Stand: 30.10.2018 14:12 Uhr

Vorhofflimmern: Ist Katheterablation sinnvoll?

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Vorhofflimmern kann das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen.

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Formen von Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sind etwa 1,8 Millionen Menschen davon betroffen. Am Anfang tritt es meist anfallartig auf (Paroxysmales Vorhofflimmern). Im Verlauf haben Betroffene oft dauerhaftes Vorhofflimmern. Zu den typischen Symptomen gehören Schwächegefühl, Herzrasen, starkes Herzklopfen, Herzschmerzen, Angstgefühl und vor allem Atemnot bei körperlicher Belastung und schnellem Herzschlag. Oft werden jedoch überhaupt keine Symptome wahrgenommen.

Hauptproblem ist das große Risiko, das mit dem Vorhofflimmern verbunden ist: Es gehört zu den wichtigsten Ursachen eines Schlaganfalls. Um Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen und die Gefahr eines Schlaganfalls zu senken, fordern Experten ein Screening mit Pulsmessen und EKG für alle Menschen ab 65 Jahren.

Das zweite Problem: Je länger das Vorhofflimmern andauert, desto eher wird das Herz durch die schnelle Herzschlagfolge geschädigt und es kann zu Herzschwäche kommen.

Ein Mann, der seinen Puls misst.

Vorhofflimmern: Ist Katheterablation sinnvoll?

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Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöht. In welchen Fällen ist eine Katheterablation sinnvoll?

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Risikogruppen für Vorhofflimmern

An Vorhofflimmern leiden vor allem Menschen im höheren Lebensalter. Zu den Ursachen gehören:

  • Bluthochdruck
  • koronare Herzkrankheit
  • Herzklappenfehler
  • Herzmuskelschwäche
  • Schilddrüsenüberfunktion

Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Nicht immer lassen sich eindeutige Ursachen finden.

Im Gespräch
04:50
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Katheterablation bei Vorhofflimmern

30.10.2018 20:15 Uhr
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Wann ist bei Vorhofflimmern eine Katheterablation sinnvoll? Der Kardiologe und Elektrophysiologe Prof. Roland Richard Tilz beantwortet Fragen und gibt Tipps. Video (04:50 min)

Chat-Protokoll: Ist Katheterablation sinnvoll?

Wann ist eine Katheterablation bei Vorhofflimmern sinnvoll? Der Kardiologe und Elektrophysiologe Prof. Roland Richard Tilz hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Tabletten gegen Rhythmusstörungen und blutverdünnende Medikamente

Bei Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe des Herzens nicht im regelmäßigen Herzrhythmus. Sie pumpen das Blut nicht mehr vollständig in die Kammern. In manchen Bereichen kommt der Blutstrom zum Stillstand, zum Beispiel in einer kleinen Ausbuchtung des linken Vorhofs, dem sogenannten Herzohr. Bildet sich hier ein Gerinnsel, kann es mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült werden und dort einen schweren Schlaganfall auslösen.

Deshalb sollten Betroffene mit Vorhofflimmern je nach individuellem Risiko blutverdünnende Medikamente bekommen., die die Gerinnselbildung verhindern.

Medikamente gegen die Herzrhythmusstörung selbst können bei anfallsweisem Vorhofflimmern das Herz bei Bedarf wieder in den richtigen Rhythmus bringen. Diese Therapie heißt "pill in the pocket" (auf Deutsch: Pille für die Hostentasche), da man die Pille immer bei sich tragen sich.

Reichen Medikamente nicht aus, um den Herzrhythmus zu normalisieren, können Ärzte versuchen, das Herz mit Stromimpulsen von außen wieder in den richtigen Takt zu bringen (Elektroschocks, Kardioversion). Danach können dauerhaft eingenommene Herzmittel (Anti-Arrhythmika) helfen, das Herz im richtigen Rhythmus zu halten.

Gesunde Ernährung und Bewegung gegen Vorhofflimmern

Daneben gibt es noch eine weitere, ganz wichtige Therapiestrategie: Wer seinen Lebensstil ändert und mit gesunder Ernährung und viel Bewegung sein Körpergewicht deutlich reduziert, kann seine Rhythmusstörung und damit auch das Schlaganfallrisiko besiegen. Aktuelle Studien zeigen, dass jeder zweite Patient sein Vorhofflimmern durch Änderung seines Lebensstils und Verringerung des Körpergewichts lindern oder sogar loswerden könnte. Doch nur jeder zehnte Betroffene nimmt diese Chance auch tatsächlich wahr, schätzen Experten.

Herzzellen mit Katheterablation veröden

Wenn medikamentöse Therapie und Veränderung des Lebensstils nicht helfen und sich die Anfälle des Vorhofflimmerns häufen oder längere Zeit anhalten, kann eine Katheterablation helfen. Dabei werden die elektrischen Störquellen im Herzen verödet, um die Häufigkeit des Vorhofflimmerns deutlich zu reduzieren oder es komplett auszuschalten. Auf diese Weise lässt sich nicht nur die Lebensqualität des Betroffenen verbessern, sondern im besten Fall auch eine Herzschwäche verhindern. Die Erfolgschance dieses Verfahrens ist am größten, wenn das Vorhofflimmern noch von allein kommt und geht (paroxysmales oder anfallartiges Vorhofflimmern), und es höchstens eine Woche anhält. Dann liegt die Erfolgsquote bei über 80 Prozent.

