Ein Model trägt die Mode von Aline Celi auf dem Balkon und vor dem Vorplatz des Gutshauses in Groß Köthel. © Aline Celi

Designerin Aline Celi: Recycling-Mode gegen den Plastikwahn

Stand: 05.02.2021 12:15 Uhr

Es ist ein kreativer Kampf gegen Plastikmüll: Die Designerin Aline Celi fertigt in ihrem Atelier in der Mecklenburgischen Schweiz Mode aus PET-Flaschen.

von Beatrice Böse

Leinen, Leder, Baumwolle, Viskose, Polyester - es gibt eine Vielzahl verschiedener Stoffe und Textilen, mit denen Modeschöpfer Kleidungsstücke kreieren. Dass Mode auch aus recycelten PET-Plastikflaschen gemacht werden kann, mag für manche verblüffend klingen, ist aber schon seit einigen Jahren gängige Praxis. Eine Designerin aus Groß Köthel bei Teterow (Landkreis Rostock) in der Mecklenburgischen Schweiz will ihren Teil dazu beitragen, dass sich dieser Plastikmüll nicht irgendwo in der Umwelt ansammelt, sondern als Ressource für neue Kleidung dient.

Im Corona-Lockdown online neue Wege finden

Eigentlich hätte Aline Celi jetzt alle Hände voll zu tun. Im Frühjahr laufen die großen Modenschauen in den Metropolen Europas auf Hochtouren. Namhafte Designer und aufstrebende junge Modeschöpfer präsentieren ihre Kreationen regelmäßig in Paris, London oder Mailand. Derzeit werden die Neuheiten aber im Internet und ohne Publikum gezeigt - dieses Mal ohne Kleider von Aline Celi. Die gebürtige Brasilianerin ist vor einem Jahr in die mecklenburgische Provinz gezogen. Zusammen mit ihrem deutschen Ehemann bewohnt sie das Gutshaus in Groß Köthel. Dort arbeitet sie mit einem Partner aus ihrer Heimat Brasilien, Uan Caetano. Sie müssten sich neu orientieren, sagt Caetano: "Wir versuchen, mehr strategisch zu denken und etwas zu machen, was wir vorher nicht gemacht haben. Zum Beispiel: mehr in digitale Plattformen zu gehen und auch ein bisschen mehr zu planen, wie wir das Business in ein oder zwei Jahren vergrößern können."

Designerin Aline Celi setzt auf schlichte Eleganz und Nachhaltigkeit

Designerin Aline Celi mit Geschäftspartner Uan Caetano © NDR Foto: Beatrice Böse
In der Corona-Krise wollen Aline Celi und ihr Geschäftspartner Uan Caetano neue Wege gehen.

Designerin Aline Celi setzt auf schlichte und elegante Mode. "Einen schönen Pullover, eine Bluse oder viel mit Baumwolle, kuschelige Baumwolle. Wir machen viel mit Fake-Leder, das man auch im Frühling tragen kann, mit fröhlichen Farben, aber saisonal unabhängig." Ihre Kleider sollen die Problemzonen ihrer Kundinnen so gut wie möglich kaschieren, aber auch die Vorzüge der Figuren betonen. Neben Bio-Baumwolle und Bio-Leinen verwendet Aline Celi vor allem Fasern, die aus PET-Flaschen und anderem Plastik-Müll gewonnen werden. "Du hast dieses Plastik, und das muss bei einer bestimmten Wärme, einer bestimmten Temperatur gezogen werden. Dann kommt es in eine Maschine und dann wird die Faser, diese Spinnweben, gedreht und gedreht bis der komplette Stoff da ist." Dieser Stoff ist stabil, fließend und leicht, fühlt sich kühl auf der Haut an.

Mit Mode gegen Plastikmüll-Berge

Die Idee zur Recycling-Mode hatte die Designerin während eines Praktikums in Bangladesch bei einem spanischen Modeunternehmen. "Ich war in einem Hotel und da war ein Berg aus Müll, Kinder hatten dort gespielt und nach einer Woche lag der Berg aus Müll immer noch da", erzählt sie. "Ich habe in der Rezeption gefragt: 'Was macht dieser Müll da?' - 'Der liegt schon zwei Jahre da.' Und dann habe ich gesagt, 'okay, dann setze ich auf nachhaltig oder ich bin raus aus der Mode'." Sie habe etwas Schönes in die Welt bringen wollen, "und nicht noch mehr Müllberge wie in Bangladesch."

Der Plan: Eine Modenschau in Groß Köthel

Viele ihrer Kreationen lässt Aline Celi in Rumänien fertigen. Die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie dort haben nicht den besten Ruf. Aber die Designerin beteuert, dass ihre Arbeiterinnen gut bezahlt würden. Die Roben der Modeschöpferin tragen Schauspieler mittlerweile auf den roten Teppichen von Berlin, Aline Celi verkauft ihre Kreationen aber auch an Boutiquen. Ihr nächstes Ziel ist eine Modenschau in Groß Köthel. Dort will sie - wenn es die Bedingungen irgendwann wieder zulassen - auf einem Acker einen Laufsteg aufbauen und ihre Mode direkt vor Ort in der Mecklenburgischen Schweiz präsentieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 04.02.2021 | 19:00 Uhr

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