Wunden heilen mit Fischhaut vom Kabeljau

Stand: 06.09.2021 10:55 Uhr

Die Fischhaut vom Kabeljau wird vor allem bei problematischen Wunden von Diabetikern erfolgreich eingesetzt. Die in der Fischhaut enthaltenen Omega-3-Fettsäuren bremsen Entzündungen und töten Bakterien.

Chronische Wunden zum Abheilen zu bringen, gehört schon immer zu den großen Herausforderungen der Chirurgie. Vor allem bei Diabetikern wird abgestorbenes Gewebe nur langsam beseitigt, neues nur verzögert aufgebaut. Durchblutungs- und Nervenstörungen bremsen die Heilung und im schlimmsten Fall bleibt nur die Amputation.

Fischhaut aus Island könnte bei Wunden helfen

Ein neues Verfahren macht Hoffnung: Die Fischhaut von Gadus morhua, dem Kabeljau (oder Dorsch), wird vor allem bei der Deckung problematischer diabetischer Wunden eingesetzt - und das sehr erfolgreich. Die Fischhaut kommt aus Island, wo frisch gefangener Kabeljau aufgearbeitet und seine Haut sofort in Speziallaboren für den medizinischen Einsatz vorbereitet wird. Die Struktur der Fischhaut mit Omega 3-Fettsäuren, Elastin und Glykogen bleibt dabei erhalten.

Aufwendiger sind Hauttransplantate von Schwein und Rind

Bisher wurden Hauttransplantate aus Schwein, Rind oder menschlicher Nabelschnur gewonnen, doch diese Materialien müssen aus Infektionsschutzgründen aufwendig aufbereitet werden und haben eine so dichte Struktur, dass die Körperzellen sie bei der Besiedlung meist nicht durchdringen können, sondern auf der Oberfläche hängenbleiben.

Fischhaut muss nicht steril sein

Diese Nachteile hat die Fischhaut des Kabeljaus nicht: Zwischen Kaltwasserfischen und Menschen besteht kein Krankheitsübertragungsrisiko, deshalb muss die Fischhaut nicht steril sein, sondern nur schonend verarbeitet werden, damit sie ihre natürliche Struktur behält. Unter dem Elektronenmikroskop sieht sie mit ihrer lockeren Struktur und den großen Poren der menschlichen Oberhaut verblüffend ähnlich. Nach der Transplantation vermehren sich die Hautstammzellen in ihr stark und die Fischhaut wird mit Hautzellen überwuchert. Die in der Fischhaut reichlich enthaltenen Omega-3-Fettsäuren bremsen zudem Entzündungen, töten Bakterien und schützen sogar vor Viren wie Herpes-Simplex und HIV. Außerdem fördern sie die Entstehung neuer Blutgefäße.

EU-Forschungsprojekt soll Kostenübernahme klären

Bisher werden die Kosten der Fischhauttherapie nicht von den Krankenkassen übernommen. Ein EU-Forschungsprojekt über 24 Wochen soll nun belastbare Daten zum Kosten-Nutzen-Verhältnis liefern, die als Grundlage für eine Erstattungsregelung gelten können. Denn obwohl das Dorschtransplantat vergleichsweise kostspielig ist, könnte es auf längere Sicht viel Geld einsparen, das sonst für Wundversorgung zu Hause, für Krankenhausaufenthalte und letztlich auch für Amputationen ausgegeben werden müsste.

 

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