Ist das Vorhofflimmern dagegen rund um die Uhr vorhanden und schlägt das Herz überhaupt nicht mehr in einem normalen Rhythmus, ist die Erfolgschance deutlich geringer. Auch bei mehrmaliger Wiederholung der Ablation liegt die Erfolgsquote dann unter 50 Prozent.

So verläuft die Ablation

Bei der Ablation wird ein spezieller Katheter durch die Leistenvene bis in das Herz geführt. Mithilfe von Hochfrequenzstrom oder durch Kälte (Kryoballon-Ablation) versucht der Kardiologe, Herzmuskelzellen im Übergangsbereich von Lungenvenen und linkem Vorhof zu veröden. Dabei sollen die störenden elektrischen Impulse unterbrochen und das Vorhofflimmern beendet werden.

Wann eine Ablation sinnvoll ist

In jedem dritten Fall kehrt das Vorhofflimmern nach einiger Zeit zurück und die Ablation muss möglicherweise auch mehrmals wiederholt werden, bis die Anfälle komplett aufhören. Ob eine Ablation sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Die Erfolgschance dieses Verfahrens ist auch abhängig von der Erfahrung des behandelnden Arztes. Betroffene sollten sich deshalb möglichst an ein Herzzentrum wenden, in dem die Katheterablation zu den Routineverfahren gehört. Bei der Suche nach passenden Spezialisten hilft zum Beispiel die Deutsche Herzstiftung.

Auch nach erfolgreicher Behandlung des Vorhofflimmerns mit Medikamenten, Kardioversion oder Ablation bleibt die Schlaganfallgefahr bestehen. Daher müssen die Tabletten zur Blutverdünnung meistens lebenslang eingenommen werden.

AV-Knoten-Verödung in besonders schwierigen Fällen

Führt die Katheterablation nicht zum Erfolg, gibt es inzwischen eine neue Option: Durch Verödung des AV-Knotens wird die elektrische Verbindung zwischen Vorhof und Hauptkammer komplett gekappt und durch einen Herzschrittmacher ersetzt.

Individuelles Risiko für Schlaganfall ermitteln

Das individuelle Schlaganfall-Risiko bei Vorhofflimmern lässt sich durch die Berechnung des sogenannten CHA2DS2-VASc-Scores abschätzen. Der Wert gibt Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall zu erleiden. Er wird ermittelt, indem Punkte für unterschiedliche Risikofaktoren zusammengezählt werden:

Das Addieren der Punkte ergibt einen Wert zwischen 0 und 9, der dem individuellen Risiko entspricht. Dabei steht die "0" für "keine weiteren Risikofaktoren" und die "9" für "maximale Risikofaktoren".

Bei einem Gesamtwert von "5" kommt es laut Statistik bei 84 von 1.000 Menschen mit diesem Risiko innerhalb von einem Jahr zu einem Schlaganfall. Wenn 1.000 Menschen mit diesem Risiko dagegen blutverdünnende Medikamente einnehmen, bekommen nur 29 von ihnen einen Schlaganfall.

Wenn neben Vorhofflimmern keine weiteren Risikofaktoren vorliegen, kommt es statisch gesehen bei zwei von 1.000 Betroffenen innerhalb eines Jahres zu einem Schlaganfall. In diesem Fall muss der Arzt abwägen, ob die Einnahme eines Blutverdünners zur Vorbeugung eines Schlaganfalls sinnvoll ist. Durch die Therapie steigt jedoch das Risiko für Blutungen.

Hamburg City Health Study

Vorhofflimmern ist auch ein zentrales Thema der Hamburg City Health Study (HCHS). Sie ist die größte lokale Gesundheitsstudie der Welt und findet auf Initiative des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) statt. Ziel der Studie ist es, das Zusammenspiel von Umwelt, Biologie, Genetik und Lebensstil zu verstehen, das möglicherweise hinter der Entstehung von Erkrankungen steht. Dazu sollen insbesondere Risikofaktoren für die häufigsten Volksleiden wie Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall oder Demenz identifiziert werden. Seit dem Frühjahr 2015 werden 45.000 Hamburgerinnen und Hamburger im Alter von 45 bis 74 Jahren untersucht.

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Interviewpartner

Prof. Dr. Roland Richard Tilz, Sektionsleiter Elektrophysiologie
Medizinische Klinik II - Kardiologie, Angiologie, Intensivmedizin
Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Schleswig Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 500-44 580
www.uksh.de

Prof. Dr. Stephan Willems, Klinikdirektor
Klinik für Kardiologie mit Schwerpunkt Elektrophysiologie
Universitäres Herzzentrum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Deutsche Herzstiftung e. V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt am Main
(069) 955 12 80
www.herzstiftung.de

Dieses Thema im Programm:

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