Eine Graffiti-Kunstwerk von Banksy © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Dennis Van Tine/Geisler-Fotopress

Was ist über den Street-Art-Künstler Banksy bekannt?

Stand: 10.06.2022 12:35 Uhr

Der Kunsthistoriker Ulrich Blanché ist Banksy-Experte. Ein Gespräch über das Mysterium Banksy zum Start einer nicht autorisierten Ausstellung mit Repliken seiner Kunst in Hamburg.

Eine Graffiti-Kunstwerk von Banksy © picture alliance / Geisler-Fotopress Foto: Dennis Van Tine/Geisler-Fotopress
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Bilder, Streetart mit kontroversen Themen, zu sehen auf Mauern und Gebäuden, überall auf der Welt, politisch und konsumkritisch - das ist die Welt des Street-Art-Künstlers Banksy. Mehrere Bücher hat der Kunsthistoriker Ulrich Blanché über ihn geschrieben. Er vermutet aus den vielen Interviews aus den 80er- und 90er-Jahren, dass Banksy ein weißer Mann unter 50 Jahren ist, der wohl rothaarig sein könnte. In den 90ern sei dieser wohl Schaumaler gewesen, habe Festival-LKWs bemalt. Erst danach sei dieser in die Anonymität verschwunden.

"Echt ist nur, was Banksy auf seiner Website und seinem Instagram authentifiziert hat"

Echt sei nur, was Banksy auf seiner Webseite oder seinem Instagram-Account authentifiziere und was er seinen Büchern als echt deklariert habe, sagt Blanché, denn Banksy habe "viele Nachahmer". Er ordnet die nicht authorisierte Wanderausstellung in Hamburg ein - und was der Graffiti-Künstler wohl darüber denken könnte. Er vermutet: Es könnte Banksy stören, dass damit Geld gemacht werde, aber wohl nicht die Art und Weise, wie seine Kunst ausgestellt werde.

Herr Blanché, was wissen wir über diese Gestalt Banksy?

Ulrich Blanché: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es ein weißer Mann unter 50 ist. Vielleicht ist es ein Mann mit roten Haaren und jemand, der irgendwann mal eine Hasenscharte hatte und im Gesicht operiert ist. Es kann aber auch sein, dass das alles nicht zutrifft.

Woher nehmen Sie diese Vermutungen?

Blanché: Ich beschäftige mich schon sehr lange mit dem Künstler, insbesondere mit dem frühen Banksy, dem Banksy, der in den späten 80er-Jahren beginnt, bis ungefähr 2005 - den finde ich am spannendsten. In der Zeit hat er viele Interviews gegeben, und in vielen Beschreibungen von Leuten, die ihn gesehen haben, kommt das übereinstimmend vor.

Das Verrätseln der eigenen Identität könnte auch ein Erfolgsrezept sein, oder?

Blanché: Ja. Wenn man rückblickend weiß, wie das entstanden ist, wirkt das sehr nach Kalkül. Es ist jemand, der in erster Linie auf der Straße erfolgreich wurde, also illegal Werke geschaffen hat. Und wenn der sein Gesicht zeigt, dann kann er nicht mehr weiter arbeiten, weil am nächsten Tag die Polizei vor der Tür steht.

Es gab auch mal einen Banksy, der eine Art Schaumaler war - das kann man sich heute gar nicht vorstellen. In den späten 90er-Jahren hat er auf Festivals LKW bemalt, als physischer Mensch, also ansprechbar. Irgendwann hat er sich auf das Illegale verlegt und ist immer mehr abgetaucht. Ab 2002/2003 war er gar nicht mehr physisch greifbar.

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Seit Mitte der 90er-Jahren sieht man diese Schablonenbilder auf Wänden an ganz unterschiedlichen Orten. Könnte es nicht auch Nachahmer geben, und man weiß gar nicht, was ein echter Banksy ist?

