Zeitumstellung: Jetzt gilt wieder die Winterzeit

Stand: 30.10.2022 03:00 Uhr

Der Sommer 2022 ist nun auch auf der Uhr vorbei: In der Nacht zum Sonntag endete die Sommerzeit, um 3 Uhr wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Die Zeitumstellung soll eigentlich abgeschafft werden.

Nach der Umstellung wird es morgens früher hell, abends früher dunkel. Verkehrsexperten warnen vor damit verbundenen Risiken. Da die Abenddämmerung plötzlich bereits am Spätnachmittag beginnt, steige die Unfallgefahr. Autofahrer sollten besonders vorsichtig sein und frühzeitig die Beleuchtung einschalten. Die Gefahr von Wildunfällen sei auf Strecken in oder an Wäldern größer, weil der Berufsverkehr nun in der Dämmerung unterwegs ist.

Negative Auswirkungen auf den Biorhythmus

In der Bevölkerung ist die Zeitumstellung unbeliebt. Rund 80 Prozent der Bundesbürger halten sie für sinnlos und plädieren für die Abschaffung. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Biorhythmus der Menschen sind mit einem Mini-Jetlag vergleichbar, wie er sich bei einer Flugreise durch mehrere Zeitzonen einstellt.

Körper muss sich an Zeitumstellung anpassen

Nach Einschätzung von Medizinern dauert es etwa acht bis 14 Tage, bis sich der Körper vollständig angepasst hat. Danach nimmt die Zahl verschiedener Beschwerden nach der Zeitumstellung zu. Meist verkraftet der Organismus die Umstellung im Herbst besser als im Frühjahr, wenn eine Stunde Schlaf fehlt. Vor allem Frauen können abends schlechter einschlafen, schlechter durchschlafen oder haben morgens Probleme beim Aufstehen.

Zeitumstellung kompakt

Beginn Sommerzeit: letzter Sonntag im März (2023: 26. März)
Die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt, von 2 Uhr auf 3 Uhr.
Ende Sommerzeit: letzter Sonntag im Oktober (2023: 29. Oktober)
Die Uhren werden um eine Stunde zurückgestellt, von 3 Uhr auf 2 Uhr.

EU hat Abschaffung der Zeitumstellung beschlossen

2018 hatte die EU-Kommission nach einer Online-Umfrage angekündigt, den Zeitwechsel abschaffen zu wollen. 84 Prozent der Befragten hatten dafür votiert. Allerdings nahmen nur rund 4,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger teil, darunter drei Millionen Deutsche - die meisten votierten für eine dauerhafte Sommerzeit. Das Europäische Parlament stimmte dafür, die Zeitumstellung nach dem Jahr 2021 zu beenden. Doch seitdem liegt das Thema auf Eis, die notwendigen Beschlüsse der EU-Staaten stehen aus.

Relikt der Ölkrise in 1970er-Jahren

Bereits seit 1980 werden die Uhren in Deutschland im Frühjahr von der Mitteleuropäischen Zeit auf Sommerzeit umgestellt. Der Wechsel erfolgt jedes Jahr gleichzeitig in allen EU-Staaten und in den meisten europäischen Nachbarstaaten. Schon Ende der 1970er-Jahre hatten viele europäische Nachbarstaaten nach der Ölkrise von 1973 die Sommerzeit eingeführt, um das Tageslicht besser auszunutzen und so Energie zu sparen. Dieser Plan ist nach heutigen Erkenntnissen aber nicht aufgegangen.

Atomuhr aus Braunschweig gibt Signal

Die Zeitumstellung erfolgt immer am letzten Sonntag der Monate März und Oktober. 2023 beginnt die Mitteleuropäische Sommerzeit am 26. März. Taktgeber für den Zeitwechsel ist die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über einen Langwellensender bei Frankfurt am Main schickt sie ein Signal an alle funkgesteuerten Uhren in einem Umkreis von 2.000 Kilometern. An diesem Signal hängen beispielsweise Rundfunk- und Fernsehstationen, die Deutsche Bahn, Tarif-Schaltuhren der Energieversorger, Verkehrsampeln und auch alle privaten Funkuhren. Sie passen sich dann automatisch an die Mitteleuropäische Zeit an. Auch die meisten Computer erkennen den Zeitsprung.

Weitere Informationen
Eine Frau liegt schlafend im Bett, dahinter ist ein Wecker zu erkennen © Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk Foto:  Christoph Soeder

Ein letztes Mal an der Uhr drehen? Vom Unsinn der Zeitumstellung

Der Biologe und Wissenschaftsjournalist Peter Spork meint, dass es Zeit ist, mit der Zeitumstellung Schluss zu machen. mehr

Eine Katze liegt gähnend unter einer Bettdecke. © chhmz / photocase.de Foto: chhmz / photocase.de

Umfrage: Jeder Zweite leidet unter Zeitumstellung

Gegenüber früheren Studien haben Gereiztheit und Schlafprobleme zugenommen. Besonders betroffen: Familien mit Kindern. mehr

Junge Frau im Bett schaut wütend auf den Wecker, der auf dem Nachttisch steht. © colourbox

Schlafstörungen: Warum gesunder Schlaf so wichtig ist

Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Welche Ursachen hat Schlaflosigkeit? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 30.10.2022 | 08:00 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Ein Mädchen schnupft sich aus. © Colourbox Foto: Phovoir

Keine "Immunschuld" als Folge der Pandemie-Schutzmaßnahmen

Atemwegserkrankungen von Kindern in Schulen und Kitas häufen sich derzeit. Das hat laut Medizinern aber nur indirekt mit Corona zu tun. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr