Sendedatum: 17.09.2013 20:15 Uhr  - Visite  | Archiv

Herzinfarkt-Risiko: Tests geben Aufschluss

Treten bei körperlicher Anstrengung Druck- und Engegefühl in der Brust auf, kann das ein Hinweis auf eine Verengung der Herzkranzgefäße sein, die zu einem Herzinfarkt führen kann. Deshalb sollten Betroffene unbedingt ihr Herz beim Kardiologen untersuchen lassen.

Belastungs-EKG gibt Aufschluss

Um festzustellen, ob das Herz noch ausreichend durchblutet wird, werden Laborwerte bestimmt sowie ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG geschrieben. Zeigen sich dabei Hinweise auf eine Durchblutungsstörung, folgen weitere diagnostische Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen in Ruhe (Herzecho) und unter Belastung (Stress-Echokardiographie).

Dabei macht der Arzt zunächst Aufnahmen der linken Herzkammer in Ruhelage und beobachtet, wie sich die Herzwände bewegen. Dann muss der Patient sich auf einem Ergometer körperlich belasten, um das Herz unter Stress zu setzen. Das Herz beginnt schnell und kräftig zu schlagen und verbraucht dabei viel Sauerstoff. Nun kann der Kardiologe erkennen, ob die Pumpbewegung der Herzwände auch unter Belastung gut funktioniert.

Ist dabei eine deutliche Minderdurchblutung von Muskelanteilen zu sehen, werden die dafür verantwortlichen Engstellen entweder im Katheterlabor aufgedehnt und Gefäßstützen (Stents) eingesetzt, oder, wenn die verengten Gefäßabschnitte dafür zu lang sind, mit einem Bypass überbrückt.

Wann wird ein Stress-MRT durchgeführt?

Ist eine Stress-Echokardiographie aufgrund der körperlichen Anstrengung nicht möglich oder aus anderen Gründen nicht aussagekräftig genug, kann eine Untersuchung im Kernspintomographen, ein sogenanntes Stress-MRT, durchgeführt werden. Dabei muss der Patient für rund eine Stunde in die Röhre, angeschlossen an ein EKG.

Nach ersten Aufnahmen des Herzens in Ruhe, spritzt der Arzt ein Medikament, das das Herz künstlich unter Stress setzt und kräftiger pumpen lässt, sowie ein Kontrastmittel, um die Durchblutung der Herzmuskulatur beurteilen zu können. So erkennen die Mediziner, ob eine Engstelle tatsächlich zu einer Minderdurchblutung führt oder nicht.

Myokardszintigraphie arbeitet mit radioaktivem Kontrastmittel

Eine weitere Methode, die Aufschluss über die Funktion und den Zustand des Herzmuskels gibt, ist die Myokardszintigraphie. Bei dieser schon lange eingesetzten, aber immer weiter verfeinerten Methode, bekommt der Patient ein radioaktives Kontrastmittel gespritzt, dessen Verteilung im Herzmuskel mit einer sogenannten Gammakamera aufgezeichnet wird. Diese Methode zeigt auch, ob der Herzmuskel nach einem früheren Herzinfarkt noch richtig funktioniert oder ob er durch Narbengewebe ersetzt und geschwächt wurde.

Herzkatheter-Untersuchungen können vermieden werden

Die bildgebenden Verfahren können unnötige Herzkatheter-Untersuchungen vermeiden, indem sie im Vorfeld zuverlässig abklären, ob eine Durchblutungsstörung vorliegt, die das Infarktrisiko erhöht. Denn Studien haben gezeigt, dass das Blut nicht selten ungehindert durch Engstellen hindurch fließen kann und somit gar kein erhöhtes Risiko besteht. Nur wenn Verengungen der Herzkranzgefäße die Blutversorgung des Herzmuskels beeinträchtigen, ist das Risiko des drohenden Infarkts höher als das der Herzkatheter-Untersuchung oder der Bypass-Operation.

Allerdings gibt es auch kleine, scheinbar harmlose Verengungen, die nicht zur Minderdurchblutung führen, aber aus Plaques bestehen, die durchbrechen und dann Thrombosen verursachen können. Bisher gibt es keine Untersuchungstechnik, die solche gefährlichen Plaques identifiziert. Deshalb sollte man bei vorliegenden Plaques allgemein das Infarktrisiko minimieren, also auf die Ernährung achten, Sport treiben und nicht rauchen.

Interviewpartner:

Im Studio:
Prof. Dr. Norbert Frey
Direktor der Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schittenhelmstraße 12
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 14 40
Fax: (0431) 597 14 70

Im Beitrag:
Dr. Mark Lüdde
Oberarzt Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Schittenhelmstraße 12
24105 Kiel
Tel. (0431) 597 14 40
Fax: (0431) 597 14 70

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