Stand: 22.02.2017 11:54 Uhr  - Hamburg Journal

Das Planetarium: Hamburgs Fenster zum All

Durch die Beleuchtung erscheint das Hamburger Planetarium bei Nacht besonders imposant.

Seit Jahrhunderten fasziniert Menschen das Universum und die Frage nach ihrer Herkunft. Schon die Urvölker orientierten sich am Himmel, und worüber sich anfänglich Mythen und Legenden rankten, lehrten Wissenschaftler wie Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler das Verständnis vom heutigen Weltbild. Möglich machten den Blick zum Himmel Fernrohre, Teleskope und später Planetarien. Seit dem 30. April 1930 besitzen auch die Hamburger ihr Fenster zum All - das Planetarium im Stadtpark.

Doch der Weg bis zur Eröffnung ist ein steiniger: Allein dem Enthusiasmus des Hamburger Lehrers Hans Haage ist es zu verdanken, dass auch Hamburg ein Planetarium bekommt. Haage stattet damals Schulen mit Lehrmodellen für die Astronomie aus. Er hat 1924 an der Eröffnung des ersten Zeiss-Planetariums in Jena teilgenommen und versucht fortan, die Hamburger Behörden für den Bau eines Planetariums zu begeistern.

Altbau statt Neubau

Der Neubau eines Planetariums ist der Stadt allerdings zu teuer. So geht man auf die Suche nach einem geeigneten Bauwerk und findet es 1929 im Wasserturm des Stadtparks in Winterhude. Die Parkplaner hatten 1912 für den Wasserturm einen repräsentativen Standort ausgewählt: Er steht als Blickfang am höchsten Punkt der Anlage. Neben seiner Funktion als Wasserturm ist der Bau auch als Aussichtspunkt gedacht.

Vom Versorgungsturm zur Planetenmaschine

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Das Planetarium ist im denkmalgeschützten Bau eines ehemaligen Wasserturms untergebracht.

Charakteristisch für die Bauweise ist die Verbindung von Tradition und Moderne. Der Backsteinbau von Oskar Menzel im Stil der Reformarchitektur verzichtet weitgehend auf dekorative Elemente. Der traditionellen wilhelminischen Bauweise entsprechen Kuppeldach, Kolossalbogen und die kaskadenartige Brunnenanlage. Die Monumentalität des Baus ergibt sich allein aus der Größe: Der Turm hat eine Höhe von 65 Metern, und seine Vorderfront misst 29 Meter Breite.

Schwieriger Umbau - erfolgreicher Start

1929 beginnen die Umbauarbeiten zum Planetarium. Es entsteht ein 23 Meter hoher zylindrischer Raum mit 22 Metern Durchmesser. Durch eine Zwischendecke gewinnt der Bau zwei Etagen hinzu - den oberen Teil für das Planetarium und die untere Etage für eine Wandelhalle, Kassenraum sowie Ausstellung- und Veranstaltungsräume. Nach einem Jahr Umbauzeit und Kosten von 257.750 Reichsmark kann das Planetarium am 30. April 1930 seinen Betrieb aufnehmen.

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Der Sternensaal im Hamburger Planetarium mit dem ersten Projektor Zeiss II um 1930.

Ein Jahr später titelt das "Hamburger Abendblatt": "Die erste Bilanz des Planetariums: 108.511 Hamburger sehen zu den Sternen empor." Im Vergleich mit anderen Planetarien in Deutschland ist dies ein sensationeller Erfolg, und auch in der Folgezeit blickt die Stadt mit Stolz auf die Besucherzahlen: Rund 3.000 Menschen besuchen im Schnitt monatlich Veranstaltungen wie "Der Himmel der Heimat" oder "Die Wunder und Geheimnisse des gestirnten Himmels". Eine weitere Attraktion ist die Aby-Warburg-Bibliothek mit Exponaten zum Thema Sternglaube und Sternkunde.

Oberschulbehörde als Dienstherr

In den Anfangsjahren untersteht das Planetarium der Verwaltung der Oberschulbehörde. Die Leitung obliegt deshalb einem Oberstudienrat. 1934 löst Johannes Meyer den ersten Verantwortlichen Dr. Körner ab und bleibt bis 1964 im Amt. Er lenkt die Geschicke trotz Krieg und Nachkriegsjahren erfolgreich. Im Krieg bleibt das Planetarium nahezu unbeschädigt, dient allerdings als Unterkunft für Soldaten. Darüber hinaus werden Piloten und Nautiker mithilfe der Sternenvorführungen ausgebildet.

"Die Hantel" - Das Wunder von Jena

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Die drei Meter lange "Hantel", das Zeis-Modell II.

Ohne die entsprechende Technik ist ein Planetarium undenkbar. 1923 entwickelt der Konstruktionsingenieur Walther Bauersfeld erstmals einen Projektor samt Kuppel, schon ein Jahr später kommt mit der sogenannten "Hantel" der Firma "Carl Zeiss" ein weiter verbessertes Modell auf den Markt. Mit Hilfe zweier Projektorenkugeln können nun 8.900 Sterne sichtbar gemacht werden. Durch Bewegung wird der Lichtbilderapparat zur "Raum-Zeit-Maschine". 25 Modelle liefert Zeiss aus, unter anderem auch nach Hamburg.

Programme als Publikumsmagnet

Doch Technik allein lockt ab den 1970er-Jahren immer weniger Besucher ins Planetarium. Die Betreiber müssen sich auf neue Inhalte besinnen: das Erzählen von Geschichten. Zugute kommt dem Planetarium dabei, dass es sich in den 70er-Jahren von behördlichen Zwängen löst und selbstständig wird. Der damals erste hauptamtliche Leiter Erich Übelacker wird vielen norddeutschen Sternenfreunden durch seine "Sternenhimmel"-Sendung im NDR Fernsehen bekannt. Er stellt mehr Mitarbeiter ein und entwickelt neue Programme, in der Folge verdreifachen sich die Besucherzahlen.

Weitere technische Neuerungen machen es ab den 1980er-Jahren möglich, Raumflüge um die Erde zu simulieren. Damit beginnt eine neue Epoche im Planetarium: das Weltraumzeitalter.

Aufbruch in neue Dimensionen

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Von 253 bequemen Sesseln aus können Zuschauer die Projektionen an der Kuppel des Planetariums verfolgen.

Anfang des 21. Jahrhunderts löst Thomas Kraupe Übelacker als Leiter der Planetariums ab, 2002 wird das Gebäude komplett umgebaut. Dafür wird der Wasserturm komplett entkernt, es entstehen eine neue Kuppel sowie Tagungs- und Ausstellungsräume. Nach einem erneuten Umbau von 2015 bis 2017 ist das Planetarium heute ein technisch hochmodernes Sternentheater, das seine Besucher auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Erlebnisreisen durch den Kosmos schickt. Zehn Millionen Euro hat der erneute Umbau samt Flächenerweiterung gekostet, es entstand eine großzügiger Eingangsbereich, ein Bistro mit Außenbereich und ein modernisierter Sternensaal mit neuen Projektoren und Lichtanlagen. Das Planetarium bietet mittlerweile eine Vielzahl von Veranstaltungen an. Neben Lasershows und weiteren Produktionen speziell für die Sternenkuppel stehen unter anderem Lesungen und Konzerte auf dem Programm.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.02.2017 | 19:30 Uhr

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