Kameraposition das A und O. "Ich könnte die Kamera natürlich mitten in den Raum stellen und das war's", erzählt Dendorfer. "Dann habe ich ein 3D-Modell, womit ich auch schon arbeiten kann. Aber es ist besser, jedes Objekt in einem Museum so zu sehen, wie es auch ist, also die Kamera so zu positionieren, dass ich den bestmöglichen Blickwinkel einfange."

Vor anderthalb Jahren hat Dendorfer in die Technik investiert. Mittlerweile hat er fast 200 Museen, aber auch Geschäfte und Firmen digitalisiert. Zu den Kunden gehört auch das Europäische Hansemuseum in Lübeck. Die Sonderausstellung "Störtebeker und Konsorten" ist seit einigen Monaten im Internet begehbar und hatte seither über 5.000 Zugriffe. Ähnlich wie bei Google Maps folgen die Besucher einem vorgegeben Pfad und springen von Punkt zu Punkt weiter durch die Ausstellung. Jedes Exponat, jeden Erklärungstext kann man sich genau anschauen.

Der nächste Schritt: Unterricht im 3D-Rundgang

Der Fotograf Stefan Dendorfer steht in einer Galerie und bedient Equipment, um Bilder zu digitalisieren. © NDR Foto: Anina Pommerenke
Auf seinem Smartphone hat Dendorfer ein Programm, mit dem er das Ergebnis der Scans sofort überprüfen kann.

Hansemuseums-Kommunikationschef Sören Affeldt bietet sogar Führungen durch den 3D-Rundgang an. Ihm gefällt, dass die Ausstellungen so für immer gespeichert werden, denn: "Da steckt ja viel wissenschaftliche Arbeit und auch Mühe drin, Geschichten zu erzählen und zu bilden. Ein nächster Schritt wird sein, dass man Unterrichtsangebote in den 3D-Rundgängen macht. Also dass man Schülerinnen und Schüler auffordert, die Rundgänge mit einer bestimmten Fragestellung zu erforschen."

Bei der Arbeit lauern durchaus Stolperfallen. Die Kunstwerke auf der Carlshöhe hängen teilweise von der Decke oder entfalten sich quer durch einen Raum. Für Stefan Dendorfer ist es gar nicht so einfach, das ohne Fehler einzufangen: "Die größten Stolperfallen sind verdeckte Ecken: da muss die Kamera rein, ansonsten sehe ich das im 3D-Modell. Dann ist da einfach ein Loch, das sieht nicht gut aus. Spiegelungen zu vermeiden - zum Beispiel von mir selbst auf einer Oberfläche - ist auch sehr wichtig."

Trotz Corona Inhalte sichtbar machen

Den fertigen 3D-Rundgang berechnet später über viele Stunden und mit hohem Datenvolumen eine spezielle Software. Im Nachgang lassen sich noch weitere Elemente wie Videos oder Audiostationen in die Ausstellungen einbinden. Für die Galerien und Museen - gerade jetzt in der Corona-Zeit - eine gute Möglichkeit, ihre Inhalte sichtbar zu machen. Und auch für Stefan Dendorfer hat die neue Tätigkeit einen positiven Nebeneffekt: "Ich gehe sehr oft ins Museum, so oft wie niemals zuvor."

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.04.2021 | 07:40 Uhr