Stand: 10.03.2017 10:22 Uhr

"Aladin": Premiere für eine vergessene Oper

von Janek Wiechers

80 bis 100 Opern gehören zum weltweit gespielten Repertoire an den Opernhäusern und Theatern. Dass eine regelrechte Neuentdeckung dabei ist, kommt selten vor. Die Oper "Aladin" des schwedischen Komponisten Kurt Atterberg wurde gar bislang nur zwei Mal gespielt - und dann nie wieder. Die Premiere in Stockholm ist fast 80 Jahre her, ebenso wie die zweite Aufführung 1941 in Chemnitz. Erstmals seit damals ist "Aladin" nun wieder zu erleben. Am Sonnabend feiert die Wiederentdeckung am Staatstheater Braunschweig Premiere.

Nur zwei Mal wurde "Aladin" aufgeführt - vor fast 80 Jahren. Nun hat die wiederentdeckte Oper Premiere am Staatstheater Braunschweig.

Letzte Proben vor der Premiere. Dirigent Jonas Alber bespricht unten im Orchestergraben Details der Partitur mit den Musikern des Staatsorchesters. Darüber auf der Bühne geht Regisseur Andrej Woron geschäftig durch die Kulissen. Er rückt im Bühnenbild, in der Form eines goldglänzenden Sultanspalasts, hier und da noch etwas zurecht und gibt den Sängern Anweisungen.

"Musik hat manchmal sehr wagnerianische Züge"

Atterbergs Oper Aladin, jene berühmte Geschichte aus "Tausendundeiner Nacht", ist auch in Braunschweig die, die wir aus Märchenbüchern kennen: Der junge Aladin findet auf Geheiß eines Zauberers eine Öllampe. In der Lampe steckt ein Geist, der alle Wünsche erfüllt. Aladin wird reich und heiratet am Ende die schöne Tochter des Sultans.

Das Libretto von Bruno Hardt-Warden und Ignaz Michael Welleminsky biete keine großen Überraschungen, sagt Regisseur Andrej Woron. Herausragend sei vor allem die Musik Atterbergs. "Diese Musik hat manchmal sehr wagnerianische Züge", sagt Woron. "Rhythmus, manchmal Riesen-Pathetik, aber sie hat auch gleichzeitig sehr lyrische, fast melancholische Momente und musikalische Feinheiten. Das ist romantische Musik, großer symphonischer Klang. Dieses Werk ist interessant!"

Oper war in Vergessenheit geraten

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Laut Regisseur Andrej Woron hat die Oper Rhythmus, Pathetik, aber auch sehr lyrische Momente - und einen großen symphonischen Klang.

Dass ein solch hörbares Werk so lange nicht aufgeführt wurde, erstaunt. Zumal Atterbergs andere Werke, vor allem Sinfonien, immer noch auf den Spielplänen dieser Welt stehen. Seine Oper "Aladin" war in den vergangenen Jahrzehnten hingegen in Vergessenheit geraten. Woran das liegt, darüber lässt sich nur spekulieren - es mag etwas mit den Umständen zu tun haben, unter denen das Werk zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zum ersten und letzten Mal zu hören war, so Regisseur Woron. "1941 ist das geschrieben worden. Diese Zeit steht immer ein bisschen unter einer Art Zensur. Ich glaube, sie ist in eine Art von Vergessenheit geraten. So etwas muss man schon ausgraben, finden. Und für mich ist diese Oper ein solches Fundstück."

Passagen des Librettos mussten entschärft werden

Dass Atterberg wegen seiner Nähe zum Nazi-Regime durchaus umstritten ist, sei allen in der Produktion bewusst, sagt Choreograf und Szenograf Martin Stiefermann. Zum Thema der Braunschweiger Inszenierung habe man diesen Aspekt aber nicht machen wollen. Da, wo nötig, seien allerdings Passagen des Librettos entschärft worden. "Es gibt da Sachen, die man so heute auch nicht mehr auf die Bühne bringen kann", erklärt Stiefermann. "Etwa wie über Muslime, über islamischen Glauben gesprochen wird. Ich glaube, da ist man Mitte der 1940er-Jahre einfach anders mit umgegangen. Ich muss ehrlich sagen, wir hatten Mühe mit vielen Sachen. Wir haben wirklich sehr viel darüber gesprochen. Das war uns beiden sehr wichtig."

Es gab keine Aufnahmen von der Oper

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Ein Werk wiederaufzuführen, das fast 80 Jahre in der Versenkung verschwunden war - für die Opernmacher ist das alles andere als alltäglich. Zumal es außer dem Text und den Noten keinerlei Vorbilder gibt, nach denen man sich hätte richten können, so Co-Regisseur Stiefermann. "Aladin" sei absolutes Neuland. "Was für uns in der Arbeit extrem spannend war: Es gab natürlich keine Aufnahme dazu", sagt Stiefermann. "Wir haben vom Klavierauszug eine Einspielung gehabt und wir haben es erst zehn Tage vor der Premiere das erste Mal gehört! Das war wirklich sehr besonders bei dieser Arbeit. Das haben wir beide so wirklich noch nie erlebt!"

"Wir versuchen, dem Ganzen einen heutigen Touch zu geben"

Dem eigentlich unpolitischen Werk Atterbergs haben Woron und Stiefermann eine leicht heutige Note gegeben. Vor allem in der Wahl des Bühnenbilds und der Kostüme. Der glamouröse Sultanspalast trägt architektonisch Moderne und die Kleidung der Akteure, ihre militärischen Uniformen, lässt Parallelen zu aktuellen orientalischen Autokraten erahnen. "Wir machen jetzt keine hochpolitische Operninszenierung", erklärt Stiefermann. "Es ist eigentlich wichtiger, dass es um aktuellen gesellschaftlichen Kontext geht." Woron fügt hinzu: "Wir versuchen, dem Ganzen irgendwie einen heutigen Touch zu geben. Wir lassen die Besucher die Bedeutungen selbst suchen."

"Aladin": Premiere für eine vergessene Oper

Die Oper "Aladin" ist in den 1940er-Jahren entstanden und wurde weltweit nur zwei Mal aufgeführt - bislang. Am Sonnabend feiert die vergessene Oper in Braunschweig Premiere.

Datum:
Ende:
Ort:
Staatstheater Braunschweig
Am Theater
38100  Braunschweig
Telefon:
Kartentelefon: +49 (0)531 1234 567
E-Mail:
besucherservice(at)staatstheater-braunschweig.de
Preis:
16,50 bis 48,50 Euro
Kartenverkauf:
Öffnungszeiten Besucherservice:
Montag bis Samstag 10.00 bis 18.30 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 10.03.2017 | 11:20 Uhr

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