Blanché: Es gibt diverse Nachahmer und es gibt immer mal wieder welche, die in der Presse oder auch von anderen Leuten für echt gehalten werden. Echt ist nur, was Banksy selber auf seiner Webseite oder auf seinem Instagram-Account authentifiziert hat beziehungsweise was in seinen drei, vier Büchern als echt deklariert ist. In seinem Frühwerk gibt es ein paar Sachen, die strittig sind, aber das sind auch die besonders interessantesten. Aber alles, was in den letzten 20 Jahren entstanden ist und nicht authentifiziert wurde, kann man eigentlich vergessen, das ist von irgendjemand anderem.

Er lehnt selber den Verkauf seiner Werke ab - und trotzdem werden Banksys Werke zu irrsinnigen Preisen gehandelt. Ist er da ein Opfer seines eigenen Erfolgs?

Blanché: Es ist im Moment nicht möglich, einen Banksy über eine Galerie zu kaufen, weil er im Moment nicht von einer Galerie vertreten wird. Er war lange in einer größeren Gruppen-Galerie mit dabei, und darüber konnte man auch Banksy-Werke kaufen. Aber mit zunehmenden Erfolg wurde es immer weniger. Heute ist es tatsächlich sehr schwierig, von Banksy selbst etwas zu kaufen. Alles, was jetzt im Angebot ist, sind irgendwelche Sachen, die er irgendwann früher verkauft hat, als er noch nicht so viel Geld verdient hat. Das sind Leute, die für 50 Pfund etwas von ihm erstanden haben, und die jetzt das Glück haben, wenn Sie das für ein paar Millionen versteigern.

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Inzwischen gibt es auch eine Wanderausstellung: "The Mystery of Banksy - A Genius Mind" mit Reproduktionen seiner Streetart. Wie würde er das finden?

Blanché: Ich denke ambivalent. Es gibt verschiedene tourende Banksy-Ausstellungen, die nicht von ihm autorisiert sind. Es gibt welche, wo Siebdrucke, Gemälde und Skulpturen, die zwar nicht von Banksy ausgeführt, aber von ihm zumindest autorisiert sind. Das ist eine Ausstellung, die weitgehend ohne diese Dinge auskommt; diese Sachen hat irgendjemand einfach nachgebaut oder nachgedruckt.

"Banksy ist kein Gerhard Richter, der an der Aura des Originals hängt"

Wie er damit umgehen würde? Gemischt. Er ist kein Gerhard Richter, der unglaublich an der Aura des Originals hängt. Er sagte schon in früheren Interviews, dass er sich wünscht, dass irgendwann seine Motive schlecht auf Schulranzen gepinselt werden, oder dass seine Motive auf Demo-Plakaten von irgendjemandem gemalt werden. Er hat selber Ausstellungen in leerstehenden Läden gemacht. Ich glaube, es stört ihn, dass damit Geld gemacht wird, aber es stört ihn nicht die Art und Weise, wie das ausgestellt wird. Eine Banksy-Ausstellung kann man immer daran erkennen, dass sie keinen Eintritt kostet. Wenn man irgendwo eine Banksy-Ausstellung sieht, die 22 Euro Eintritt kostet, dann ist es keine autorisierte Banksy-Ausstellung.

Wie finden Sie denn diese Ausstellungen, insbesondere die, die gerade in Hamburg öffnet?

Blanché: Ich habe mir die Webseite angeschaut, habe mich sehr genau damit beschäftigt und wurde auch von einem Veranstalter gefragt, ob ich da mitmachen möchte. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Ich finde es als Kunsthistoriker nicht völlig uninteressant, wie andere Leute das beurteilen, die so etwas nachschaffen.

Aber für mich ist es teilweise ein bisschen seltsam zu sehen, wenn Werke nachgemalt sind. Man merkt, dass das jemand ist, der zwar technisch ein Kunstwerk nachmalen kann, aber es ist immer eine Interpretation. Derjenige lässt Sachen weg, die für ihn nicht so wichtig sind - von denen ich aber weiß, dass sie wichtig sind. Als Einstieg mag das für manche Leute funktionieren, sich näher mit dem Künstler zu beschäftigen - ich selber würde zu so einer Ausstellung nicht gehen.

Das Interview führte Mischa Kreiskott.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 03.06.2022 | 17:15 Uhr

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