Magen- und Darmprobleme: Wenn Stress die Ursache ist

Stand: 05.12.2022 17:36 Uhr

Durchfall und Magenschmerzen vor Wettkampf oder Prüfung: Verdauungsprobleme in Stresssituationen sind weit verbreitet. Die Beschwerden lassen sich jedoch behandeln.

Massiver Leistungsdruck in Schule, Uni oder im Profisport - und kurz bevor es darauf ankommt, rebellieren plötzlich Magen und Darm. Stresshormone sind dafür verantwortlich. Die Magen- und Darmprobleme sollte man jedoch ernst nehmen, denn hinter den Beschwerden können Ängste stecken, die sich sonst verselbstständigen.

Leistung gefordert: Körper schüttet Stresshormone aus

Dass Stress auf Magen und Darm schlägt, ist in der Evolution angelegt: Wenn Leistung gefordert wird, schüttet der Körper Stresshormone aus. Diese wirken auf das Nervensystem, damit man fit ist für den Überlebenskampf und in Gefahrensituationen konzentriert und leistungsstark handelt. Da das Verdauungssystem in solchen Momenten nicht gebraucht wird, wird es schlechter durchblutet und nicht gut von den Nerven versorgt. Das kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfen führen.

 

VIDEO: Was, wenn Stress auf die Verdauung schlägt? (7 Min)

Wenn Verdauungsprobleme zum Selbstläufer werden

Bei den meisten Betroffenen lassen die Beschwerden nach, sobald die Stresssituation vorbei ist. Symptome wie Durchfall und Erbrechen sind dann gesundheitlich nicht gefährlich, können aber auf Dauer extrem belasten. Problematisch wird es, wenn Betroffene immer wieder in Stresssituationen kommen und nicht mehr gegenregulieren können. Dann können die Verdauungsprobleme zu einem Selbstläufer werden: Sobald man nur ahnt, in eine Stresssituation geraten zu können, beginnen die Symptome.

Welche Medikamente helfen bei stressbedingten Verdauungsproblemen?

Naturheilkundliche Magenmittel oder eine probiotische Therapie kann gegen Durchfall und Magenprobleme bei Stress helfen. Doch typische Medikamente gegen Durchfallerkrankungen sind bei diesen psychisch bedingten Erkrankungen nicht hilfreich. Sind andere organische Ursachen für die Verdauungsprobleme ausgeschlossen, können psychotherapeutische Methoden helfen.

Hinter Beschwerden bei Stresssituationen kann Angst stecken

Die stressbedingten Beschwerden muss man ernst nehmen, weil hinter den Verdauungsproblemen Ängste stecken können. Ist die Angst vor einer Stresssituation - beispielsweise vor einer Prüfung - erst mal da, neigt sie dazu, auch zu bleiben. Es besteht die Gefahr, dass die Angst größer wird und auch in anderen Situationen auftaucht.

Entspannen hilft vor stressigen Situationen

Betroffene sollten sich nach der Ursache der Angst fragen: Liegt es an zu hohen Erwartungen oder an einer falschen Vorbereitung? Wichtig ist, sich aktiv mit dem Gefühl der Angst auseinanderzusetzen. Um die Angst in den Griff zu bekommen und die Verdauung zu normalisieren, hilft bewusstes Entspannen und Genießen - vor allem in der Vorbereitungszeit zu einer großen Herausforderung. Außerdem ist es wichtig, über seine Probleme offen zu sprechen. Es kann sehr erleichternd und hilfreich sein zu wissen, dass es vielen Menschen ähnlich geht.

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