Stand: 17.05.2020 07:07 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Spendenaktion für die Mehmel-Orgel in Stralsund

Derzeit laufen noch die Arbeiten für die Wiederherstellung der Mehmel-Orgel.

Zwei historische und sanierte Orgeln gibt es schon in Stralsund: die barocke Stellwagen-Orgel in der Marienkirche und die frühromantische Buchholz-Orgel in der Nikolaikirche. Schon bald soll mit der Mehmel-Orgel in der Jakobikirche die dritte hinzukommen - und die Welterbestadt Stralsund könnte eine Welt-Orgel-Stadt werden. Um die Arbeiten für die Wiederherstellung der Orgel zu unterstützen, hat die Stiftung Kulturkirche St. Jakobi-Stralsund nun eine Spendenaktion gestartet.

Verdeckt von einem großen Gerüst

Derzeit ist die Mehmel-Orgel noch halb verdeckt von einem großen Gerüst. Aber an den Seiten und im oberen Bereich glitzern sie schon, die großen metallenen Pedalpfeifen in den rekonstruierten Barock-Prospekten.

Auf den Türmen stehen große geschnitzte Holzfiguren, die in den Raum trompeten. Noch fehlen viele der mehr als 300 Pfeifen. Intonateur Markus Zeutel bringt die Orgel zum Klingen. In dem Labyrinth hinter dem Orgelprospekt testet er den Klang einer Metallpfeife. "Der Raum ist unser Klangkörper und wir müssen jetzt versuchen, die Pfeifen für diesen Klangkörper einzustellen", sagt er. "Hier sind wir in der absolut glücklichen Lage, dass der Raum wirklich sensationell ist. Ich habe in meiner ganzen beruflichen Laufbahn noch nie so einen fantastischen Raum gehabt."

Orgelkasse ist leer

Die Orgel in der Kulturkirche St. Jakobi wurde von dem Stralsunder Orgelbaumeister Friedrich Albert Mehmel im 19. Jahrhundert erbaut. Mit Beginn der Sanierung stellte sich allerdings heraus, dass zu viele Teile fehlten, um die historische Orgel zu rekonstruieren. Deshalb werden erhaltene Bauteile von Mehmel in einen Neubau integriert. Allerdings ist inzwischen die Orgelkasse leer.

Projekt ist auf der Zielgeraden

Carsten Schwarzlosen, Geschäftsführer der Stadterneuerungsgesellschaft Stralsund, die das Bauvorhaben betreut, kennt die Unwägbarkeiten bei der Sanierung historischer Bauten. Vor dem Hintergrund, dass das Projekt ein sehr knappes Budget gehabt habe, sei die Kostenentwicklung alles andere als dramatisch. Zusätzlich zu einem Startbudget von zwei Millionen Euro, die zur Hälfte vom Bund und zur anderen Hälfte von der Hansestadt gestellt worden seien, haben man etwa 400.000 Euro aus anderen Finanzierungsquellen sicherstellen können. Im Moment sehe er das Projekt auf der Zielgeraden: "Wir haben die restauratorischen Arbeiten so gut wie fertiggestellt. Die Leistungen, die jetzt noch erbracht werden, die sind im Finanzierungskonzept enthalten."

Bürger können Pfeifenpatenschaften erwerben

Einen großen Teil des Finanzloches stopfte das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege. 250.000 Euro davon waren Spenden des Bürgerkomitees "Rettet die Altstadt". 60.000 Euro will die Stiftung der Kulturkirche nun noch mit sogenannten Pfeifenpatenschaften sammeln. "Man übernimmt eine Patenschaft für einen Ton oder für ein Pfeifenfeld oder den Zimbelstern", erläutert Stiftungsvorstand Gerd Meyerhoff. Mit dem Projekt werde Stralsunder Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, sich an der Wiederherstellung der Orgel zu beteiligen. "Ich glaube, dass man angesichts der Orgelfassade allmählich auch schon einen Eindruck bekommt, was hier Großartiges entsteht."

Jeden Tag kommen jetzt neue Instrumente hinzu. Bis ein großes Orchester in dem Raum erklingt, wird es noch einige Zeit dauern. Für September ist die Orgelweihe geplant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 19.05.2020 | 19:00 Uhr

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