Ein Mann reibt sich die Augen hinter seiner Brille. © Colourbox Foto: Phovoir

Ständige Müdigkeit: Nebenniereninsuffizienz erkennen

Stand: 09.11.2020 11:07 Uhr  | Archiv

Eine primäre Nebenniereninsuffizienz (auch Morbus Addison genannt) ist eine seltene, aber schwere Erkrankung der Nebennierenrinde, die tödlich verlaufen kann.

Die Nebennieren sitzen wie Kappen auf den Nieren. In der Rinde der Nebennieren werden die lebenswichtigen Hormone Cortisol und Aldosteron produziert. Morbus Addison wird durch einen Mangel dieser Hormone ausgelöst und macht sich durch Symptome wie Braunfärbung der Haut, Erschöpfung und niedrigen Blutdruck bemerkbar. Unbehandelt verläuft Nebennierenschwäche tödlich, denn der Körper ist ohne die fehlenden Hormone praktisch schutzlos Infekten, Verletzungen oder sonstigen Belastungen ausgesetzt.

Nebennierenrinde produziert lebenswichtige Hormone

In den Nebennieren werden die Hormone Cortisol und Aldosteron gebildet:

Das Stresshormon Cortisol ist für die Regulation von Stoffwechselprozessen verantwortlich, die dem Körper bei Bedarf Energie zur Verfügung stellen. Es fährt den Blutdruck hoch, erhöht den Blutzuckerspiegel und aktiviert die Körperzellen. Es wirkt sich außerdem auf den Stoffwechsel von Knochen, Haut, Muskulatur und Bindegewebe aus und beeinflusst Appetit, Sexualtrieb und Psyche. In höheren Konzentrationen wirkt Cortisol entzündungshemmend. Gesteuert wird die Hormonausschüttung durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).

Aldosteron reguliert den Natrium- und Wasserhaushalt des Körpers und spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Blutdruckes und des Elektrolythaushaltes.

Ursachen für Hormonmangel

Die Ursache des Morbus Addison liegt in den Nebennieren oder im Gehirn:

  • Bei einer primären Nebenniereninsuffizienz beruht der Mangel an Nebennierenrindenhormonen auf einer Erkrankung der Nebennierenrinde, häufig ausgelöst durch Autoimmunerkrankungen.
  • Bei einer sekundären Nebenniereninsuffienz ist der Hormonmangel auf eine Störung des Regulationszentrums im Gehirn zurückzuführen. Sie kann die Folge von Schlaganfällen, Tumoren oder Schädelverletzungen sein.
  • Die tertiäre Nebenniereninsuffizienz ist die Folge einer dauerhaften Einnahme hochdosierter Kortisonpräparate.

Symptome der Nebenniereninsuffizienz

Erste Symptome der Erkrankung treten erst auf, wenn bereits etwa 90 Prozent der Nebennieren zerstört sind:

  • Braunfärbung der Haut ("Bronzekrankheit"), vor allem im Bereich der Mundschleimhaut
  • Appetit auf salzige Speisen
  • niedriger Blutdruck
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schwitzen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen
  • Depressionen, Reizbarkeit, Apathie
  • bei Frauen Verlust des Schamhaars

Viele der Beschwerden sind unspezifisch und können vor allem bei einer langsam voranschreitenden Addison-Krankheit als Erschöpfungssyndrom oder Alterserscheinungen fehlgedeutet werden.

Nebennierenerschöpfung gibt es nicht

Immer wieder gebrauchen zum Beispiel einige Heilpraktiker Begriffe wie Nebennierenerschöpfung, chronisch aktivierte HPA-Achse oder Nebennierenschwäche auf, die sich angeblich durch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel behandeln ließen. Doch Experten warnen vor dieser Mode-Diagnose. Tatsächlich handele es sich dabei um eine zwar recht umsatzträchtige, aber erfundene Krankheit. Die teure Behandlung bringe vielmehr die Gefahr mit sich, dass eine echte Nebennierenunterfunktion dadurch lange nicht erkannt werde.

Diagnose der Addison-Krankheit

Typischerweise wird Morbus Addison erst in einer lebensbedrohlichen Addison-Krise diagnostiziert. Sie ist gekennzeichnet durch

  • Abfall des Blutdrucks bis zum Kreislaufversagen
  • drohende Austrocknung des Körpers
  • Fieber
  • niedrigen Blutzuckerspiegel
  • starke Bauchschmerzen

Diagnose per Blutuntersuchung

Zur Diagnose von Morbus Addison werden die Blutwerte der Salze Natrium und Kalium und der Hormone Cortisol und ACTH untersucht.

Im Rahmen eines sogenannten ACTH-Stimulationstests wird das Hypophysenhormon ACTH dem Körper von außen zugeführt und anschließend der Cortisolspiegel im Blut bestimmt. Steigt er an, ist die Nebenniere noch funktionsfähig und die Ursache liegt sehr wahrscheinlich in der Hypophyse. Bleibt der Cortisolspiegel hingegen trotz ACTH-Gabe niedrig, liegt die Störung in der Nebennierenrinde selbst - es liegt also eine primäre Nebennierenrindeninsuffizienz vor.

Mit Hilfe spezieller Antikörpertests kann eine Autoimmunerkrankung als Ursache der Erkrankung aufgedeckt oder ausgeschlossen werden.

Lebenslang Hormone einnehmen

Die Therapie des Morbus Addison besteht in der lebenslangen Einnahme der fehlenden Hormone. Die Betroffenen müssen dreimal täglich Hydrocortisol in Kombination mit Fludrocortisol einnehmen - und ein Notfallset mit Cortisolspritze für den akuten Bedarf mit sich führen. Trotz lebenslanger Einnahme von Hormonen können die Erkrankten bei rechtzeitiger Behandlung ein normales Leben führen.

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Experten zum Thema

Dr. Catharina Bullmann, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, Osteologin (DVO)
amedes MVZ Hamburg GmbH
Mönckebergstraße 10
20095 Hamburg
(0800) 589 16 88
www.amedes-experts-hamburg.de

Dr. Iris van de Loo, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie
Endokrinologie Bremen
Alfred-Faust-Straße 11
28277 Bremen
www.endokrinologie-bremen.de

Weitere Informationen
Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V.
Waldstraße 53
90763 Fürth
(0911) 979 20 09-0
www.glandula-online.de
Adressen und Patientenbroschüre "Morbus Addison" zum Herunterladen

Dieses Thema im Programm:

Visite | 10.11.2020 | 20:15 Uhr

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