Stand: 05.04.2016 14:12 Uhr  - Mein Nachmittag  | Archiv

Ostfriesland-Quartett für Radler

"Seeräuber und Häuptlinge" - die rote Tour

Emden, Norden, Aurich: Gleich drei große Städte liegen an dieser 195 Kilometer langen Strecke durch den Nordwesten Ostfrieslands. Der Name der Runde mit Start und Ziel in Emden erinnert an die frühe Geschichte der Region, als Piratenüberfälle und kriegerische Auseinandersetzungen fast zum Alltag gehörten. Häuptlinge nannten sich ab Mitte des 14. Jahrhunderts wohlhabende und einflussreiche Bürger, die Anführer ihres Dorfes oder Landstrichs waren. Manchen gelang es, ihre Häuser mit Gräben und Mauern zu Burgen auszubauen.

Von Emden nach Greetsiel (43 Kilometer)

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Die Orgel in Rysum stammt aus dem Jahr 1457 und ist die älteste spielbare Orgel Nordeuropas.

Emden ist die Stadt der Museen. Nicht nur die berühmte Kunsthalle, die "Stern"-Gründer Henri Nannen einst gestiftet hat, ist ein Muss für Kulturliebhaber. Das Ostfriesische Landesmuseum und der Museumshafen stimmen perfekt auf die Reise durch die Vergangenheit der Küstenregion ein. Die mit einem rot-weißen Kompass-Stern markierte Tour verlässt Emden in Richtung Westen und führt an die Küste des Dollart in den kleinen Ort Rysum. Seine Kirche ist für ihre mehr als 500 Jahre alte Orgel bekannt. Wer sich für technische Denkmäler interessiert, sollte nicht verpassen, die dreistöckige Galerieholländer-Windmühle zu besichtigen. Im rund zehn Kilometer entfernten Groothusen stoßen Radler auf die erste noch erhaltene Häuptlingsburg an der Strecke.

Die Tour im Überblick

Länge: 195 Kilometer
Start und Ziel: Emden
Orte an der Strecke:
Greetsiel, Dornum, Aurich, Suurhusen
Markierung: rot-weißer Kompass-Stern

Kurz vor dem Etappenziel Greetsiel geht es bei Pilsum an den Deich - vorbei an dem gelb-rot gestreiften Leuchtturm, den viele von typischen Ostfriesland-Fotos kennen. Wenig später ist Greetsiel erreicht, das alte Fischerdorf mit seinen beiden Windmühlen. Die zahlreichen Krabbenkutter und Segelboote im 600 Jahre alten Hafen sorgen für reichlich maritime Atmosphäre.

 

Von Greetsiel nach Dornum (64 Kilometer)

In Marienhafe steht ein Störtebeker-Denkmal. Der legendäre Seeräuber soll dort einige Jahre gelebt haben.

Dieser Abschnitt gehört zu den längsten der Ostfrieslandtouren. Von Greetsiel geht es zunächst ins Binnenland nach Marienhafe. Im wuchtigen Turm der St.-Marien-Kirche soll von 1396 bis 1400 der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker gelebt haben. Die Kirche selbst stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehört wie die fünf Mühlen in der Gemeinde zu den Sehenswürdigkeiten des sogenannten Störtebekerlands. Die Route führt weiter nach Norden, der ältesten Stadt Ostfrieslands mit einem der größten Marktplätze in Deutschland, und dann wieder an die Nordseeküste.

Direkt am Deich entlang fahren Radler über den kleinen Fährhafen Neßmersiel nach Dornum, dem damaligen Sitz zweier Häuptlingsfamilien. Dort gab es einst drei Burgen, von denen heute das Wasserschloss, die "Norderburg", nach umfangreicher Sanierung einen Besuch lohnt. In Dornum steht außerdem die einzige erhaltene Synagoge Ostfrieslands. Nach ihrer Zerstörung 1938 wurde sie 1990/91 restauriert und dient heute als Gedenkstätte.

Von Dornum nach Aurich (41 Kilometer)

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Das renovierte Wasserschloss in Dornum gehört heute dem Land und wird als Schule genutzt.

Auf der Etappe nach Aurich entfernt sich der Weg immer weiter von der Küste. Etwa auf halber Strecke empfiehlt sich ein Abstecher zum Ewigen Meer, dem größten Hochmoorsee Deutschlands. Er steht seit 1939 unter Naturschutz. Auf der Nordseite vermittelt ein 1,8 Kilometer langer Lehrpfad viel Informatives über Moore, ihre Entstehung und Nutzung. Wenig später sehen Radler schon von weitem die Mühle in Berumerfehn mit ihren jeweils neun Meter langen Flügeln und einer Firsthöhe von gut 20 Metern.

Die Geschichte Aurichs ist eng mit den jeweiligen Häuptlingen verbunden. Kämpfe, Zerstörung und Aufbau wechselten sich ab. So stammen viele der heute noch existierenden Bauten erst aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Im Zentrum, rund um den Marktplatz, kann man den Tag in einem der zahlreichen Cafés ausklingen lassen.

Von Aurich nach Emden (47 Kilometer)

Wenige Kilometer südwestlich von Aurich führt die Tour zum Upstalsboom, einem traditionellen Versammlungsplatz (Thingstätte) friesischer Stämme. Dort gefundene Urnen stammen aus der Bronze- und Eisenzeit. Heute erinnert eine Pyramide aus groben Feldsteinen an die uralten Riten. Ein weiteres Kulturdenkmal findet sich einige Kilometer weiter in einem Waldstück bei Ihlow: die Klosterstätte "Stille Räume Ihlow". Im 13. Jahrhundert stand dort eine stattliche Klosterkirche - die größte zwischen Bremen und Groningen. Heute bildet eine sogenannte Imagination, ein 45 Meter hohes Skelett aus Holz und Stahlträgern, den Altarraum und das Querhaus der Kirche in Originalgröße nach.

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Der Kirchturm von Suurhusen neigt sich mehr als fünf Grad aus der Senkrechten.

Nächster Orientierungspunkt auf dem Weg nach Emden ist das Große Meer, Ostfrieslands größtes Binnengewässer. Der südliche Teil nahe des Radwegs ist allerdings als Naturschutzgebiet ausgewiesen und daher nicht zugänglich. Wenig später verblüfft die Kirche in dem kleinen Ort Suurhusen. Ihr Turm steht bedenklich schief - angeblich schiefer als der weltberühmte in Pisa.Nach insgesamt 47 Kilometern endet die Etappe und damit die gesamte Rundtour wieder in Emden.

Karte: Ostfrieslandtour "Seeräuber und Häuptlinge"

 

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 25.10.2013 | 16:10 Uhr

Landpartie-Radtour durch Ostfriesland

Die 73 Kilometer lange Rundtour führt an der Küste entlang und durchs Hinterland. Start- und Zielpunkt ist Norden. Wer die Tour nachfahren möchte, kann sich die GPS-Daten herunterladen. mehr