Stand: 25.09.2020 12:00 Uhr

"Triple Trouble" - Paarbeziehungen auf der Bühne

von Axel Seitz

Gleich zwei Opern an einem Theaterabend. Was zunächst wie ein künstlerisches Abenteuer am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin aussieht, hat dann aber doch ganz pragmatische Gründe. Corona macht eben erfinderisch, und so präsentiert das Musiktheater einen Abend mit Gesang und Tanz unter dem Motto "Triple Trouble".

Vier Schauspieler vor vier lebensgroßen Spielkarten (zwei Damen und zwei Könige). Szene aus dem Stück "Triple Trouble" am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin © Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Szene aus "A Hand of Bridge" mit Itziar Lesaka, Karen Leiber, Paul Kroeger, Sebastian Kroggel

Eine Partie Bridge dauert circa zehn Minuten und ungefähr so lang ist auch die Oper "A Hand Of Bridge" von Samuel Barber. Zwei befreundete Paare treffen sich zum Kartenspielen. Doch für die beiden Buben und die beiden Damen - in Kreuz und Herz dominieren vier überdimensionale Karten die Bühne - ist das Spiel Nebensache. Jeder geht seinen eigenen Träumen nach.

Für den neuen Generalmusikdirektor Mark Rohde ist es der erste Opernabend in Schwerin. Er ist froh, überhaupt wieder spielen zu können, überhaupt Publikum ins Theater lassen zu können. Bei solchen "kleinen Stücken" eine farbliche Durchmischung herzustellen sei eine Herausforderung, und das mache großen Spaß mit den Musikerinnen und Musikerin.

Seltenes von Leonard Bernstein

Fünf Personen stehen mit großem Abstand vor einer bunten amerikanischen Kulisse. Szene aus dem Stück "Triple Trouble" am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin © Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Szene aus dem Stück "Trouble in Tahiti" mit Yoontaek Rhim, Paul Kroeger, Katrin Hübner, Cornelius Lewenberg und Itziar Lesaka

Inszeniert hat "Triple Trouble" Schwerins Operndirektor Toni Burkhardt: Die Situation mache erfinderisch, muss erfinderisch machen, meint er. "Und ich glaube, da haben wir jetzt eine sehr gute Zusammenstellung von spannenden Werken auf der Bühne, die wir unter Normalbedingungen wahrscheinlich nie gemacht hätten. Das macht schon wirklich Spaß. Das sind auch ein paar Entdeckungen auch für mich, die mir so noch nicht in die Hände gekommen sind." Das Publikum darf einen Leonard Bernstein entdecken, den es so oft nicht bekommt - mit der Oper "Trouble in Tahiti".

In dieser Oper steht ein Paar im Mittelpunkt, das mehr streitet als liebevoll miteinander lebt. Für Regisseur Toni Burkhardt sind beide Geschichten sehr aktuell: "Uns hat vor allem der Inhalt der Opern sehr angesprochen, weil das Thema Beziehungen, das Zwischenmenschliche ja auch ein Thema der Zeit ist. Viele waren in den vergangenen Monaten sehr auf sich, auf ihre Beziehungen zurückgeworfen. Da hat es, glaube ich, im Lockdown in der einen oder anderen Beziehung geknirscht. Auf der anderen Seite steckt die Frage von Nähe und Distanz drin, die uns in der Gesellschaft gerade sehr beschäftigt: Wie nah dürfen wir uns gerade kommen? Da haben wir schon mit den Abstandsregeln. Und dann ist es uns zumindest mit einem Paar auf der Bühne gegeben, mit der Tänzerin und dem Tänzer, die eben auch privat ein Paar sind und sich deswegen näherkommen dürfen, als wir das im Arbeitsalltag ansonsten dürfen."

Vier wackere Musiker beim Adagio

Zwei Personen vor blauem Hintergrund sitzen voneinander weg an einem Tisch. Sie halten jeweils eine Hand über dem kopf. Szene aus dem Stück "Triple Trouble" am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin © Silke Winkler Foto: Silke Winkler
Szene aus "Dancin' in Paradiese" mit Vasco Ventura und Naomi Uji

Eine Frau und Mann - wieder ein Paar - tanzen ihren Alltag. Wir sehen Sie, wie sie frühstücken, arbeiten gehen und den Abend verbringen. "Wir hatten ursprünglich ein paar Ideen, wie man diesen Abend enden lassen könnte. Eine Idee war, diesen Film 'Trouble in Tahiti', den es gar nicht gibt, den zu vertanzen. Davon sind wir dann aber wieder abgekommen. Und wir wollten diesen amerikanischen Bogen drin haben. Da war es dann naheliegend, das berühmte Adagio hineinzunehmen", erklärt Mark Rohde. Für dieses "Adagio For Strings" von Samuel Barber steht Rohde als Dirigent gerade einmal vor vier Streichern. - "Was natürlich auch sehr hart ist, weil es sind unheimliche viele Doppelgriffe. Es sind sechs B, eine auf einem Streichinstrument sehr unbequeme Tonart. Da schlagen sich unsere Musiker wirklich sehr wacker."

Mit Ballett und zwei Opernraritäten in knapp 90 Minuten beweisen die Künstlerinnen und Künstler des Mecklenburgrischen Staatstheaters, das kleine Stücke trotzdem großes Theater sind, auf das Publikum wartet ein abwechslungsreicher und intensiver Musikabend in Schwerin.

"Triple Trouble" - Paarbeziehungen auf der Bühne

Was wie ein künstlerisches Abenteuer aussieht, hat pragmatische Gründe. Corona macht erfinderisch und so präsentiert das Mecklenburgische Staatstheater einen Abend unter dem Motto "Triple Trouble".

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Mecklenburgisches Staatstheater/Großes Haus
Alter Garten 2
19055  Schwerin
Kartenverkauf:
Kartentelefon: 0385 53 00-123
Öffnungszeiten Theaterkasse: Dienstag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag: 16.00 bis 18.30 Uhr
Besonderheit:
25.09.2020, 19:30 Uhr Premiere
Anmeldung:
Coronabedingt dürfen maximal nur 170 Zuschauer in das Große Haus.
Hinweis:
Triple Trouble
Leonard Bernstein: Trouble in Tahiti (Oper in einem Akt)
Samuel Barber: A Hand of Bridge (Oper in einem Akt)
Dancin' in Paradise (Ballett)

Ein beziehungsreicher Abend mit Oper und Tanz
Inszenierung: Toni Burkhardt
mit Itziar Lesaka / Yoontaek Rhim / Katrin Hübner / Paul Kroeger / Cornelius Lewenberg / Sebastian Kroggel / Karen Leiber / Mitglieder des Ballettensembles und der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 25.09.2020 | 19:00 Uhr