Stand: 21.01.2019 15:50 Uhr

Trauer um Karl-Heinz Wellerdiek

von Daniel Kaiser

Der Prinzipal des Hamburger Engelsaals ist tot. Karl-Heinz Wellerdiek starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am 15. Januar nach kurzer, schwerer Krankheit. Er wurde nur 59 Jahre alt.

Der Intendant des Hamburger Engelsaals Karl-Heinz Wellerdiek ist im Alter von 59 Jahren gestorben.

Wellerdiek war der perfekte Gastgeber. Er begrüßte jeden Besucher und jede Besucherin persönlich und hatte immer ein freundliches Wort, immer ein Lächeln. Er machte den Engelsaal zur guten Stube - inklusive Käseigel und Theaterteller. Intendant als Berufsbezeichnung war ihm zu wenig. "Ich bin Prinzipal", sagte er stets mit einer großen Freude an diesem altmodischen Begriff. "Ich stehe in der Tradition der alten Witwe Handje, die das Haus 1809 gegründet hat. Ein Prinzipal ist für alles zuständig. Ihm gehört der Laden, er ist für den künstlerischen Zuschnitt verantwortlich, steht an der Kasse und steht auf der Bühne. Er macht eben wirklich alles."

Ein Herz für die leichte Muse

Im Jahr 2004 hatte Wellerdiek den Engelsaal gekauft und ihn ein Jahr später als Bühne für die leichte Muse wachgeküsst. "Für Operette war Hamburg damals eine echte Diaspora. Wir sind mit dem Engelsaal in eine Nische gestoßen und die Menschen freuen sich, einfach wieder diese Melodien hören", bilanzierte er den Erfolg des Engelsaal-Projekts. Man spürte an jedem Abend, wie sehr ihm die Unterhaltung des Publikums am Herzen lag.

Der Intendant des Hamburger Engelsaals Karl-Heinz Wellerdiek. © Hamburger Engelsaal

Trauer um Karl-Heinz Wellerdiek

NDR 90,3 - Kulturjournal -

Der Prinzipal des Engelsaals starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 59 Jahren.

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Von der Tischlerbank auf die Operettenbühne

Wellerdiek wurde im ostwestfälischen Gütersloh geboren - als Spross eines bekannten Möbelunternehmers. Eine erste Ausbildung als Tischler und Kaufmann sollte ihn darauf vorbereiten, den Betrieb zu übernehmen. Doch um nicht im Schatten eines übermächtigen Vaters zu stehen, verließ er seine Heimat. Seine Mutter hatte ihn früh an Literatur und Theater herangeführt und bei seiner Oma Johannes-Heesters-Platten gehört. Wellerdiek studierte in New York, München und Hamburg Gesang und Schauspiel. Sein erstes Geld verdiente Wellerdiek als Entertainer auf Kreuzfahrtschiffen und lernte von der Pike auf, welche Art von Musik das Publikum wirklich mag.

Foxtrott-Kurs im Internet

Mitte der achtziger Jahre begann er als jüngster Hotelier Deutschlands eine Karriere mit fünf eigenen Hotels in Hamburg, die er aber zugunsten seiner Tanzschule "Tanzkult" aufgab. Bis heute findet man im Internet seine erfolgreichen Lehrvideos "Tanzen lernen Schritt für Schritt". Das von ihm konzipierte Festival "Hamburger Elbsommer" war dann der erste Schritt zum eigenen Theater. Wellerdiek sang, spielte und schrieb. Er verfasste  Bühnenlibretti, Komödien, Drehbücher und Erzählungen. Behutsam hat Wellerdiek in den vergangenen Jahren den Sounds des Engelsaals modernisiert - mit Musik von Abba oder Les Humphries.

"Kleinod der Hamburger Theaterlandschaft"

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Kultursenator Brosda ist bestürzt über Wellendieks frühen Tod.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda sagte, er sei bestürzt über den viel zu frühen Tod von Karl-Heinz Wellerdiek und in Gedanken bei dessen Mann und dem Team des Engelsaals. "Karl-Heinz Wellerdiek hat den kleinen, aber sehr feinen Engelsaal zu einem ganz besonderen Kleinod der Hamburger Theaterlandschaft gemacht. Gute Unterhaltung und musikalischer Anspruch fanden bei ihm stets zusammen und haben für unvergessliche Abende gesorgt", so Brosda. Wellerdiek war das Gesicht und die Seele des Engelsaals. Doch am Valentinskamp soll es weitergehen. An der Spitze des Theaters wird künftig Philip Lüsebrink stehen, der dem Engelsaal von Anfang an als Schauspieler und Sänger verbunden ist. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Herbert Kauschka konzipiert er gerade den neuen Spielplan.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 21.01.2019 | 19:20 Uhr

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