Stand: 14.03.2016 17:20 Uhr

Von Hannover aus in die Welt

von Thomas Hans

Am 8. März vor 60 Jahren ist erstmals in Hannover ein Bulli vom Band gerollt. Inzwischen sind in dem Werk im Stadtteil Stöcken insgesamt rund 9,5 Millionen Fahrzeuge aus der T-Reihe produziert worden. Das Historische Museum Hannover widmet sich dieser automobilen Erfolgsgeschichte mit einer neuen Sonderausstellung. Sie ist ab Mittwoch geöffnet und trägt den Titel: "Die Bullibauer - 60 Jahre Volkswagen-Transporter aus Hannover".

Video-Interviews mit Zeitzeugen

Im Mittelpunkt der Ausstellung sollen nach dem Willen der Verantwortlichen die Mitarbeiter stehen. Zeitzeugen berichten in Video-Interviews vom Beginn des Transporter-Baus in Hannover. Insgesamt haben mehr als 20 ehemalige Mitarbeiter im Vorfeld der Ausstellung mitgewirkt. Bullibau sei manchmal auch Familiensache, sagt der Vorstandsvorsitzende von VW Nutzfahrzeuge (VWN), Eckhard Scholz. So gebe es mehrere Familien im Werk, in denen das Bulli-Bauer-Gen quasi verebt wird. "Der Großvater hat das Werk damals mitgebaut", sagt Scholz. Die Urenkelin lerne jetzt bei VWN Mechatronikerin. Die Ausstellung schlägt eine Brücke von den Zeitzeugen zur heutigen Belegschaft. Auszubildende von VWN zeigen mehrmals wöchentlich an Mitmach- und Vorführstationen, wie die aktuellen Produktionsabläufe im Detail aussehen. Die Besucher können sich an Infotafeln unter anderem Fotos von den Anfängen anschauen. Highlight der Ausstellung sind aber mehrere restaurierte und hochglanzpolierte Oldtimer aus der werkseigenen Bulli-Sammlung.

"Lebendige Industriegeschichte made in Hannover"

Als der Bulli 1956 an die Leine kam, sei Industriegeschichte geschrieben worden, sagt VWN-Vorstandsvorsitzender Eckhard Scholz. Der Transporter sei damals ein völlig neuer Fahrzeugtyp gewesen. Der Bulli ermöglichte den mobilen Dienst am Kunden. Brot, Bier und Fernsehgeräte konnten direkt zum Kunden geliefert werden. 1950 wurde der Transporter zunächst nur in Wolfsburg gebaut. Nach gerade einmal vier Jahren war dort aber schon die Kapazitätsgrenze erreicht. 80 Fahrzeuge wurden in Wolfsburg neben dem Käfer-Modell pro Tag produziert, 330 wären nötig gewesen. Der Transporter sollte deshalb nach dem Willen von WV ein eigenes Werk bekommen. 200 Städte und Gemeinden bewarben sich als Standort. Am Ende bekam die Landeshauptstadt mit der rund 1,1 Millionen Quadratmeter großen Fläche im Norden der Stadt den Zuschlag. Nach nur einem Jahr Bauzeit konnte dann in Hannover die Bulli-Produktion beginnen.

"VWN ist für Hannover ein Glücksfall"

Die Stadt feiere 2016 ihr 775-jähriges Bestehen, das passe mit dem Werksjubiläum bei VWN gut zusammen, sagt Hannover Oberbürgermeister Stefan Schostok. Er ist sich sicher: Die Ausstellung wird viele Besucher anlocken. Es gebe schließlich eine große Bulli-Fanszene, so Schostok. Der Transporter sei Kult. Dass VW vor 60 Jahren nach Hannover gekommen ist, sei ein Glücksfall für die Landeshauptstadt gewesen. Schließlich hänge daran bis heute auch die gesamte Zulieferer-Industrie und die Wissenschaft. Museumsleiter Thomas Schwark ergänzt: VW in Stöcken gehöre zur Stadt- und Sozialgeschichte mit dazu. Um das Werk hätten sich im Laufe der Jahre Vereine und Kirchen angesiedelt. VWN wirke aber auch über Hannover hinaus. So habe das angrenzende Garbsen ebenfalls immer von dem VW-Werk in Stöcken profitiert, sagt Schwark.

Gut gefüllte Auftragsbücher

Info & Öffnungszeiten

Jubiläums-Ausstellung "Die Bulli-Bauer"

Historisches Museum, Pferdestraße 6, 30159 Hannover

09.03.2016 - 26.06.2016
Dienstag: 10:00 - 19:00 Uhr
Mittwoch bis Freitag: 10:00 - 17:00 Uhr
Samstag + Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Karfreitag und 1. Mai geschlossen

Der Transporter galt früher als "Lastesel des Wirtschaftswunders". Seine Erfolgsgeschichte hält an. In Stöcken wird inzwischen die sechste Generation ("T6") des Bullis produziert. VWN in Stöcken ist nach eigenen Angaben mit rund 14.500 Arbeitsplätzen der größte industrielle Arbeitgeber in Hannover - und mit 750 Auszubildenden auch der größte Ausbildungsbetrieb in der Region Hannover. Eckhard Scholz blickt optimistisch in die Zukunft. Die Auftragsbücher für den T6 seien gut gefüllt. "Wir werden alles dafür tun, auch in den kommenden 60 Jahren Transporter in Hannover zu bauen", sagt Scholz. Der VW-Bus gehöre zu Hannover wie der Leibniz-Keks, der Pelikan-Füller und der Conti-Reifen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.03.2016 | 18:00 Uhr

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