Stand: 06.01.2018 09:00 Uhr  | Archiv

Bunker-Tour: Abstieg in Hamburgs Unterwelt

Leere Sitzreihen prägen das Bild im Tiefbunker unter dem Hauptbahnhof in Hamburg. © dpa Foto: Fabian Bimmer
In engen Sitzreihen finden die Menschen in dem Tiefbunker Platz. Im Zweiten Welltkrieg waren es bis zu 6.000.

Hamburgs Unterwelt beginnt direkt am Hauptbahnhof: Dort, am Steintorwall, befindet sich der größte Tiefbunker der Hansestadt. Erbaut wurde die Anlage, die sich auf drei Stockwerke und bis in knapp 13 Meter Tiefe ausdehnt, während des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1941 bis 1944. Der Bunker sollte neben der Hamburger Zivilbevölkerung vor allem Durchreisenden Schutz bieten. Ausgelegt war die Anlage für knapp 2.500 Menschen, während der Luftangriffe hielten sich aber bis zu 6.000 Schutzsuchende dort auf. Bis zu 3,75 Meter dicke Wände schützten die Menschen vor den Bomben, ein eigener Tiefbrunnen versorgte sie mit Wasser aus 160 Metern Tiefe.

Umbau zum Atombunker

Schwere Metalltore im Bunker Steintorwall unter dem Hamburger Hauptbahnhof © NDR/Jochen Lambernd Foto: Jochen Lambernd
Die schweren Metalltore des Bunkers sind Drucktüren und lassen sich nicht einfach per Hand öffnen.

Nach dem Krieg geriet die Bunkeranlage zunächst in Vergessenheit. Doch mit dem Kalten Krieg sah man wieder eine Notwendigkeit für den Schutzraum - diesmal als Atombunker. Ab 1965 wurde die Anlage wieder hergerichtet und mit modernen Filter- und Versorgungsanlagen ausgestattet. Seit 1969 bietet der Bunker Schutzplätze für 2.700 Menschen. Zur Einrichtung gehören unter anderem 900 Liegen und 1.800 Sitze, die jeweils mit Gurten ausgestattet sind, um Verletzungen bei Erschütterungen zu verhindern. Noch heute ist der Tiefbunker als Schutzraum für Katastrophenfälle vorgesehen. Heute wie damals befindet sich der Eingang direkt am Steintorwall.

Auf Tour ins Innere des Bunkers

Eng nebeneinander stehende Etagen-Notbetten im Bunker Steintorwall unter dem Hamburger Hauptbahnhof © NDR/Jochen Lambernd Foto: Jochen Lambernd
Der Bunker ist so ausgelegt, dass die Schutzsuchenden bis zu 14 Tage in ihm ausharren könnten.

Auf speziellen Touren des Vereins Hamburger Unterwelten können Besucher den Bunker besichtigen. Die Führungen finden zwei Mal monatlich statt und dauern etwa 100 Minuten (Eintritt: Erwachsene, 8 Euro ermäßigt 6 Euro). Eine Anmeldung ist erforderlich und ausschließlich online über die Website des Vereins möglich.

Neben den Touren durch den Tiefbunker am Steintorwall bietet der Verein weitere Führungen durch unterirdische Denkmäler der Hansestadt an, darunter etwa durch den Schellfischtunnel in Altona oder einen ehemaligen U-Boot-Bunker in Wedel. Ein weiterer Tiefbunker am Hachmannplatz, ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs, bietet bis heute theoretisch rund 1.500 Menschen Platz, steht aber nicht zur Besichtigung offen.

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Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 06.01.2018 | 18:00 Uhr

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