Stand: 23.04.2018 12:04 Uhr

Vorhofflimmern erhöht Risiko für Schlaganfall

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Vorhofflimmern kann das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen.

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Formen von Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen davon betroffen. Bei manchen Betroffenen tritt es anfallartig auf (Paroxysmales Vorhofflimmern), bei anderen ist es dauerhaft vorhanden. Zu den typischen Symptomen gehören Schwächegefühl, Herzrasen, starkes Herzklopfen, Herzschmerzen, Angstgefühl und vor allem Atemnot bei körperlicher Belastung und schnellem Herzschlag. Oft werden jedoch überhaupt keine Symptome wahrgenommen.

Hauptproblem ist das große Risiko, das mit dem Vorhofflimmern verbunden ist: Es gehört zu den wichtigsten Ursachen eines Schlaganfalls. Um Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und die Gefahr eines Schlaganfalls zu senken, fordern Experten ein Screening mit Pulsmessen und EKG für alle Menschen ab 65 Jahren.

Grafische Nachstellung eines menschlichen Oberkörpers.

Vorhofflimmern erhöht Risiko für Schlaganfall

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Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. Experten fordern regelmäßige Untersuchungen für Menschen ab 65 Jahren.

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Risikogruppen für Vorhofflimmern

An Vorhofflimmern leiden vor allem Menschen mit Bluthochdruck, koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehlern, Herzmuskelschwäche und Schilddrüsenüberfunktion. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. In 60 Prozent der Fälle ist die Ursache für das Vorhofflimmern unbekannt.

Tabletten gegen Rhythmusstörungen und blutverdünnende Medikamente

Bei Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe des Herzens nicht im regelmäßigen Herzrhythmus. Sie pumpen das Blut nicht mehr vollständig in die Kammern. In manchen Bereichen kommt der Blutstrom zum Stillstand, zum Beispiel in einer kleinen Ausbuchtung des linken Vorhofs, dem sogenannten Herzohr. Bildet sich hier ein Gerinnsel, kann es mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült werden und dort einen schweren Schlaganfall auslösen.

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Deshalb sollten Betroffene mit Vorhofflimmern nicht nur Tabletten gegen die Rhythmusstörung einnehmen, sondern auch blutverdünnende Medikamente, die die Gerinnselbildung verhindern. Reichen Medikamente nicht aus, um den Herzrhythmus zu normalisieren, können Ärzte versuchen, das Herz mit Stromimpulsen wieder in den richtigen Takt zu bringen (Kardioversion).

Gesunde Ernährung und Bewegung gegen Vorhofflimmern

Daneben gibt es noch eine weitere, ganz wichtige Therapiestrategie: Wer seinen Lebensstil ändert und mit gesunder Ernährung und viel Bewegung sein Körpergewicht deutlich reduziert, kann in vielen Fällen seine Rhythmusstörung und damit auch das Schlaganfallrisiko besiegen. Aktuelle Studien zeigen, dass jeder zweite Patient sein Vorhofflimmern durch Änderung seines Lebensstils und Verringerung des Körpergewichts lindern oder sogar loswerden könnte. Doch nur jeder zehnte Betroffene nimmt diese Chance auch tatsächlich wahr, schätzen Experten.

Herzzellen mit Katheterablation veröden

Wenn medikamentöse Therapie und Veränderung des Lebensstils nicht helfen und sich die Anfälle des Vorhofflimmerns häufen oder längere Zeit anhalten, kann eine Katheterablation helfen. Bei der Ablation wird ein spezieller Katheter durch die Leistenvene bis in das Herz geführt. Mithilfe von Hochfrequenzstrom oder durch Kälte (Kryoballon-Ablation) versucht der Kardiologe, Herzmuskelzellen im Übergangsbereich von Lungenvenen und linkem Vorhof zu veröden. Dabei sollen die störenden elektrischen Impulse unterbrochen und das Vorhofflimmern beendet werden. Ob eine Ablation sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden.

Individuelles Risiko für Schlaganfall ermitteln

Das Risiko für einen Schlaganfall hängt auch davon ab, ob und welche zusätzlichen Risikofaktoren bestehen. Das individuelle Schlaganfall-Risiko lässt sich durch die Berechnung des sogenannten CHA2DS2-VASc-Scores abschätzen. Der Wert gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall zu erleiden. Er wird ermittelt, indem Punkte für unterschiedliche Risikofaktoren zusammengezählt werden:

  • Alter zwischen 65 und 74 Jahre: 1 Punkt
  • Alter ab 75 Jahre: 2 Punkte
  • Schlaganfall in der Vergangenheit: 2 Punkte
  • Diabetes mellitus: 1 Punkt
  • Bluthochdruck: 1 Punkt
  • ausgeprägte Herzschwäche: 1 Punkt
  • weibliches Geschlecht: 1 Punkt
  • Gefäßverengungen infolge einer Arteriosklerose (KHK, pAVK): 1 Punkt

Durch das Addieren der Punkte ergibt sich ein Wert zwischen 0 und 9, der dem individuellen Risiko entspricht. Dabei steht die "0" für "keine weiteren Risikofaktoren" und die "9" für "maximale Risikofaktoren".

Bei einem Gesamtwert von "5" kommt es laut Statistik bei 84 von 1.000 Menschen mit diesem Risiko innerhalb von einem Jahr zu einem Schlaganfall. Wenn 1.000 Menschen mit diesem Risiko dagegen blutverdünnende Medikamente einnehmen, bekommen nur 29 von ihnen einen Schlaganfall.

Auch wenn neben Vorhofflimmern keine weiteren Risikofaktoren vorliegen, kommt es statisch gesehen bei zwei von 1.000 Betroffenen innerhalb eines Jahres zu einem Schlaganfall. In diesem Fall muss der Arzt abwägen, ob die Einnahme eines Blutverdünners zur Vorbeugung eines Schlaganfalls sinnvoll ist. Durch die Therapie steigt jedoch das Risiko für Blutungen.

Hamburg City Health Study

Vorhofflimmern ist auch ein zentrales Thema der Hamburg City Health Study (HCHS). Sie ist die größte lokale Gesundheitsstudie der Welt und findet auf Initiative des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) statt. Ziel der Studie ist es, das Zusammenspiel von Umwelt, Biologie, Genetik und Lebensstil zu verstehen, das möglicherweise hinter der Entstehung von Erkrankungen steht. Dazu sollen insbesondere Risikofaktoren für die häufigsten Volksleiden wie Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall oder Demenz identifiziert werden. Seit dem Frühjahr 2015 werden 45.000 Hamburgerinnen und Hamburger im Alter von 45 bis 74 Jahren untersucht.

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Interviewpartner

Prof. Dr. Renate Schnabel, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie
Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie
Universitäres Herzzentrum Hamburg (UHZ)
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 53979
E-Mail: r.schnabel@uke.de

Dr. Arne Breest, Hausarzt
Bismarckstraße 104, 20253 Hamburg
Tel. (040) 4202233

Weitere Informationen
Kompetenznetz Vorhofflimmern e. V.
Internet: www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
Broschüre: www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de/de/vorhofflimmern/broschuere-vorhofflimmern-herz-aus-dem-takt

Hamburg City Health Study
Internet: www.hchs.hamburg

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.04.2018 | 20:15 Uhr

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